Dienstag, August 9, 2022

Scholz lässt Journalist anlaufen – „Schade, Herr Bundeskanzler“

EEs ist die abschließende Pressekonferenz des G-7-Gipfels. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) steht vor malerischer Kulisse im bayerischen Elmau, um die letzten Fragen der Journalisten zu beantworten. Im Hintergrund die Flaggen der G-7-Staaten. Unzufrieden dürfte die Journalistin Rosalia Romaniec, die das Hauptstadtstudio des Auslandssenders Deutsche Welle in Berlin betreibt, gegangen sein.

Als sie Scholz fragte, ob er die von den G-7-Staaten versprochenen Sicherheitsgarantien für die Ukraine konkretisieren könne, antwortete er: „Ja, das könnte ich.“ Begleitet von einem leicht süffisanten Grinsen.

Nach einer kunstvollen Pause von fünf Sekunden kommt ein weiteres: „Das war’s“. Und das war’s, Romaniec bekommt keine Antwort auf ihre Frage. „Es ist wirklich schade, Herr Bundeskanzler“, schrieb der Journalist anschließend auf Twitter. „Als ich Deutsch lernte, wurde mir die Höflichkeitsform für Pressekonferenzen dringend empfohlen.“ Die Frage war ernst gemeint.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte bei einer Arbeitssitzung des Gipfels, zu der er hinzugezogen wurde, echte Sicherheitsgarantien für sein Land. Die G-7-Staaten hatten der Ukraine ihre Unterstützung zugesagt.

Scholz hat bereits in der Vergangenheit mit kurzsilbigen Antworten auf sich aufmerksam gemacht. Während manche darin den hanseatischen Stil des Hamburger Altbürgermeisters sehen, werfen Kritiker dem Kanzler Arroganz vor. Mathieu von Rohr, Leiter des Ressorts „Ausland“ beim „Spiegel“, untertitelte den Videoclip der Kanzlerin mit den Worten: „Siri, definiere Arroganz“.

Scholz wies den Vorwurf zurück, er habe sich überheblich verhalten. Eine Entschuldigung halte die Kanzlerin nicht für erforderlich, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Christiane Hoffmann am Mittwoch in Berlin. Sie verwies auf Scholz‘ Äußerungen zu diesem Thema an anderer Stelle, wonach es beim G-7-Gipfel um Sicherheitsgarantien ginge, diese aber noch nicht konkretisiert werden könnten. Die Rahmenbedingungen seien klar: „Wir wollen möglich machen, was wir bieten und was zu einer sicheren Zukunft beitragen kann“, zitierte Hoffmann Scholz. Ziel ist es, der Ukraine dauerhaft die Wahrung ihrer Souveränität und Integrität zu ermöglichen. Auch die Bundesregierung ging am Mittwoch nicht weiter ins Detail.

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