Freitag, August 12, 2022

IOC-Präsident Bach bestreitet, eine Auszeichnung von Putin erhalten zu haben

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, hat überraschend bestritten, Träger des von Wladimir Putin verliehenen „Ordens der Ehre“ zu sein. Nach den Winterspielen 2014 in Sotschi stand der Name des Sportfunktionärs auf einem entsprechenden Ukas von Putin.

Von russischer Seite hieß es, der Deutsche sei mit der Medaille für seinen „Beitrag zur Entwicklung der internationalen olympischen Bewegung und seine Verdienste um die Vorbereitung russischer Athleten“ geehrt worden. Ein Sprecher von Bachs WELT AM SONNTAG erklärte, diese Aussage sei falsch: „Der IOC-Präsident hat diesen Preis nie angenommen und deshalb auch nie erhalten.“

Bachs Sprecher sagte, das IOC habe damals nur aus den Medien von der „öffentlichen Ankündigung“ erfahren. Zu einer Ordensvergabe kam es nicht. Die russische Botschaft in Berlin, die solche Orden normalerweise im Rahmen einer Feierstunde an deutsche Staatsangehörige vergibt, wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Vorgang äußern.

Nach Recherchen der Redaktion hat Putin seit Beginn seiner dritten Amtszeit als Präsident im Frühjahr 2012 neben Bach nur zwei weitere Deutsche mit dem hochkarätigen „Orden der Ehre“ ausgezeichnet: seinen Vertrauten und Nord-Stream-2-Geschäftsführer Matthias Warnig und der Unternehmer Heinrich Weiss, dessen Industriekonzern SMS seit mehr als 100 Jahren in Russland tätig ist.

In dieser Zeit verlieh Putin auch einem Dutzend Deutschen den „Orden der Freundschaft“. Einige von ihnen haben die Auszeichnung inzwischen zurückgegeben. Unter ihnen ist der frühere Ministerpräsident und SPD-Parteichef Matthias Platzeck, der immer wieder wegen seiner Nähe zum Kreml aufgefallen ist. Die Auszeichnung nahm er 2018 persönlich von Außenminister Sergej Lawrow entgegen.

Platzeck sagte nun gegenüber WELT AM SONNTAG: „Ein paar Tage nach Kriegsbeginn habe ich die Bestellung per Post an den Botschafter zurückgeschickt. Als Grund wurde Russlands ungerechtfertigter Angriffskrieg in der Ukraine genannt.“

Andere Medaillengewinner wollen die Auszeichnung hingegen nicht zurückgeben, wie sie gegenüber WELT AM SONNTAG mitteilten. Darunter Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, und Hans Modrow, der letzte DDR-Regierungschef mit SED-Mitgliedschaft.

Semperopernball-Chef Hans-Joachim Frey sagte, „der Auftrag ist mir bis heute nicht überreicht bzw. übergeben worden“. Andere Preisträger wie der Unternehmer Martin Herrenknecht und der frühere Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Reinhard Führer antworteten nicht auf die Anfrage der Zeitung.

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