Dienstag, August 9, 2022

„Lockdowns funktionieren nur, wenn Menschen mitmachen“

vDer Irologe Hendrik Streeck kritisierte die „schlechte Datenlage“, als er am Freitag in Berlin die Ergebnisse der Expertenkommission zur Bewertung der Corona-Maßnahmen vorstellte. Er betonte auch, dass beispielsweise während des Lockdowns oft mehrere Maßnahmen zusammen ergriffen würden, sodass deren Einzelwirkungen nicht getrennt berechnet werden könnten.

Es besteht jedoch kein Zweifel: „Wenn wir Kontakte reduzieren, verringern wir die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung.“ Streeck schränkte jedoch ein: „Lockdowns funktionieren nur, wenn Menschen mitmachen.“ Andernfalls hätten sie eine geringere Wirkung und unerwünschte (Neben-)Wirkungen.

„Masken funktionieren, schlecht und/oder falsch sitzende Masken kaum“, so Streeck weiter. „Bei FFP2-Masken sehen wir nicht den erhofften Effekt.“ Aber dazu bedarf es einer gesonderten Bewertung. Bei künftigen Zugangsbeschränkungen ist die Empfehlung ein täglicher Test.

Zuvor hatte Christoph M. Schmidt, Präsident des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, erklärt, es gehe nicht um eine generelle Einigung, sondern um den Neubeginn eines noch fundierteren Diskurses. In Deutschland gebe es „viel, was wir optimieren können“. Als zwei Beispiele nannte er die Digitalisierung des Gesundheitswesens und den Mut zur Stichprobenziehung, um nicht auf Vollerhebungen warten zu müssen.

Und Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berlin Science Center, ergänzte, es sei wichtig, schnell zu informieren und unterschiedliche Meinungen sehr ernst zu nehmen.

Außerdem forderte sie einen Rechtsanspruch auf soziale Kontakte für Kinder als Lehre aus den Folgen der Corona-Pandemie. Es gebe starke Beweise dafür, was Schulschließungen Kindern antun, sagte sie. Es gibt also Gewissheiten über psychologische Wirkungen. Notwendig sei daher „so etwas wie ein Rechtsanspruch auf ein Mindestmaß an sozialen Kontakten“.

Allmendinger wies auch darauf hin, dass die Schulschließungen insgesamt negative Auswirkungen auf die Familien hätten – etwa einen „Rückfall in alte Geschlechterrollen“ und eine „unglaubliche geistige Erschöpfung“.

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