Dienstag, Mai 17, 2022

Hessische Linke sieht keine Verschulden bei Parteichefin Wissler


DEr hessischer Landesverband der Linken hat nach Bekanntwerden der Affäre um Sexismus-Vorwürfe die Bundesparteichefin und frühere Landesvorsitzende Janine Wissler verteidigt. „Wir werden Janine Wissler an dieser Stelle sehr unterstützen, damit sie ihre Arbeit weiterführen kann“, sagte die Landesvorsitzende Petra Heimer am Donnerstag in Frankfurt am Main. „Wir sehen keine Verschulden auf ihrer Seite, weil sie den ihr bekannten Vorfall sofort gemeldet hat“, ergänzte der hessische Vizelandeschef Michael Erhardt. Wisslers Angaben glauben er.

Auf einem Parteitag im Juni soll entschieden werden, wie es an der Spitze der Bundespartei weiter gehen soll. Der Bundesvorstand hatte am Mittwochabend nach dem überraschenden Rücktritt der Co-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow beschlossen, dass Wissler die Partei zunächst alleine weiterführen soll.

Dem hessischen Landesverband seien die Sexismus-Vorwürfe im vergangenen November bekannt geworden. „Ich möchte zurückweisen, dass wir schon vor Jahren von den Vorfällen gewusst haben sollen“, sagte Heimer. Die Bundespartei hat am Mittwochabend beschlossen, ein externes Team für die Aufarbeitung aufzustellen. „Wir werden die Bundespartei gebissen, dass sie uns bei der Aufarbeitung behilflich sein wird.“

Bislang habe es dem hessischen Landesverband an Strukturen gefehlt. „Uns ist der gravierende Missstand schmerzlich bewusst geworden, dass es bisher keine Strukturen im Landesverband gab, an die sich Betroffene wenden konnten“, führte der Co-Landesvorsitzende Jan Schalauske aus. „Dafür tragen wir Verantwortung.“ Trotz der seit 2017 andauernden gesellschaftlichen Debatte um #MeToo habe die Partei keine Notwendigkeit für entsprechende Strukturen gesehen. „Wir stellen jetzt fest, dass uns das auf die Füße fällt“, ergänzte Heimer.

Die Partei sieht sich derzeit mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert, welche die hessische Linke betreffen. Der „Spiegel“ berichtete, dort sei es über Jahre hinweg zu sexuellen Übergriffen gekommen. Zu den Beschuldigten soll demnach auch der ehemalige Lebensgefährte Wisslers gehört haben. Deren Kollegin Hennig-Wellsow begründete ihren Rücktritt unter anderem damit, dass der „Umgang mit Sexismus in den eigenen Reihen eklatante Defizite unserer Partei offen gelegt“ habe.

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