Freitag, August 12, 2022

Wer noch ab Juli kostenlos einen Corona-Schnelltest bekommen kann

MCorona können wir jetzt kostenlos testen – nach über einem Jahr ist damit vorerst Schluss. Ab Donnerstag soll es nur noch Schnelltests für Staats- und Steuerzahlerkosten an Teststationen oder in Apotheken für bestimmte Gruppen geben. Andere müssen drei Euro bezahlen. Darauf einigten sich in der vergangenen Woche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP).

Was ändert sich grundlegend?

Bisher hatte jeder – auch ohne Corona-Symptome oder einen konkreten Anlass – Anspruch auf mindestens einen kostenlosen Schnelltest pro Woche durch geschultes Personal inklusive einer Testbenachrichtigung, die in der Regel direkt aufs Smartphone kommt und als Nachweis verwendet werden kann. Das kostenlose Angebot ist nun bis auf wenige Ausnahmen „ausgesetzt“, wie es im Entwurf des Bundesgesundheitsministeriums zur neuen Corona-Testverordnung heißt, der vergangene Woche bekannt gegeben wurde. Die überarbeitete Verordnung und die neuen Regeln sollen nach Angaben des Ministeriums am Donnerstag in Kraft treten.

Wer bekommt noch kostenlose Testversionen?

Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Dies sind zum Beispiel Frauen im ersten Trimester der Schwangerschaft. Haushaltsangehörige von Infizierten, Kinder bis fünf Jahre sowie Bewohner und Besucher von Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und Kliniken sollen sich weiterhin kostenlos testen lassen können. Das gilt laut Entwurf auch für Menschen, die nach einer Corona-Infektion einen Nachweis brauchen, dass sie wieder negativ sind, damit sie beispielsweise wieder arbeiten können.

Und wer muss drei Euro bezahlen?

Die Drei-Euro-Tests sind für Besucher von Familienfeiern, Konzerten oder einer anderen „Veranstaltung im Innenraum“ am gleichen Tag gedacht. Das soll helfen, sogenannte Superspreader-Events zu verhindern, bei denen sich viele Menschen auf einmal anstecken. Wer eine rote Corona-Warn-App hat oder sich mit anderen Menschen über 60 oder mit Vorerkrankungen treffen will, soll sich ebenfalls einen Drei-Euro-Test machen lassen.

Jeder kann sagen: „Ich möchte meine kranke Großmutter besuchen“. Wer soll das kontrollieren?

In der Begründung des Verordnungsentwurfs heißt es, solche Besuche müssten „glaubwürdig“ gemacht werden. Beim Drei-Euro-Test müssen Sie beispielsweise immer unterschreiben, dass der Test wegen eines geplanten Konzertbesuchs, einer Familienfeier oder des Besuchs eines bereits erkrankten Angehörigen abgelegt wird. Ob dies potenzielle Betrüger ausreichend abschreckt, bleibt abzuwarten. Als Nachweis kann auch eine Konzertkarte vorgelegt werden. Bei Verwandtenbesuchen oder Familienfeiern ist es naturgemäß schwierig, Belege auszustellen.

Welche Nachweise werden noch benötigt?

Wie bisher muss ein „amtlicher Lichtbildausweis“ vorgelegt werden. Doch viele Kinder bis fünf Jahre – für die es noch kostenlose Tests gibt – hätten keinen Personalausweis oder Kinderpass, kritisiert die Kassenärztliche Bundesvereinigung. In der Praxis soll es wie vom Gesundheitsministerium empfohlen funktionieren: Bei Kindern ohne Ausweis reicht es, wenn die Erziehungsberechtigten ihren Ausweis vorlegen. Schwangere können den Mutterpass als Nachweis für einen kostenlosen Test verwenden. Haushaltsmitglieder von Infizierten zeigen ihre Testergebnisse.

Warum ist das Testangebot überhaupt eingeschränkt?

Weil es zu teuer geworden ist. Lauterbach hatten die kostenlosen Tests zuletzt eine Milliarde Euro pro Monat verschlungen. Sie bestehen seit Frühjahr 2021 – mit einer kurzen Unterbrechung im vergangenen Herbst. „Langfristig kann nicht alles vom Bund bezahlt werden, weil unsere Möglichkeiten an ihre Grenzen stoßen“, begründete Finanzminister Lindner den Schritt. Lauterbach sieht das neue Konzept bis Jahresende noch Kosten von 2,7 Milliarden Euro vor. Wenn die derzeitige Praxis fortgesetzt würde, wären es 5 Milliarden.

Übernehmen die Bundesländer den Drei-Euro-Anteil?

Lauterbach hatte auf die Möglichkeit verwiesen, dass die Bundesländer die drei Euro für die Bürger übernehmen könnten. Die Bundesländer haben nach aktuellen Informationen dazu keine Pläne. Die drei Euro würden „in keinem der Länder“ ersetzt, sagte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag.

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