Freitag, August 12, 2022

Union will eine Untersuchungskommission nach dem Documenta-Skandal

DDer Antisemitismus-Skandal auf der Documenta in Kassel beschäftigt auch den Bundestag. Bei der wichtigsten Ausstellung für zeitgenössische Kunst nach der Biennale in Venedig wurde nach der Eröffnung Mitte Juni ein Werk mit antisemitischer Bildsprache entdeckt.

Das Werk „People’s Justice“ des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi wurde daraufhin abgenommen. Schon vor der Eröffnung gab es Bedenken wegen Antisemitismus gegen das ebenfalls aus Indonesien stammende Kuratorenkollektiv Ruangrupa.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), Geschäftsführer des Zentralrats der Juden in Deutschland, Daniel Botmann, Hessens Kunstministerin Angela Dorn (Grüne) und Documenta-Generaldirektorin Sabine Schormann berichten zunächst an diesem Mittwoch im Kulturausschuss des Parlaments. Am Donnerstag berät der Bundestag auf Antrag der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über das Thema.

Die Union fordert in ihrem Entschließungsantrag „transparente und konsequente Antworten“ auf den Skandal. Es sei „völlig unverständlich, dass bisher keine personellen Konsequenzen gezogen wurden“, sagte kulturpolitische Sprecherin Christiane Schenderlein zu dem Antrag. „Die Unnachgiebigkeit der Verantwortlichen vor Ort erschwert ein ehrliches und rücksichtsloses Vorgehen.“

Die Union will laut Antrag die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission, „die Fehlplanungen, Fehlprozesse und Fehlentscheidungen aufdeckt und persönliche Verantwortlichkeiten aufzeigt“. Der Antisemitismusbeauftragte solle einen Bericht vorlegen, in dem Umfang und Folgen des Skandals abgeschätzt würden.

Die Planung für die nächste Documenta in fünf Jahren sollte verschoben werden, bis der Skandal aufgearbeitet und entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. Der Antrag sieht auch vor, „persönliche Konsequenzen auf der Documenta zur Bedingung für die weitere Förderung der Documenta mit Bundesmitteln zu machen“.

Roth hat bereits Änderungen in der Struktur der Documenta gefordert. Grundsätzlich will Berlin mehr Einfluss, sonst dürfte es kein Geld mehr geben. Der Rückzug des Bundes aus dem Aufsichtsrat im Jahr 2018 bei Festhalten an der Bundesfinanzierung wird inzwischen als „schwerwiegender Fehler“ gewertet.

Der Vorsitzende des Documenta-Aufsichtsrats, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), weist die Pläne der Bundesregierung zurück. Dorn, Vertreter des hessischen Vizepräsidenten, unterstützt die Position Roths weitgehend.

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