Freitag, August 12, 2022

Industrien schließen? „Werde nicht warten, bis es kalt wird“

QUADDEL: Herr Madsen, Sie haben am Mittwoch Ihren Amtseid als Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein geschworen – was ist Ihnen dabei durch den Kopf gegangen?

Claus Ruhe Madsen: In diesem Moment? Die Rostocker, deren Bürgermeister ich drei Jahre lang sein durfte. Dort ist mir der Abschied sehr schwer gefallen. Aber natürlich auch der Anfang der ganzen Geschichte. Ich bin 1992 mit einem Koffer, Basketballschuhen und ein paar T-Shirts für ein Jahr nach Deutschland gekommen. Und jetzt stehe ich plötzlich als Ministerin hier in Kiel. Es ist eine ziemlich verrückte Reise.

QUADDEL: Wie kam es zu Ihrem Wechsel nach Kiel?

Madsen: Daniel Günther hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Und der Dienst, den er mir anbot, passte perfekt. Also habe ich diese einmalige Gelegenheit angenommen. Die Rostocker haben mir eigentlich sieben Jahre lang das Vertrauen geschenkt, aber ich konnte den Ministerpräsidenten nicht wirklich bitten, noch vier Jahre zu warten, bis ich ernannt werde.

QUADDEL: Welche Pläne haben Sie für das neue Büro?

Madsen: Ich denke, als erstes muss man die Mitarbeiter des Ministeriums abholen und mit den Verbänden sprechen, mit den Abgeordneten der Fraktionen. Ich muss wissen, wo die Prioritäten liegen und wo der Schuh drückt. Vielleicht auch dort, wo es optimal läuft.

Das Land muss als grünes Industrieland vorangebracht werden. Vieles wird sich um zukunftsträchtige Siedlungen drehen. Auch der Tourismus wird ein wichtiges Thema sein, derzeit vor allem der Fachkräftemangel.

Und dann haben wir wichtige Verkehrsprojekte, darunter den Tunnel nach Dänemark. Aber auch Autobahnen und Straßen, die wir bauen wollen. Projekte, auf die der Ukraine-Krieg bereits Auswirkungen hat. Es bestehen erhebliche Materialengpässe.

QUADDEL: Ein weiteres Problem im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg ist die kurzfristige Energieversorgung, der mögliche Gasnotstand. Haben Sie bereits eine Idee, wie Sie die damit verbundenen Probleme lösen können?

Madsen: Langfristig hat Schleswig-Holstein mit seinem großen Potenzial zur nachhaltigen Energiegewinnung natürlich sehr gute Perspektiven. Auch die LNG-Terminals werden voraussichtlich ihren Beitrag leisten. Aber nicht sofort.

Das heißt, im Moment sind natürlich alle aufgerufen, Energie zu sparen. Und wir werden wahrscheinlich nicht umhin kommen, darüber zu diskutieren, wo wir im Notfall den Strom abstellen können.

QUADDEL: An welche Positionen denken Sie?

Madsen: In Dänemark gibt es beispielsweise eine Liste mit 47 Unternehmen, denen im Notfall das Gas abgestellt wird, um den Gasverbrauch um 40 Prozent zu senken. Das ist Aufgabe der Bundesnetzagentur, allerdings müsste eine solche Maßnahme natürlich eng mit den Ländern und Kommunen abgestimmt werden. Wir würden sicherlich schnell einen Krisenstab bilden, um dieser besonderen Situation mit offenen Augen zu begegnen – und nicht warten, bis es kalt wird.

QUADDEL: Was bedeutet Ihre Ernennung zum Minister für die deutsch-dänischen Beziehungen?

Madsen: Zumindest die dänischen Medien sehen darin eine gute Chance, die Beziehungen wieder deutlich auszubauen, insbesondere die Beziehungen zu Schleswig-Holstein wieder zu verbessern. Dänemark ist ein sehr grünes, nachhaltiges Land, auch sehr weit in der Digitalisierung. Wenn wir bereit sind, neugierig zu sein und voneinander zu lernen, dann könnte es sicherlich beiden Seiten helfen. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

QUADDEL: Sie wurden parteiloses Mitglied einer schwarz-grünen Landesregierung. Mit Bedacht? Oder wären Sie bei einem Angebot in ein rot-grünes Kabinett eingetreten?

Madsen: Jedenfalls wäre ich um keinen Preis in eine mögliche Regierung eingetreten. Die Gespräche mit Daniel Günther haben mich überzeugt. Ich denke, er ist eine sehr charismatische Persönlichkeit und auch sehr gut in der Politik.

QUADDEL: Werden Sie Mitglied der CDU?

Madsen: Ich habe mich noch nicht entschieden. Dazu müssen sich die schleswig-holsteinische CDU und Claus Madsen erst einmal kennenlernen.

„Kick-off Politics“ ist der tägliche News-Podcast der WELT. Das wichtigste Thema analysiert die WELT-Redaktion und die Termine des Tages. Abonnieren Sie den Podcast unter anderem bei Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music oder direkt per RSS-Feed.

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles