Dienstag, Oktober 4, 2022

Nach dem Tod von Mahsa Amini schneiden iranische Frauen aus Protest ihre Haare ab

ichIhr Schicksal beschäftigt Menschen auf der ganzen Welt: Die 22-jährige Mahsa Amini aus dem Iran war offenbar den strengen moralischen Maßstäben in ihrem Land zum Scheitern verurteilt. Familie und Freunde der jungen Frau berichten übereinstimmend, dass Amini nach der Verhaftung durch die Sittenpolizei ins Koma gefallen und nun tot ist.

Aus Protest gegen Aminis Tod schnitten sich bekannte iranische Frauen die Haare ab. Mit den im Internet geteilten Videos und Fotos wollten die Frauen ihre Solidarität mit der jungen Frau zum Ausdruck bringen. Unter ihnen war auch die bekannte Schauspielerin Anahita Hemmati.

Der Bruder des Toten sagte der Website Iran Wire, der 22-Jährige habe laut iranischen Behörden einen epileptischen Anfall und einen Herzinfarkt erlitten. Die Sittenpolizei achtet streng auf die Einhaltung der Kleiderordnung für Frauen, einschließlich der Kopftuchpflicht.

Berichten zufolge trug Amini den sogenannten Hijab nicht wie verlangt, während andere Quellen schreiben, dass die Inspektoren das Tragen der Kopfbedeckung als „falsch“ und „unislamisch“ betrachteten.

Nach Angaben des Bruders vergingen zwischen der Festnahme und der Einlieferung ins Krankenhaus nur zwei Stunden. Er kündigte eine Klage an. Eine Erklärung der Teheraner Polizei bestätigte, dass die Frau wegen „Erklärungen und Anweisungen“ zur Kleiderordnung festgenommen wurde. Sie habe „plötzlich ein Herzproblem bekommen“ und sei „mit Unterstützung von Polizei und Rettungsdienst sofort ins Krankenhaus gebracht worden“.

Was zwischen der Ankunft auf der Polizeiwache und dem Transport ins Krankenhaus geschah, war zunächst unklar und es gibt noch viele offene Fragen.

Im Internet wurde der Fall wie folgt dargestellt: Demnach wurde Amini zunächst festgenommen, weil ihr Kopftuch nicht richtig passte. Nachdem sie gegen ihre Verhaftung protestiert hatte, wurde sie von der Polizei zur Polizeiwache gebracht. Dort wiederum soll sie am Kopf getroffen worden sein, was zu einer Gehirnblutung führte. Die Behörden wiesen diese Behauptung jedoch vehement zurück.

Der Social-Media-Dienst 1500Taswir, der Menschenrechtsverletzungen durch die iranische Polizei verfolgt, teilte ein Foto des 22-Jährigen im Krankenhaus. Sie hatte einen Beatmungsschlauch im Mund.

Die Aufnahme, aber auch eine davon inspirierte Zeichnung, wurde von zahlreichen weiteren Accounts verbreitet und geteilt, viele Twitter-Nutzer äußerten offen ihre Empörung, zudem wird über einen möglichen Fall von Polizeigewalt spekuliert.

Die Situation von Mahsa Amini ist ein Beispiel für „vorsätzliches Verbrechen“, schrieb der iranische Kämpfer für Meinungsfreiheit, Hossein Ronaghi. Die „systematische Unterdrückung iranischer Frauen unter dem Vorwand der Durchsetzung des Kopftuchs“ sei ein „Verbrechen“.

Ihr Tod hat im ganzen Iran Empörung und Trauer ausgelöst. Medienberichten zufolge nahmen am Samstag Tausende an der Beerdigung der 22-Jährigen in ihrer Heimatstadt Saghes im Nordwesten des Iran teil. Vereinzelt soll es Protestaufrufe gegen die iranische Polizei gegeben haben. Auch in den sozialen Medien betrauerten viele Iraner den Verlust der jungen Frau.

Nach Protesten wird das Internet im Iran weiter eingeschränkt. „In Teheran wurde ein erheblicher Internetausfall registriert“, berichtete die in London ansässige Organisation Netblocks. Nach dem Tod der Frau kursierten in den Online-Netzwerken Videos mit vielen Sicherheitskräften vor einer Klinik.

Der Vorfall wurde nun auch im iranischen Parlament diskutiert. Mehrere Abgeordnete forderten die Veröffentlichung der Polizeivideos zur Klärung der Angelegenheit. Auch Ex-Präsident Mohammad Chatami äußerte Kritik.

Das islamische Kopftuch ist im Iran seit kurz nach der Islamischen Revolution Pflicht. Einige Frauen, unterstützt von der US-Aktivistin Masih Alinejad, haben sich der Regel widersetzt, indem sie das Kopftuch in der Öffentlichkeit abgelegt haben.

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