Dienstag, Oktober 4, 2022

Deutschland gewinnt erste Medaille seit 17 Jahren

ZJeder Erfolg, der Sommer gekrönt: Deutschlands Basketballer holten bei der Heim-EM die Bronzemedaille und beendeten damit eine 17-jährige Pause. Das Team von Kapitän Dennis Schröder gewann am Sonntag in Berlin das Spiel um Platz drei gegen Außenseiter Polen 82:69 (36:23) und steht damit erstmals seit der erfolgreichen Ära Dirk Nowitzki wieder auf dem Treppchen bei einem Großereignis. Spitzenreiter Schröder kontrollierte diesmal 26 Punkte. Edelmetall gab es zuletzt 2005 in Serbien, als Nowitzki und Co. Silber gewannen.

Das neunte deutsche EM-Spiel in 18 Tagen war über weite Strecken von Kampf und Verkrampfungen geprägt. Vor 12.913 Zuschauern, darunter auch der in diesem Sommer ausgeschiedene Kapitän Robin Benzing, wirkten vor allem die Polen erschöpft und überfordert. Deutschland tat sich zunächst noch schwer und kam erst kurz vor der Halbzeit richtig in Fahrt.

Im Gegensatz zu den Basketball-Festabenden gegen Griechenland (107:96) im Viertelfinale und Spanien (91:96) im Halbfinale war die Stimmung in der Arena diesmal etwas gedämpfter. In Deutschland war in den vergangenen Tagen ein Stück Basketball-Euphorie aufgekommen – auch weil RTL ab dem Viertelfinale alle drei deutschen Spiele im Free-TV übertrug.

Der Medaillencoup bei seinem ersten Turnier ist Bundestrainer Gordon Herbert zu verdanken. Der 63-Jährige hatte seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen: Er bestritt die WM-Qualifikation mit einem B-Team, auch für die Heim-EM fehlten feste Komponenten wie Maxi Kleber. Moritz Wagner oder Isaiah Hartenstein.

Doch Schröder trug das funktionierende Kollektiv ins Halbfinale und damit weiter als die zu Beginn deutlich höher gehandelten NBA-Stars Nikola Jokic (Serbien), Luka Doncic (Slowenien) und Giannis Antetokounmpo (Griechenland).

Um die EM glücklich und stolz zu verlassen, musste das kleine Finale gewonnen werden. „Ich hoffe, dass sich die Jungs heute belohnen“, sagte Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball Bundes (DBB) vor dem Spiel. Cheftrainer Herbert setzte auf dieselbe Mannschaft, die am Freitagabend knapp gegen Spanien verlor. „Wichtig war nicht nur die körperliche Erholung, sondern auch die geistige“, sagte Herbert bei RTL. Auch für die Niederlage im Halbfinale machte er sich selbst verantwortlich.

Das Spiel gegen Polen war zunächst von viel Unkonzentriertheit und Fehlern geprägt. Symbolisch gab es einen Free Dunk von NBA-Profi Daniel Theis, der den Ball nicht in den Korb, sondern unachtsam auf den Ring legte. Kapitän Schröder, der zu Beginn des Turniers so stark war, brauchte auch etwas Zeit zum Aufwärmen, war aber zur Halbzeit mit zwölf Punkten erneut Deutschlands bester Werfer.

Sein Vorgänger Benzing saß in der ersten Reihe und klatschte immer wieder gute Aktionen. „Die Jungs haben mich alle vor dem Spiel begrüßt, da kam mir Pipi in die Augen“, sagte der 33-Jährige bei Magentasport. Die Aussortierung im August verlief zwar nicht friedlich, dennoch war Benzing rechtzeitig zum Medaillenspiel zurück – zumindest als Zuschauer und Fan. Natürlich sei er enttäuscht, aber er habe sich alle Spiele angesehen, fügte Benzing hinzu.

Johannes Voigtmann sagte nach einer durchwachsenen Halbzeit, die noch mit 13 Punkten Vorsprung endete: „Defensiv profitieren wir davon, dass die Polen auch nicht viel punkten. Aber insgesamt ist die Defensive in Ordnung.“ Theis machte deutlich, dass es hier vor allem um die Psyche ging: Wie schon beim 54:95 gegen Frankreich im Halbfinale hatten die erschöpften Polen zunächst wenig zu befürchten, doch dann erlitt das Herbert-Team einen eklatanten Einbruch. Polen glich zum 59:59 aus, doch dann fiel der deutsche Dreier endgültig und die Medaillen-Party für Schröder und Co. konnte beginnen.

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