Freitag, August 19, 2022

„Erstaunlich, wie schnell dich alle abgeschrieben haben“

GIna Lückenkemper stürmte zu ihrem dritten Deutschen Meistertitel über 100 Meter unter der Marke von elf Sekunden und hat vier Jahre nach EM-Silber erneut bewiesen, dass sie wieder in alter Form ist. Mit 10,99 Sekunden fehlten der 25-Jährigen nur vier Hundertstelsekunden zu ihrer persönlichen Bestzeit bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Berlin.

„Ich liebe das Olympiastadion, ich liebe die Zuschauer hier. Das ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagte der gebürtige Westfalen, der für den SCC Berlin antritt. Nach Verletzungen und Problemen durch die Corona-Pandemie ist Lückenkemper nun pünktlich zur WM und EM so schnell wie zuvor.

Mit ihrem vierten deutschen Titelgewinn bestätigte die 25-Jährige einmal mehr, dass sie bei der Weltmeisterschaft in Eugene in den USA in drei Wochen zum überschaubaren Kreis deutscher Medaillenhoffnungen gehört. Das gilt auch für die EM ab dem 15. August in München. Es sei „sehr, sehr schön“ gewesen, die 11-Sekunden-Grenze zu durchbrechen, sagte sie: „Aber für mich war es etwas, das ich die ganze Zeit für möglich gehalten habe.“

Nach dem Coup war Lückenkemper abends im ZDF-„Sportstudio“ zu Gast und sprach über die Schattenseiten ihres Lebens. Sie hat in den vergangenen Jahren massive Beleidigungen und Anfeindungen in den sozialen Medien erlebt.

„Das Schlimmste war, dass in der Gesellschaft auf jemanden, der am Boden lag, eher getreten wurde als auf eine helfende Hand“, sagte sie über die vergangenen zwei Jahre, in denen sie mit sportlichen Rückschlägen und Verletzungen zu kämpfen hatte: „Social Media ist Fluch und Segen zugleich, vor zwei Jahren war es ein Fluch für mich.“

Sie habe „Beleidigungen einfach einstecken müssen“. „Von Leuten, die keine Ahnung haben, was ich in den Sport investiere und die mir sagen wollten, dass ich nichts machen kann.“ Es sei erschreckend, „wie schnell dich alle abgeschrieben haben. Es ging so schnell, schneller als ich laufen kann. Das war der Hammer.“ Inzwischen konzentriert sie sich mehr auf ihr „tolles Umfeld“.

Die Kritik war laut Lückenkemper auch ein Ansporn. „Auf jeden Fall, zu 100 Prozent“, sagte der Vize-Europameister von 2018 für den SCC Berlin.

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