Samstag, August 20, 2022

„Melnyks Äußerungen sind eine Verharmlosung des Holocaust“

DZu den Äußerungen des ukrainischen Botschafters Andriy Melnyk hat die israelische Botschaft in Berlin am Freitagnachmittag folgende Erklärung abgegeben:

„Die Äußerungen des ukrainischen Botschafters sind eine Verdrehung historischer Fakten, eine Verharmlosung des Holocaust und eine Beleidigung derer, die von Bandera und seinem Volk ermordet wurden. Die Äußerungen des Botschafters untergraben nicht nur die Werte, die wir alle schätzen und an die wir alle glauben, sondern untergraben auch den mutigen Kampf des ukrainischen Volkes, nach demokratischen Werten und in Frieden zu leben.“

Melnyk verteidigte den ehemaligen nationalistischen Führer Stepan Bandera (1909–1959) in einem Interview mit dem deutschen Journalisten Tilo Jung und sagte: „Bandera war kein Massenmörder an Juden und Polen.“ Dafür gibt es keine Beweise.

Bandera war der ideologische Führer des radikalen Flügels der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Nationalistische Partisanen aus der Westukraine waren 1943 für ethnisch motivierte Vertreibungen verantwortlich, bei denen Zehntausende polnische Zivilisten ermordet wurden. Bandera floh nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo er 1959 von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes KGB ermordet wurde.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Raketenangriff auf ein Wohnhaus in der südukrainischen Region Odessa als „vorsätzlichen, gezielten russischen Terror“ verurteilt. „Es war ein einfaches Haus mit etwa 160 Personen. Darin lebten ganz normale Menschen, Zivilisten“, sagt er in einer Videobotschaft.

Bisher wurden 21 Tote und rund 40 Verletzte gezählt. „Leider steigt die Zahl der Todesopfer.“ In dem Gebäude seien keine Waffen oder militärische Ausrüstung versteckt gewesen – „wie russische Propagandisten und Beamte immer von solchen Anschlägen erzählen“. Der Einschlag der drei Raketen war weder ein Fehler noch ein Versehen.

Zwölf russische Raketen seien auch an verschiedenen Orten in der Stadt Mykolajiw im Süden eingeschlagen, sagte Selenskyj. „Es ist nur eine Nacht und ein Morgen.“ Er spreche allen Angehörigen und Freunden der Opfer sein Beileid aus, betonte der Präsident.

Die Vereinigten Staaten haben der Ukraine weitere 820 Millionen Dollar an Militärhilfe zugesagt. Dazu gehörten Boden-Luft-Raketensysteme und Radarsysteme zur Abwehr von Artillerieangriffen und Artilleriemunition, teilte das Verteidigungsministerium mit. Es ist das 14. US-Militärhilfepaket für die Ukraine in fast einem Jahr. Insgesamt haben die Vereinigten Staaten dem Land Waffen und militärische Ausbildung im Wert von mehr als 8,8 Milliarden Dollar geliefert.

Die Ukraine hat die russische Armee beschuldigt, die Schlangeninsel im Schwarzen Meer mit Phosphorbomben angegriffen zu haben. Moskaus Truppen hätten „zweimal Luftangriffe mit Phosphorbomben durchgeführt“, schrieb der ukrainische Armeechef Valeriy Zalushny auf Telegram. Erst am Donnerstag hatte die russische Armee ihren Rückzug von der ukrainischen Insel angekündigt, die sie zuvor vier Monate lang besetzt hatte.

Die russischen Angriffe hätten gegen 18 Uhr Ortszeit stattgefunden, schrieb Saluschny. Die Phosphorbomben wurden von SU-30-Flugzeugen der russischen Armee abgeworfen.

Im Streit um die Beschränkung des russischen Transitverkehrs in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad hofft Moskau auf eine „vernünftige Lösung“. Russland habe der Europäischen Union erklärt, dass die aktuelle Situation nicht nur zu erheblichen Kosten für Litauen, sondern auch für die EU führe, sagte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko nach Angaben der Agentur Interfax. Er habe den Eindruck, „das Signal sei angekommen“.

