Dienstag, Oktober 4, 2022

Der Bundeswehrverband will keine Truppenabgaben mehr an die Ukraine zahlen

ichIn der Debatte um Panzerlieferungen an die Ukraine warnt der Deutsche Bundeswehrverband vor einer „Kannibalisierung unserer Truppe“. „Wir verstehen den Wunsch der Ukraine nach schweren Waffen nur zu gut. Wir können uns zum Beispiel vorstellen, Schützenpanzer aus den Beständen der Industrie abzugeben“, sagte Verbandschef André Wüstner dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Samstag). „Was aus unserer Sicht als Profi nicht mehr möglich ist Verband ist jedoch die Abgabe von Waffen und Munition der Bundeswehr. Jede einzelne Lieferung führt zu einer Schwächung der Bundeswehr.“

„Viele in der Bundeswehr befürchten negative Auswirkungen dieser Politik der weiteren Kannibalisierung unserer Truppe“, fügte Wüstner hinzu. Er bezog dies auf eine „teilweise prekäre materielle Einsatzbereitschaft“, die Nato-Verpflichtungen sowie Ausbildung und Übung „als Voraussetzung für alles“. Wüstner betonte: „Unsere Forderung lautet daher: Keine weiteren Lieferungen aus Bundeswehrbeständen. Und ebenso wichtig: Sofortige Ersatzbeschaffung für die bisher ausgelieferten Systeme!“

Die Ukraine drängt auf weitere Waffenlieferungen aus Deutschland, darunter auch Kampfpanzer. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat dies bisher abgelehnt. Auch die Koalitionspartner Grüne und FDP machen diesbezüglich Druck auf die SPD.

Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sagte dem „Mannheimer Morgen“ (Samstag): „Was die Ukraine militärstrategisch bisher erreicht hat, war nur möglich, weil die Ukraine die entsprechenden Waffen aus dem Westen erhalten hat.“ Nun müsse weiteres Material folgen – darunter der Schützenpanzer Marder, „mit dem die ukrainische Armee nachrücken und gezielt russische Stellungen angreifen könnte“. Als darauf hingewiesen wurde, dass die Kanzlerin das offenbar anders sehe, entgegnete Strack-Zimmermann: „Was uns alle verwundert.“

Am Donnerstag gab die Bundesregierung bekannt, dass die Ukraine zwei weitere Mars-Mehrfachraketenwerfer und 50 Dingo-Panzerfahrzeuge erhält. Außerdem würden 200 Raketen geliefert. Der bewaffnete Radtransporter Dingo wird zur Patrouille und Aufklärung eingesetzt.

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