Dienstag, August 9, 2022

„Mächtige Unternehmen wie die Deutsche Bank müssen sich aus fossilen Investitionen zurückziehen“

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat der Deutschen Bank vorgeworfen, weiterhin umweltschädliche Geschäfte mit fossilen Brennstoffen zu finanzieren. „Mächtige Unternehmen wie die Deutsche Bank müssen sich aus fossilen Investitionen zurückziehen“, sagte Neubauer von der Umweltbewegung Fridays for Future am Dienstag in Frankfurt.

Gegen fossile Investitionen brauche es „harte Entscheidungen“, forderte sie vor der Zentrale der Deutschen Bank. Zuvor hatte es ein geheim gehaltenes Treffen zwischen Neubauer und Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gegeben.

Fridays for Future kritisiert seit langem ein milliardenschweres Ölförderprojekt in Uganda und Tansania, an dem der französische Energiekonzern Totalenergies beteiligt ist und das Anfang Februar gestartet wurde. In der neuen, 1.445 Kilometer langen EACOP-Pipeline soll Öl von Feldern in der Nähe des Albertsees im Westen Ugandas durch Tansania bis in den Indischen Ozean transportiert und vom tansanischen Hafen Tanga aus verschifft werden.

Umweltschützer warnten vor der Verschmutzung ugandischer Seen und der Zerstörung des Lebensraums seltener Arten. Evelyn Acham, eine Klimaaktivistin aus Uganda, fügte hinzu, dass Ölprojekte in ihrem Heimatland viele Menschenleben forderten.

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank im Mai hatte Neubauer Sewing bereits indirekt vorgeworfen, sich an „olympischem Greenwashing“ zu beteiligen. Er will Teil der Lösung sein, doch seit dem Pariser Klimaabkommen 2015 hat das Finanzinstitut Totalenergies Kredite im Wert von 1,8 Milliarden Dollar gewährt. Immer mehr Banken ziehen sich aus dem Geschäft mit fossilen Brennstoffen zurück, die Deutsche Bank bisher kaum.

Am Dienstag forderte Neubauer den Konzern erneut auf, die Finanzierung von Totalenergies einzustellen und sich offiziell von der EACOP-Pipeline zu distanzieren. Berichten zufolge ist die Deutsche Bank nicht an der Finanzierung beteiligt. Die Deutsche Bank äußerte sich am Dienstag nicht. Das Institut erklärte, dass es sich nicht zu einzelnen Kundenbeziehungen äussere. Das Gespräch zwischen Neubauer und Sewing war konstruktiv und beeindruckend.

Ein Sprecher sagte, die Deutsche Bank gehe transparent mit Greenwashing-Vorwürfen um. Im März veröffentlichte der Dax-Konzern erstmals Angaben zum CO₂-Fußabdruck seiner Unternehmenskredite und bezifferte diesen auf 30,8 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente Ende 2021.

Bis 2050 will das Geldhaus die CO₂-Emissionen auf netto null senken. Ein Sprecher wies darauf hin, dass sich die Deutsche Bank deutlich weniger an der Finanzierung CO₂-intensiver Industrien beteiligt als ihre Wettbewerber.

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