Samstag, August 20, 2022

Endlich ein Etappensieger – Van Aert gewinnt als Solist in Calais

Mit einer spektakulären Attacke auf die Kreidefelsen der Kanalküste brach Wout van Aert den Bann als permanenter Zweiter der 109. Tour de France und feierte endlich seinen ersten Etappensieg. Nach drei zweiten Plätzen gewann der Belgier am Dienstag die vierte Etappe und baute seine Führung in der Gesamtwertung weiter aus. Und am Mittwoch ist die Kopfsteinpflaster-Etappe in den berüchtigten Arenbergwald ein perfektes Bild für den belgischen Allrounder.

Elf Kilometer vor dem Ziel startete sein Team Jumbo-Visma eine brutale Attacke an der fast einen Kilometer langen Cote du Cap Blanc-Nez. Das Team mit den Favoriten Primoz Roglic und Jonas Vingegaard fuhr das gesamte Feld auseinander, auch Titelverteidiger Tadej Pogacar hatte zunächst Probleme. Van Aert überquerte als erster die Kuppe und raste alleine auf die Ziellinie zu. Dahinter kam das Feld nach einer kurzen, unübersichtlichen Phase wieder zusammen.

„Wir hatten Pläne für das Team. Wir waren in einer perfekten Position. Das war hart. Wir haben gehört, dass wir Schaden angerichtet haben. Dann bin ich alleine durchgefahren“, sagte van Aert. Sein Landsmann Jasper Philipsen gewann den Sprint des Feldes als Zweiter und dachte zunächst, er hätte die Etappe gewonnen. Schließlich wurde er vom drittplatzierten Christophe Laporte entdeckt.

Der erste Tag nach dem Besuch in Dänemark verlief zunächst wie die Flachetappen in Skandinavien. Bergtrikot-Träger Magnus Cort riss – diesmal mit dem Franzosen Anthony Perez – hinter sich das Feld langweilend davon, bis van Aert angriff. Aufgrund der gesammelten Punkte dürfte der in seiner dänischen Heimat gefeierte Cort erst bei der ersten Bergbesteigung am Freitag sein Bergtrikot verlieren.

Deutlich spannender verspricht der Abschnitt am Mittwoch von Lille nach Arenberg zu werden. Elf Kopfsteinpflaster-Sektoren gilt es zu meistern, der erste kommt nach rund 74 Kilometern. Insgesamt 19,4 Kilometer holprige Feldwege in Nordfrankreich stehen auf dem Programm. Im Vergleich zur vorherigen Kopfsteinpflaster-Etappe der Tour 2018 wählten die Organisatoren längere Sektoren.

Damals feierte der Deutsche John Degenkolb einen der emotionalsten Siege seiner Karriere. Am Mittwoch gibt es auch Teile des Pavé-Sektors zwischen Erre und Wandignies, der den Namen von Degenkolb trägt. Mit vier Sternen gehört der Pavé zur zweitschwersten Kategorie und ist der einzige im Programm des Klassikers Paris-Roubaix, der nach einem noch aktiven Profi benannt ist. Degenkolb, der 2015 den Klassiker durch die Hölle des Nordens gewann, gehört zu den prominenten Sponsoren eines Vereins, der sich für den Erhalt der Kopfsteinpflasterpassagen einsetzt.

Fraglich ist, ob Degenkolb die Form hat, seinen Coup von vor vier Jahren zu wiederholen. Kurz vor der Tour warf ihn eine Corona-Infektion zurück. Der Routinier weiß nicht so recht, wo er steht. „Die Werte in den medizinischen Tests waren unauffällig und auch im Training habe ich nichts gemerkt. Aber das sieht man erst im Rennen“, sagte der Thüringer.

Als Top-Favorit gilt Mathieu van der Poel, der bereits zweimal die Flandern-Rundfahrt gewonnen hat. Aus deutscher Sicht könnte auch Nils Politt eine Chance haben. Der deutsche Meister ist in Topform und wurde 2019 bei Paris-Roubaix Zweiter. Allerdings muss der Kölner möglicherweise seinen Kapitän Alexander Vlasow schützen und ihn sicher über den Bürgersteig lotsen.

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