Dienstag, August 9, 2022

Notaufnahmen abgesagt – immer mehr Klinikpersonal fällt aus

DDer zunehmende Ausfall von Klinikpersonal durch die Corona-Sommerwelle bereitet Krankenhäusern und Ärzten Sorgen. „Uns liegen Meldungen aus allen Bundesländern vor, dass einzelne Stationen und Abteilungen wegen Personalmangels abgemeldet werden müssen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Zeitweise würden auch Notaufnahmen in den Rettungsleitstellen abgesagt. „Diese Situation beunruhigt uns im Hinblick auf den bevorstehenden Herbst sehr.“

Die Zahl der Infektionen ist in den vergangenen Wochen stark gestiegen. Am Dienstag gab das Robert-Koch-Institut die offizielle Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen mit 687,7 an. Am Vortag lag der Wert bei 650,7 (Vorwoche: 635,8; Vormonat: 257,6). Experten schätzen die tatsächliche Zahl auf etwa das Doppelte, weil viele Infizierte keinen PCR-Test mehr machen und deshalb nicht erfasst werden.

Der wissenschaftliche Leiter des Intensivbettenregisters, Christian Karagiannidis, sagte der „Rheinischen Post“: „Die Intensivbelegung steigt nur moderat, aber die Auslastung für einen Sommer ist relativ hoch, und die verfügbaren Betten werden immer weniger fällig zum Personalmangel.“ Jetzt gilt es, Kapazitäten optimal zu verteilen. „Dazu gehören regionale Netzwerke zur bestmöglichen Verteilung der Patienten nach Versorgungsgrad. Zusammenarbeit, aber auch Entlastung der Belegschaft, wird in diesem Herbst und Winter an der Tagesordnung sein“, sagte Karagiannidis, der auch im Sachverständigenrat der Bundesregierung sitzt.

Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte angesichts gestiegener Infektionszahlen das Tragen von Masken in Innenräumen. Dass dies oft nicht der Fall sei, mache es dem Virus „superleicht“, sagte Dahmen am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“. Der Grünen-Politiker betonte, dass derzeit jeder in seinem Umfeld erkrankte Menschen kenne. Man sieht, dass es in den Krankenhäusern an Personal mangelt. Auch manche Sommerferien sind gefährdet, weil Airline-Mitarbeiter ausfallen.

Dahmen forderte zudem eine Kampagne im Sommer für zweite Auffrischimpfungen. Diese sollten nicht nur bei Menschen über 70 Jahren, sondern flächendeckend bei Menschen über 60 Jahren und mit Vorerkrankungen durchgeführt werden. Auch sollte geprüft werden, ob nicht alle Erwachsenen diese vierte Impfung erhalten sollten, um im Herbst mit einem „frischen Impfschutz“ besser geschützt zu sein als in den Vorjahren.

Die Chefin der GEW Bildungsgewerkschaft, Maike Finnern, forderte eine gesetzliche Grundlage für Masken- und Testpflichten, um Schulschließungen im Herbst zu vermeiden. „Dazu gehört auch die Möglichkeit einer Maskenpflicht, wenn die Infektionszahlen weiter stark steigen. Dazu gehört aber auch die Möglichkeit, bei hohen 7-Tage-Inzidenzen wieder regelmäßige Tests in Bildungseinrichtungen einzuführen“, sagte sie dem RND. Es müsse alles getan werden, um eine erneute Schließung von Schulen und Kitas zu verhindern.

Der Vorsitzende des Aus- und Weiterbildungsverbandes (VBE), Udo Beckmann, rechnet damit, dass bei einem hohen Infektionsgeschehen einzelne Lerngruppen oder Schulen wieder geschlossen werden, wie er dem RND sagte. Beckmann forderte daher, alle Schulen digital so auszustatten, dass die Schüler auch dann digital erreichbar sind, wenn Fernunterricht notwendig ist.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich im Streit um die Abrechnung der sogenannten Bürgertests geeinigt. Das gaben beide am Montagabend nach Gesprächen bekannt. An den neuen Regeln für Bürgertests ändert sich nichts. Seit vergangenem Donnerstag sind die Bürgertests nur noch für bestimmte Risikogruppen und Anlässe kostenlos. In vielen anderen Fällen wird eine Zuzahlung von drei Euro fällig.

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