Samstag, August 20, 2022

Laut Kiew erleiden die Russen im Donbass hohe Verluste

DDie ukrainischen Truppen haben nach eigenen Angaben einen Angriff des russischen Militärs in der Donbass-Region in der Ostukraine abgewehrt. „Ukrainische Militante fügten dem Feind bei einem versuchten Angriff um die Dörfer Verkhnyokamkanka, Bilohorivka und Hryhorivka erhebliche Verluste zu. Die Besatzer haben sich zurückgezogen“, sagte der Generalstab am Mittwoch in Kiew. Die Dörfer liegen 10 bis 15 Kilometer westlich der ehemaligen Stadt Lyssytschanskdie die russischen Truppen am Wochenende eroberten.

Auch südlich davon im Raum Bakhmut sei es gelungen, den russischen Vormarsch zu stoppen und für „Verluste“ bei den Angreifern zu sorgen, hieß es in dem Bericht. Die Informationen können nicht unabhängig überprüft werden. Entlang der Linie der drei kleinen Städte Siwersk, Soledar und Bachmut Die ukrainische Armee baute nach dem Fall des Ballungsraums Sievarodonetsk-Lysychansk eine neue Verteidigungsmauer. Damit soll die russische Offensive aus dem Osten auf das Industriegebiet Slowjansk-Kramatorsk, das Hauptquartier des ukrainischen Militärs im Donbass, gestoppt werden. Derzeit wird um die Frontlinien der Verteidigung gekämpft.

Mehreren britischen Medienberichten zufolge soll der russische Panzerkommandant Jegor Meleschenko im Donbass getötet worden sein. Der 43-Jährige ist der 58. russische Oberst, der im Angriffskrieg getötet wurde. Der Bürgermeister seiner Heimatstadt behauptete, Meleschenko sei als Held in der „Verteidigung“ der Menschen im Donbass gestorben.

Unterdessen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen Aufruf zu mehr Waffenlieferungen aus dem Westen wiederholt. Kiew werde seine Aktivitäten nicht reduzieren, um moderne und ausreichende Raketenabwehrsysteme für die Ukraine zu bekommen, sagte er am Dienstag in einer Videobotschaft. Die russische Armee hat kürzlich erneut Stellungen im Land angegriffen. Einige der Raketen wurden von ukrainischen Luftverteidigungskräften abgeschossen.

Der Schutz vor Raketenangriffen noch in diesem Jahr zu schaffen, sei eine große Aufgabe des Staates, sagte Selenskyj. „Die Erfüllung dieser Aufgabe hängt aber nicht nur von uns ab, sondern auch vom Verständnis unserer Partner für unsere Grundbedürfnisse.“

Zuletzt reingekommen Kiew und andere Regionen haben seit einiger Zeit keinen Luftalarm mehr gegeben, sagte der Präsident. „Man sollte nicht nach Logik in den Handlungen von Terroristen suchen. Die russische Armee macht keine Pausen“, sagte er. Sie habe nur eine Aufgabe: „Menschen das Leben zu nehmen, Menschen einzuschüchtern – damit sich auch ein paar Tage ohne Fliegeralarm wie ein Teil des Terrors anfühlen.“

Russische Truppen werden Verstärkung brauchen, um ihre Dynamik der letzten Wochen aufrechtzuerhalten, sagt der ukrainische Militärexperte Oleh Zhdanov. „Ja, die Russen haben das Gebiet Luhansk erobert, aber um welchen Preis?“ er fragt. Einige Einheiten verloren bis zu 50 Prozent ihrer Soldaten.

Laut Zhdanov werden nun auch die Russen einsteigen Donezk „Wende dieselbe Taktik der verbrannten Erde an und vernichte ganze Städte.“ Genau genommen an dem Tag, an dem die letzte größere Stadt in Luhansk wurde gefangen genommen, Raketenangriffe auf Städte in der Nachbarregion wurden gemeldet. Der Gouverneur von Donezk, Pawlo Kyrylenko, hat am Dienstag 350.000 Menschen in der Region aufgefordert, Donezk zu verlassen, um es militärisch besser zu verteidigen.

Allerdings ist das jetzige Vorgehen auch mit hohen Verlusten für Russland verbunden. Moskau macht seit langem keine Angaben zur Zahl der eigenen Opfer. Nach dem ersten Kriegsmonat hieß es, rund 1.300 Soldaten seien gestorben. Westliche Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die wahre Zahl zu diesem Zeitpunkt bereits um ein Vielfaches höher lag. Berichten zufolge ist die Zahl der einsatzfähigen Soldaten so stark zurückgegangen, dass russische Kommandeure auf Großmanöver zur Umzingelung ganzer Gebiete verzichten mussten und deshalb versuchen, die Ukrainer mit schwerem Artilleriefeuer zum schrittweisen Rückzug zu drängen.

Unterdessen setzen die russischen Streitkräfte massiv separatistische Kämpfer ein. Und nach westlichen Angaben setzt Moskau nun verstärkt auf die Dienste privater Sicherheitsfirmen. Noch scheint Putin eine breite Mobilisierung im eigenen Land zu scheuen, die in der russischen Gesellschaft auf großen Widerstand stoßen könnte.

Nach Ansicht einiger westlicher Experten ist der russische Mangel an einsatzfähigen Soldaten so groß, dass Moskau gezwungen sein könnte, die Offensive im Laufe dieses Sommers einzustellen. US-Geheimdienstdirektor Avril Haines sagte, Putin scheine das langsame Tempo des Vormarsches im Donbass akzeptiert zu haben und ziele nun darauf ab, den ukrainischen Widerstand zu brechen, indem er die besonders kampferprobten Einheiten des Feindes zerschmettere.

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