Ähnlich äußerte sich Russlands Botschafter bei der EU, Vladimir Chizhov. Er hoffe auf „eine Kompromisslösung in naher Zukunft“, sagte er.

Wolodymyr Selenskyj hat einen russischen Raketeneinschlag auf ein Wohnhaus in der südukrainischen Region Odessa als nicht zufällig bezeichnet. „Das ist ein gezielter Raketenangriff Russlands, Russlands Terror gegen unsere Städte und Dörfer, gegen unser Volk, Erwachsene und Kinder“, sagte Zelenskyj laut der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine nach einem Treffen mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre Kiew. Die verwendete Rakete war eigentlich zur Bekämpfung von Flugzeugträgern und anderen Kriegsschiffen konzipiert.

Nach den russischen Raketenangriffen in der südukrainischen Region Odessa ist die Zahl der Toten nach ukrainischen Angaben auf 21 gestiegen. Unter den Toten sei mindestens ein Kind, ein 12-jähriger Junge, sagte der Sprecher der Regionalverwaltung von Odessa, Serhiy Brachuk, dem ukrainischen Fernsehen.

Bei den Anschlägen im Dorf Serhijiwka, rund 80 Kilometer südlich der Hafenstadt Odessa, wurden nach Angaben ukrainischer Rettungskräfte 39 Menschen verletzt, darunter sechs Kinder.

In der Ost- und Südukraine sind Stellungen der ukrainischen Armee entlang der gesamten Frontlinie unter Artilleriefeuer russischer Truppen geraten. Dutzende Standorte in den Oblasten Charkiw, Donezk, Luhansk, Saporischschja, Mykolayiv und Cherson wurden in dem am Freitag auf Facebook veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs aufgeführt.

Vereinzelt habe es auch Angriffe von Flugzeugen und Hubschraubern gegeben, hieß es. Ukrainische Einheiten haben einen russischen Angriff auf eine Gelatinefabrik in der Nähe der Industriestadt Lysychansk im Gebiet Lugansk abgewehrt.

Zur Deckung der laufenden Kosten hat die EU-Kommission einen Kredit über eine Milliarde Euro vorgeschlagen, der an die kriegszerrüttete Ukraine ausgezahlt werden soll. Die Brüsseler Behörde sagte, die Makrofinanzhilfe solle dazu beitragen, den unmittelbaren Finanzbedarf zu decken, der sich aus dem russischen Krieg gegen das Land ergebe. Das Geld könnte zum Beispiel in Rentenzahlungen und den Betrieb von Krankenhäusern fließen.

Der Vorschlag ist der erste Teil eines im Mai angekündigten 9-Milliarden-Euro-Hilfspakets, das bis Ende des Jahres abgeschlossen werden soll. Bevor die Auszahlung erfolgen kann, müssen die EU-Staaten und das Europäische Parlament noch zustimmen. Bereits der EU-Gipfel im Mai hatte sich grundsätzlich für das Neun-Milliarden-Paket ausgesprochen.

Mit Beginn des neuen Schuljahres im September sollen Kinder und Jugendliche in Kiew wieder in ihre Schulen zurückkehren können. Nach den laufenden Sommerferien soll es wieder Präsenzunterricht geben, teilte das Bildungsministerium der ukrainischen Hauptstadt mit. Seit der russischen Invasion in der Ukraine am 24. Februar gab es, wenn überhaupt, nur noch Online-Unterricht.

Das Wichtigste beim Start des Präsenzunterrichts am 1. September sei „die Sicherheit der Lernenden und der Lehrenden“, erklärte die Leiterin der Bildungsabteilung, Olena Fidanjan. Das Gelände der Schulen wird bis dahin auf mögliche Sprengsätze überprüft. Außerdem gibt es zu Beginn des Schuljahres für alle Schüler und Lehrer eine spezielle Schulung zum Verhalten bei Bombenalarm.

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