Dienstag, August 16, 2022

Deutsches Tennismärchen geht weiter – Maria und Niemeier im Viertelfinale

Tatjana Maria schloss die Augen, warf beide Arme in die Höhe und genoss ungläubig ihren nächsten Gänsehaut-Coup. Mit viel Energie setzte die 34-jährige zweifache Mutter ihren sensationellen Lauf beim Tennisklassiker in Wimbledon fort und erreichte erstmals das Viertelfinale. Die 34-Jährige besiegte am Sonntag die Nummer 12 Jelena Ostapenko 5:7, 7:5, 7:5 und trifft nun auf Jule Niemeier aus Dortmund.

„Oh mein Gott. Ich habe keine Worte für dieses unglaubliche Publikum“, sagte Maria überwältigt und bedankte sich für die Unterstützung. „Ich habe mir gesagt: Sie glauben an mich, also glaube ich auch an mich.“

Im zweiten Satz wehrte Maria zwei Matchbälle ihrer Gegnerin ab und holte sich nach 2:07 Stunden den größten Erfolg ihrer Karriere. Nur 15 Monate nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Cecilia steht sie erstmals in ihrer Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier unter den besten Acht. „Es macht mich so stolz, Mutter zu sein. Es ist das Beste auf der Welt“, sagte sie in ihrer Dankesrede. „Ich liebe meine zwei Kinder.“ Maria erhielt für den Erfolg umgerechnet 360.000 Euro.

Kurz nach dem Sieg von Tatjana Maria schaffte es auch Jule Niemeier ins Viertelfinale: Die 22-Jährige besiegte am Sonntag auf dem Centre Court die Britin Heather Watson in 76 Minuten mit 6:2, 6:4.

Durch den Erfolg bekommen die beiden deutschen Tennisspieler auch einen Platz im elitären „Last 8 Club“ von Wimbledon.

Alle Einzel-Viertelfinalisten, Doppel-Halbfinalisten und Mixed-Finalisten werden in den Last 8 Club des All England Lawn Tennis Club aufgenommen. Die Mitgliedschaft berechtigt Sie, das Turnier lebenslang zu besuchen, einen Gast mitzunehmen und spezielle Sitzplätze auf dem Centre Court und Court 1 zu belegen. Es gibt außerdem täglich von 18:00 bis 19:00 Uhr kostenlosen Tee und Kaffee sowie eine Happy Hour.

Der ehemalige French-Open-Sieger Ostapenko kam mit Marias unorthodoxer Spielweise zu Beginn nicht zurecht. Der Deutsche hielt sich lange mit hoher Laufintensität in den Punkten, spielte die Bälle mit unangenehmem Unterschnitt, Ostapenko leistete sich oft einen Fehler. Maria führte schnell mit 3:1, doch langsam dosierte die Lettin (25) ihr gewohnt aggressives Tempo besser und gewann drei Spiele in Folge.

Beide Spieler stabilisierten sich bei eigenem Aufschlag. Beim Stand von 5:6 und dem Einstand unterlief Maria ein schwerer Doppelfehler, nach 39 Minuten gewann dann Ostapenko den ersten Satz mit einer ins Eck peitschenden Vorhand.

„Ich weiß, dass es eine harte Gegnerin ist, sie spielt die Bälle sehr, sehr schnell“, analysierte Maria ihre Gegnerin vor dem Spiel. Das hatte die 34-Jährige bereits bei ihrer Doppelniederlage in Wimbledon genau analysieren können und wurde wie gewohnt von ihrem Mann und Trainer Charles-Edouard taktisch auf das Einzel eingestellt.

Zu Beginn des zweiten Satzes war Ostapenko nicht zu stoppen und führte mit 3:0. Doch genau wie bei ihrem kräftezehrenden Zweitrundensieg gegen die Rumänin Sorana Cirstea gab Maria nie auf, kämpfte sich zurück und nahm Ostapenko den Aufschlag zum 3:4 ab. Beim Stand von 4:5 wehrte Maria die ersten beiden Matchbälle mit der Vorhand und einen Returnfehler ihrer Gegnerin ab.

Ostapenko, der oft Probleme mit der Konstanz hat, geriet aus dem Tritt. Maria feierte mit einem lauten Schrei das Break zum 6:5, ihr Mann jubelte auf der Tribüne mit beiden Fäusten – wenig später machte sie den Sieg des zweiten Satzes mit einem Gegentor perfekt.

Die entscheidende Passage wurde zur Nervenprobe. Ostapenko startete wieder besser, schwankte aber zwischen den Extremen. Maria kam wieder zurück. Beim Stand von 5:4 und einem Break davor servierte sie zum Matchgewinn, Ostapenko glich aus und tippte sich an die Stirn. Maria schaffte erneut die Pause – und durfte endlich jubeln.

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles