Mittwoch, Mai 18, 2022

Der FC St. Pauli kämpft, der HSV hofft


Sach das kann schnell gehen. Der Hamburger SV ist zurück auf den Aufstiegsplätzen in die Bundesliga. Nach dem 4:2 bei Jahn Regensburg beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz drei Punkte – eigentlich sind es nur 2,5 -, weil das Team das beste Torverhältnis aller Konkurrenten hat. Für den direkten Aufstieg fehlen fünf Punkte. „Darüber möchte ich überhaupt keinen Gedanken verlieren“, sagte Trainer Tim Walter und würgte alle Fragen ab. Der Horizont sollte immer nur bis zum nächsten Spiel reichen.

Die großen Berechnungen für die verbleibenden drei Saisonspiele haben begonnen. Wer bekommt wie viele Punkte? Wer hat die unbequemsten Gegner, wer hat die stärksten Nerven? Ein Vergleich der Top-Teams der vergangenen fünf Wochen kann Tendenzen aufzeigen. Der HSV holte in diesem Zeitraum neun Punkte, allerdings mit einem Nachholspiel, ebenso wie Schalke 04. Werder Bremen und Darmstadt 98 erzielten sechs Punkte, der 1. FC Nürnberg sammelte vier Punkte. Großer Verlierer ist der damalige Tabellenführer FC St. Pauli – er holte nur zwei Punkte und fiel auf Platz vier zurück, zwei Punkte vor dem HSV.

Das HSV-Spiel in Regensburg bereicherte Walters Erfahrungsschatz. Die Oberpfalzer waren in der ersten Viertelstunde Chef, dann gleich. „Wir müssen nach 15 Minuten einfach 2:0 führen“, klagte Jahn-Trainer Mersad Selimbegovic. Alles in allem hätte Regensburg ein Unentschieden verdient gehabt. Mit zwei HSV-Toren in der 90. und 96. Minute waren die Norddeutschen diesmal jedoch die Glücklichen. Selimbegovic: „Es ist immer so, dass man Leistung und Ergebnis trennen muss.“

„Mein Team hört nie auf. Und das macht mich wahnsinnig stolz auf sie“, betonte Walter begeistert. „Die Jungs sind so toll, dass sie immer an sich glauben.“ Die Bilanz des Spiels lässt sich getrost auf das Saisonfinale als Walters Aussage verlängern: „Am Ende ist es wird belohnt, dass wir so mutig sind und niemals aufgeben.“

Ausgerechnet in der Krisenzeit der Saison scheint dem FC St. Pauli die Puste auszugehen. Die Leichtigkeit aus der Hinrunde ist verflogen, und nach dem vierten sieglosen Spiel in Folge mit nur zwei von zwölf möglichen Punkten ist auch die Ausgangslage super. „Jeder von uns weiß, worum es geht“, sagte 1:2-Torschütze Lukas Daschner nach dem Spiel, in dem Darmstadt den Kiezkicker überholte.

In den letzten drei Saisonspielen gegen den 1. FC Nürnberg, bei Schalke 04 und gegen Fortuna Düsseldorf sprach er sich dafür aus, die Sache mit der Leichtigkeit der ersten Serie anzugehen. Denn auch als Verfolger hat der Kiezclub (53 Punkte) hinter Werder Bremen (57), Schalke 04 (56) und den 98ers (54) noch alle Chancen. „Wir müssen mit der Einstellung ins Spiel gehen, dass wir nichts zu verlieren haben, sondern nur gewinnen. Wir müssen unsere Punkte holen, dann sehen wir, was drin ist“, forderte Daschner, der nach seiner Einwechslung bester Kiezkicker war. Viel hätte nicht gefehlt und sein Team hätte mindestens noch einen Punkt gerettet.

Doch stattdessen verlängerte der FC St. Pauli seine Negativserie gegen die „Lilien“. Nach dem heftigen 0:4-Hinspiel-Schlag wollten sich die Hamburger am Samstagabend am Millerntor eigentlich revanchieren und ihren Aufstiegs-Relegationsplatz festigen. Doch stattdessen gab es die zweite Heimpleite der Saison. Die Darmstädter haben neun ihrer letzten zwölf Duelle mit den St. Paulianern gewonnen und sind DER Erzfeind der Braun-Weißen.

Trotzdem plädiert Kapitän Philipp Ziereis dafür, eher nach vorne als nach hinten zu schauen und die drei verbleibenden Saisonspiele zu gewinnen. „Es ist noch nicht vorbei“, sagte der 28-jährige Innenverteidiger nach der unglücklichen Niederlage. Allerdings kam Daschners Treffer zu spät (82. Minute), um wenigstens gegen die Darmstädter zu treffen, die dank Toren von Luca Pfeiffer (9.) und Fabian Holland (35.) verdient zur Pause geführt hatten.

Auch Trainer Timo Schultz wirft nicht das Handtuch. „Wir werden uns jetzt schütteln und versuchen, die Ausgangslage gegen Nürnberg zu verbessern. Das ändert sich derzeit von Woche zu Woche“, sagte der 44-Jährige. Und fügte trotzig hinzu: „Vielleicht fällt es der Mannschaft leichter, wenn wir von den Aufstiegsrängen herunter sind, dass wir es noch einmal versuchen, wenn uns einige abschreiben. Wir haben definitiv noch nicht aufgegeben.“

Interne Probleme belasten jedoch die Atmosphäre im und um das Team. Der Mannschaftsrat unter Führung von Kapitän Ziereis suchte in der vergangenen Woche das Gespräch mit Sportdirektor Andreas Bornemann. Es ging um die ungewisse Zukunft einiger Spieler und beider Co-Trainer wegen ihrer im Sommer auslaufenden Verträge sowie Prämien für den Pokalsieg im Januar gegen Borussia Dortmund (2:1) und einen möglichen Aufstieg.

Bornemann begründete den zähen Fortgang der Verhandlungen bei Sport 1 mit der Planungsunsicherheit des Klubs. „Wir haben einen großen Kader und in der Nach-Corona-Zeit müssen wir schauen, dass wir ihn etwas reduzieren. Wir wissen noch nicht, in welcher Liga wir spielen. Das bringt Unsicherheiten mit sich. Im Fußball hat man immer diese Situationen. einige davon werden erst im Sommer gelöst.“

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neuesten Nachrichten

Johnny Depp beschrieb „Anger Activities“ mit Kate Moss, Hearings

Johnny Depp gab gegenüber Amber Heards Freund zu, dass es in seinen früheren Beziehungen zu Winona Ryder, Kate...

Weitere Artikel wie dieser

- Advertisement -