Dienstag, August 9, 2022

Ein Außenseiter schockt die Konkurrenz gleich zu Beginn

EINAngefeuert von mehreren Hunderttausend Fans raste Tadej Pogacar durch die regennassen Häuserschluchten von Kopenhagen und schockierte die Konkurrenz gleich zum Start der Tour de France. Im anspruchsvollen Einzelzeitfahren setzte sich der 23-Jährige um neun Sekunden von seinem größten Konkurrenten Primoz Roglic ab und war zudem eine Sekunde schneller als der Vorjahreszweite Jonas Vingegaard.

Nur der belgische Überraschungssieger Yves Lampaert und sein zweitplatzierter Landsmann Wout van Aert waren schneller als Pogacar. „Mein Kopf explodiert. Ich bin mit Top-Ten-Erwartungen gekommen und habe jetzt die besten Fahrer der Welt geschlagen. Ich bin nur ein Bauernsohn aus Belgien. Das habe ich nicht erwartet“, sagte Lampaert, überwältigt von seinen Emotionen und mit Tränen in seinen Augen. Bester Deutscher war Lennard Kämna auf Rang 19.

„Das Ziel ist das Gelbe Trikot, aber es ist noch Zeit. Es ist alles eng beieinander, alle sind in guter Verfassung. Ich schaue auf meine Leistung und denke, ich bin in guter Form“, sagte Pogacar, der zugab, vor dem Start nervös gewesen zu sein. Im Ziel rollte der Dominator das Laktat aus seinen Beinen und hatte sein gewohntes Grinsen im Gesicht.

Der deutsche Meister Kämna zeigte eine starke Leistung und ärgerte sich im Ziel etwas, weil er am Anfang zu vorsichtig war. „Das hat mich sicher ein paar Sekunden gekostet“, sagte der 25-Jährige, der 25 Sekunden langsamer war als Lampaert. „Es war ein solides Zeitfahren, ich kann durchaus zufrieden sein. Die Beine waren ganz gut, aber nicht überragend.“

Eine gute Stunde vor dem ersten Starter setzte in Dänemarks Hauptstadt heftiger Regen ein, viel früher als vorhergesagt. Alle Top-Fahrer hatten sich aufgrund des Wetters für einen frühen Start entschieden – nun waren die Bedingungen für alle nahezu identisch. Den Fans war das nordische Wetter egal, sie säumten die gesamte 13,2 Kilometer lange Strecke und standen in mehreren Reihen am Straßenrand.

Das erste Zeichen setzte Roglic, der einen starken Eindruck hinterließ. Seinem Jumbo-Visma-Teamkollegen Vingegaard ging es fast genauso und das Duo hatte bereits die Ziellinie überquert, als Pogacar von der Startrampe rollte. Zunächst sah es so aus, als würde Pogacar aufgrund der nassen Bedingungen nicht viel riskieren. Der Tour-Sieger der vergangenen zwei Jahre hatte derweil fünf Sekunden Rückstand auf seinen slowenischen Landsmann Roglic.

Aber im zweiten Teil der Route drehte Pogacar die Dinge noch eine Stufe höher. Am Ende war das Radsport-Wunderkind sogar schneller als Italiens Zeitfahr-Weltmeister und Topfavorit Filippo Ganna. Pogacar distanzierte die versammelte Konkurrenz um den Gesamtsieg. Alexander Vlasov, Kapitän des deutschen Teams Bora-hansgrohe, verlor 24 Sekunden. „Es ist erst der erste Tag. Ich habe nicht viel riskiert. Ich war lieber etwas langsamer als zu stürzen“, sagte der Russe.

Unterdessen bestätigte die europäische Polizeibehörde Europol am Freitag erstmals Doping-Ermittlungen im Rahmen der Tour de France. In einer Erklärung vom Freitag hieß es, dass zwischen dem 27. und 30. Juni 14 Durchsuchungen in sechs Ländern stattgefunden hätten, drei Personen verhört und verschiedene Beweisstücke beschlagnahmt worden seien.

Die Wohnungen von Fahrern und Teammitgliedern in Belgien, Spanien, Kroatien, Italien, Polen und Slowenien wurden durchsucht. Zuständig war die Staatsanwaltschaft Marseille. Obwohl Europol das Bahrain-Victorious-Team nicht benannte, bestätigte der Rennstall selbst sowohl am Montag als auch am Donnerstag Durchsuchungen.

Laut der Zeitung „Le Parisien“, die sich auf die Staatsanwaltschaft Marseille berief, wurden Telefone, Computer, Speichermedien und verschreibungspflichtige Medikamente beschlagnahmt. Die Wohnungen des slowenischen Managers Milan Erzen, des polnischen Mannschaftsarztes Piotr Kosielski und der französischen Krankenschwester Barnabé Moulin wurden durchsucht. Zudem gab der italienische Profi Damiano Caruso gegenüber „Cyclingnews“ zu, dass sein Haus auf Sizilien durchsucht worden sei.

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