Freitag, August 12, 2022

Fluch oder Segen? Wie Putins Ordensträger in Gewissensbisse gerieten

RUss-Präsident Wladimir Putin ehrt gerne bekannte Zeitgenossen aus aller Welt, von denen er annimmt, dass sie seinem Regime und ihm persönlich wohlgesinnt sind.

WELT AM SONNTAG hat jene Deutschen ausfindig gemacht, die seit seiner dritten Amtszeit als Präsident seit Frühjahr 2012 per Dekret des Kreml-Machthabers mit dem exklusiven Orden der Freundschaft oder dem noch prestigeträchtigeren Orden der Ehre ausgezeichnet wurden. In dieser Zeit eineinhalb Dutzend Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Sport haben diese Anerkennung erhalten.

Doch wie soll man heute, nach der Jahrhundertwende, mit dem Schmuck von Putins Gnaden umgehen? Das wollten wir von den Gewinnern wissen.

Einige reagierten nicht auf die Anfrage, was wiederum für andere ein Grund war, sich mit der Auftragsvergabe zu befassen.

Eine Auswahl der Antworten ist hier wiedergegeben. Darunter eine handfeste Überraschung: Ein Auserwählter, der mächtigste Sportfunktionär der Welt, behauptet, Putins Befehl sei nie bei ihm angekommen.

WELT AM SONNTAG: Wo, von wem, zu welchem ​​Anlass und wann genau haben Sie die Bestellung erhalten?

Heinrich Weiss: Vom damaligen russischen Botschafter Vladimir Grinin in der Berliner Botschaft am 2. Mai 2013 anlässlich eines Botschaftsempfangs aus diesem Anlass.

WELT AM SONNTAG: Für welche besonderen Verdienste haben Sie Ihrer Meinung nach die Medaille erhalten?

Weiss: Einige unserer langjährigen Kunden und der Russische Industrieverband wollten damit die über 100-jährige Geschäftsbeziehung unseres Unternehmens mit der russischen Stahl- und Metallindustrie und mein persönliches Engagement über mehr als fünf Jahrzehnte würdigen.

WELT AM SONNTAG: Was hat Ihnen diese Medaille bedeutet, zu welchem ​​Anlass haben Sie sie getragen und wo haben Sie sie aufbewahrt?

Weiss: Da ich in den vielen Jahren neben den geschäftlichen auch viele politische Gespräche im Sinne der Stärkung der traditionellen kulturellen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern führen konnte, bedeutete mir auch diese offizielle Anerkennung viel.

WELT AM SONNTAG: Haben Sie den Orden nach der russischen Invasion in der Ukraine zurückgegeben? Wenn ja: Warum, wie und wann war das genau? Haben Sie diese Gelegenheit genutzt, um die Gründe für die Rücksendung zu erläutern? Wenn Sie die Bestellung nicht zurückgesendet haben, warum nicht?

Weiss: Warum sollte ich es zurückgeben? Es wurde mir nicht von einem kriminellen Regime gegeben, sondern im Namen des russischen Volkes. Die Gründe dafür bleiben.

WELT AM SONNTAG: Wie hat sich Ihr Blick auf Präsident Putin seit dem 24. Februar verändert?

Weiss: Ich bin absolut entsetzt über die brutale, revisionistische und kriegsverbrecherische Persönlichkeit des Präsidenten, die jetzt ans Licht kommt.

Fragen dieser Redaktion ließ Warnig unbeantwortet. Weil er zu den Deutschen gehört, die die selten verliehene Medaille der höchsten Kategorie erhalten haben, darf er auf dieser Liste nicht fehlen, zumal er hierzulande einer der engsten Vertrauten Putins ist.

Nicht einmal Gerhard Schröder erhielt den Ehrenorden, der andere Deutsche, der Putin so nahe steht wie Warnig. Was die beiden letzteren eint, sind ihre bisherigen Karrieren als Auslandsagenten für die Stasi und den KGB.

Nach dem Zusammenbruch der DDR begann Warnig ein zweites Leben als Manager bei der Dresdner Bank, für die er das Geschäft in Russland aufbaute. Nachdem seine Stasi-Vergangenheit 2005 aufgedeckt wurde, leitete er für die Gazprom-Töchter Nord Stream 1 und 2 den Bau der beiden Pipelines durch die Ostsee. Warnig hat zwar in einer Erklärung seine Bestürzung über den Krieg zum Ausdruck gebracht, aber von Distanzierung keine Spur sich von Putin.

WELT AM SONNTAG: Wo, von wem, zu welchem ​​Anlass und wann genau haben Sie die Bestellung erhalten?

Johann Neumeier: Der Auftrag wurde mir zu einem anderen Zeitpunkt erteilt: Das Land war noch nicht in die Ukraine eingedrungen, man konnte zweimal täglich nach Moskau fliegen. Wir waren für ein Gastspiel in St. Petersburg. Es war die Zeit der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber Homosexuellen in Russland. Ich habe bewusst einen langen Ausschnitt aus meinem Ballett „Tod in Venedig“ in das Galaprogramm aufgenommen.

WELT AM SONNTAG: Für welche besonderen Verdienste haben Sie Ihrer Meinung nach die Medaille erhalten?

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