Freitag, August 12, 2022

Die deutsche Wimbledon-Sensation – „Ich kann fast jeden schlagen“

EINAuf dem Sofa erlebte Frauen-Bundestrainerin Barbara Rittner einen „Guten Tag“ mit Blick auf den Rasenklassiker in Wimbledon. Aufgrund einer Corona-Infektion muss der 49-Jährige derzeit zwar auf eine Reise nach London verzichten, durfte sich aber vor dem Fernseher über den Einzug von drei deutschen Tennisspielern in die dritte Runde freuen.

Unter ihnen war zur Überraschung aller auch Jule Niemeier, die mit einem 6:4, 6:0 gegen Anett Kontaveit aus Estland die Nummer zwei der Setzliste aus dem Turnier warf: „Jule hat auf der großen Bühne ihr bestes Tennis gespielt Das gibt ihr viel Selbstvertrauen für den Rest des Turniers, aber auch für ihre Karriere insgesamt“, glaubt Rittner, „sie hat das Spiel: Sie kann gut aufschlagen, hat eine starke Vorhand, die Rückhand Slice, sie kann mit einem guten Gefühl in der Hand ans Netz gehen und meiner Meinung nach kann sie an einem guten Tag auf jedem Untergrund mit den Besten spielen.“

Die 22-Jährige hatte den größten Moment ihrer jungen Karriere ungläubig zur Kenntnis genommen. Nach dem Matchball warf sie ihren Schläger weg, legte die Hände auf den Kopf und starrte ungläubig mit offenem Mund in den weiten Kreis von Court No.1 in Wimbledon, bevor die Freude in unkontrollierten Freudensprüngen ausbrach und sie sie warf starke Arme in die Luft gestreckt.

In ihrem ersten Duell mit einer Top-Ten-Spielerin lieferte die Dortmunderin vor ungewohnt großem Publikum eine Top-Leistung ab, die auch Angelique Kerber beeindruckte. „Ich freue mich für sie, sie hat das richtig gut gemacht“, sagte die deutsche Nummer eins, die sich den zweiten Satz vor ihrem eigenen Match anschaute. Die 34-Jährige hatte mehr Mühe als Niemeier, erfüllte ihre Aufgabe aber auch beim 6:3, 6:3 gegen Magda Linette aus Polen ohne größere Probleme.

„Ein solides Match von mir“, sagte Kerber, der beim Rasenklassiker nun zum neunten Mal unter den Top 32 steht. „Ich versuche, konstant mein Rasentennis zu spielen, auch in den wichtigen Momenten aggressiv zu bleiben.“ Nach 85 Minuten verwandelte die Kielerin ihren ersten Matchball und ist in diesem Jahr in Wimbledon noch ohne Satzverlust.

Auch ohne Aufschlagverlust hat Niemeier das Turnier bislang durchgespielt. Im zweitgrößten Wimbledon-Stadion zeigte Niemeier keine Nerven und hielt mit Kontaveit mit. Mit Übersicht und Witz setzte sie ihre Gegnerin unter Druck und verwertete nach 32 Minuten ihren zweiten Satzball. Kontaveit zeigte Nerven, kassierte gleich zu Beginn des zweiten Satzes ein weiteres Break durch einen Doppelfehler. Niemeier zog locker davon und nutzte die Schwächen ihrer Gegnerin gnadenlos aus. „Ganz stark und weiter so“, gratulierte Rittner. Für den größten Erfolg ihrer Karriere kassiert Niemeier mehr als 138.000 Euro und trifft am Freitag auf Lessia Zurenko aus der Ukraine.

Im vergangenen Jahr verpasste Niemeier nur knapp den Einzug ins Hauptfeld und nimmt nach den French Open vor einem Monat erst zum zweiten Mal an einem Grand Slam teil. „Ich versuche hier alles aufzusaugen, ich weiß noch nicht so recht, wo es hingehen soll“, sagte sie vor dem Match über ihre Erfahrungen in Wimbledon, wo sie auch Rafael Nadal im Training bewunderte. Anfang Juni holte der BVB-Fan beim Turnier im kroatischen Makarska den ersten Titel auf der WTA-Tour.

„Ehrlich gesagt bin ich sprachlos. Das Spiel auf Court 1 in Wimbledon zu gewinnen, ist ein tolles Gefühl“, sagte Niemeier beim Siegerinterview auf dem Platz. Wenig später zeigte sie sich in ihrer trockenen Art selbstbewusst: „Ich glaube, ich kann eigentlich fast jeden Gegner schlagen, der hier ist. Das habe ich auch heute gezeigt.“

Das gute deutsche Ergebnis wurde von Tatjana Maria abgerundet. Die 34-Jährige erreichte mit einem 6:3, 1:6, 7:5 gegen die Rumänin Sorana Cirstea zum zweiten Mal nach 2015 die dritte Runde. „Ein taktisches Meisterwerk“, sagte Rittner auf dem heimischen Sofa. „Es war ein Auf und Ab“, resümierte die zweifache Mutter selbst. „Es bedeutet mir sehr viel. 2015 war das erste Wimbledon mit (Tochter) Charlotte. Und jetzt ist es das erste Mal, dass ich Wimbledon mit zwei Kindern spiele.“ Maria steht nun vor einer sehr schwierigen Aufgabe gegen Griechenlands an Nummer fünf gesetzte Maria Sakkari.

Oscar Otte ging deutlich schneller in die nächste Runde. Gegner Christian Harrison aus den USA gab bereits nach 15 Minuten beim Stand von 3:1 für Otte im ersten Satz auf. Der letzte im Feld verbliebene DTB-Profi, die deutsche Nummer eins in Wimbledon ohne den verletzten Alexander Zverev, bekommt es nun mit Jungstar Carlos Alcaraz zu tun.

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles