Dienstag, Oktober 4, 2022

Der HSV steht an der Spitze – und der FC St. Pauli steckt in der Krise

Der SSV Jahn Regensburg hat den FC St. Pauli in der 2. Bundesliga endgültig in eine Krise gestürzt. Die Oberpfalz beendete ihre eigene Pleiteserie am Sonntag mit einem 2:0 (2:0)-Erfolg bei den Hanseaten, die seit fünf Ligaspielen ohne Sieg sind. Andreas Albers beendete mit einem Elfmeter (8. Minute) und einem Kopfball (41.) vor 12.124 Zuschauern die ernüchternde Bilanz der Regensburger von sechs Spielen ohne Sieg und Tor.

Heiß diskutiert wurde der frühe Elfmeter, der erst nach Eingreifen des Videoassistenten gegeben wurde. Pauli-Verteidiger Betim Fazliji traf Christian Viet, der stürzte. Albers verwandelte sich in eine beruhigende Führung. Sie gab den Gastgebern in einem hart umkämpften Spiel, in dem Albers nach einer Flanke des ehemaligen Pauli-Spielers Viet noch vor der Pause aufdoppelte, Selbstvertrauen. Zuletzt hatte der Däne am ersten Spieltag auf Albers getroffen.

Der zu konservative Kiezkicker versuchte nach dem Seitenwechsel, den Abstand zu verkürzen. Aber insgesamt reichte es offensiv nicht aus. Nach der hocheffizienten ersten Halbzeit konzentrierte sich Regensburg auf eine kompakte Abwehr und brachte den lang ersehnten Erfolg nach Hause. Pauli musste Jahn in der Tabelle passieren lassen.

Der HSV wiederum hat es geschafft, sich selbst zu überholen – und die beste PR-Abteilung des Hamburger SV trägt kurze Hosen. Auf dem Platz sorgen jedenfalls die Spieler des erstarkten HSV für positive Schlagzeilen. Ungeachtet der ständigen Unruhe auf Führungsebene bahnt sich die Mannschaft ihren Weg in die 2. Bundesliga – und nimmt ihre begeisterten Fans mit.

„Jetzt sind wir da, wo wir hinwollen“, sagte HSV-Trainer Tim Walter, der auch oft knappe Gastgeber hatte, nach dem hochverdienten 2:0 (1:0)-Erfolg im Spitzenspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Denn sein Team stand bereits auf dem ersten Tabellenplatz, was ihnen am Samstagabend mit dem vierten Sieg in Folge gelang. Da der bisherige Klassenbeste Paderborn in Fürth mit 1:2 verlor, blieb das Tabellenbild am Sonntag unverändert. Und der Platz an der Sonne bleibt vorerst bestehen: Wegen der anstehenden Länderspiele macht die Liga nun eine zweiwöchige Pause. Eine Pause gönnt sich Walter aber weder sich noch seinen Spielern. „Ich bin mit allem rundum zufrieden, aber wir wollen und werden daran arbeiten, noch besser zu werden“, sagte der 46-Jährige.

Die größte Gefahr für den HSV-Projektaufstieg lauert im Verein selbst. In der Mitte: Finanzvorstand Thomas Wüstefeld. Der 53-Jährige sieht sich im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Medizinunternehmer mit Vorwürfen konfrontiert. Es geht um millionenschwere Prozesse, eine mögliche Strafanzeige wegen Untreue und angeblich illegal vertriebene Medizinprodukte. Wüstefeld weist alle Vorwürfe zurück und glaubt, dass Konkurrenten gegen ihn vorgehen.

Für Aufsehen sorgte aber auch, dass das „Hamburger Abendblatt“ ein bis zu 200 Millionen Euro teures Bauvorhaben am Volksparkstadion vorstellte. Der klamme Klub muss die Arena erst einmal fit für die EM 2024 machen. Auch sein Vorschlag, wieder einen Vorstandsvorsitzenden zu inthronisieren, trägt nicht zur Entspannung bei. Es ist ein Affront gegen Sportvorstand Jonas Boldt, dessen Beziehung zu Wüstefeld ohnehin zerrüttet ist.

Und dann ist da noch das 120-Millionen-Euro-Angebot von Investor und Wüstefeld-Gegner Klaus-Michael Kühne. Hardcore-Fans des HSV lehnen das Angebot ab, wie sie am Samstagabend im Stadion mit einem Transparent deutlich machten. Der Aufsichtsrat um den Vorsitzenden und HSV-Präsidenten Marcell Jansen schweigt derweil hartnäckig und will sich wohl in die WM-Pause Mitte November retten. Auch über eine Verlängerung der am Saisonende auslaufenden Verträge von Walter und Boldt wollen die Kommissare nicht vorschnell entscheiden.

Coach Walter kümmert das alles nicht. Sein Team und seine Anhänger, von denen knapp 50.000 gegen Düsseldorf wie eine Mauer hinter dem HSV standen, könnten als Vorbild in der Zusammenarbeit dienen. „Das ist eine sehr gute Symbiose, das passt einfach. Wir sind froh, dass wir so viele Fans zurück ins Stadion geholt haben, das war nicht immer so“, betonte Walter. „Von der Tribüne kam viel Wucht“, gestand Daniel Thioune, ehemaliger HSV- und jetziger Fortuna-Trainer, beeindruckt.

Bakéry Jatta wurde besonders gefeiert. Zunächst bereitete der 24-Jährige im Vollsprint auf seiner rechten Seite mit einer Klasse-Vorlage die Führung vor – Robert Glatzel musste nur noch sein sechstes Saisontor erzielen (21.). In der Schlussminute war es am überragenden Flügelstürmer aus Gambia, das Spiel zu leiten. „Er hat eine brutale Qualität“, lobte Glatzel.

Im Team stimmt es. Dies spiegelte sich auch bei den Ersatzspielern wider. Walter setzte den zuletzt wenig überzeugenden Sonny Kittel und den zu spät zum Training erschienenen Miro Muheim auf die Bank. Als sie hereinkamen, waren sie alle da. Kittel traf zunächst den Innenpfosten und gab dann die Flanke auf Jattas Tor. „Ich kann im Moment reinwerfen, wen ich will, alle zeigen großen Einsatz“, sagte Walter. „Daher ein großes Kompliment an alle.“

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles