Dienstag, Oktober 4, 2022

Im Pferdesport ist die Angst allgegenwärtig

Die Aufregung war bei vielen Pferdefreunden groß, als der IOC-Boss bei der Weltmeisterschaft in Italien über das staubige Gelände schritt. Der Reitsport lebt fast permanent in der Angst, Olympia zu verlieren, insbesondere die Vielseitigkeit. Zu teuer, zu kompliziert, zu gefährlich – und seit dem Fünfkampf-Drama in Tokio hat auch die Tierschutzdiskussion Fahrt aufgenommen.

Dementsprechend wurde Thomas Bach in Rocca di Papa umworben und gepflegt. Gefolgt von einem Gefolge der International Equestrian Federation (FEI) um Präsident Ingmar de Vos, schaute sich der IOC-Chef das Geschehen auf dem Olympiagelände von 1960 an. Auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees fand Zeit für ein paar Gespräche, etwa mit der deutschen Olympiasiegerin Bettina Hoy. Und später auch lobende Worte für die FEI.

„Was man hier bei der Vielseitigkeit sieht, ist die Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit der Pferde durch die mechanischen Vorrichtungen an den Hindernissen und durch weitere Detailmaßnahmen“, so Bach. „Das zeigt wirklich, dass Sie diese Fragen ernst nehmen.“

Auf die Frage nach der Angst vor Olympiaverlust antwortete der IOC-Chef: „Was ich sagen kann, ist, dass wir die Fortschritte sehen und sehr zufrieden sind, dass der Verband das Problem erkannt hat und sich sehr dafür einsetzt, dass die Organisation der Der Vielseitigkeitssport wird billiger, das ist vielversprechend und das unterstützen wir.“

„Das geht in die richtige Richtung“, sagte Bach. Um es weniger diplomatisch auszudrücken, es gibt noch viel zu tun. Gerade nach dem Pentathlon-Fiasko in Tokio, als Annika Schleu mit dem ihr zugeteilten Pferd kämpfte, ist die Tierschutzdiskussion ein zusätzliches Problem für den Reitsport, vor allem in Nordeuropa.

„Wir hatten natürlich Angst, dass es auch uns treffen würde“, sagte der Präsident des Deutschen Reiterverbandes, Hans-Joachim Erbel, der auch ein kleines Schwätzchen mit Bach hatte. „Letztendlich sind wir davon betroffen, denn für die Zuschauer ist es egal, ob der Moderne Fünfkampf zum Deutschen Reiterlichen Bund gehört oder nicht – für sie ist es die Kavallerie.“

2024 in Paris wird das Springen zum letzten Mal Teil des olympischen Fünfkampfs sein. Michael Dörr, Präsident des Deutschen Verbandes, glaubt sogar, dass der gesamte Reitsport „vielleicht irgendwann nicht mehr olympisch sein wird“. Seine Prognose: „Das Erste, was rausfliegt, ist der Geländeritt in der Vielseitigkeit.“ Und Dörr fügte hinzu: „Zu Recht!“

Neben den Kosten für die Geländeparcours hat der reiterliche Dreikampf vor allem ein Sicherheitsproblem. Das wird nach jedem Unfall mit totem Pferd deutlich, wie zuletzt beim CHIO in Aachen. Vier Tiere sind in diesem Jahr bereits bei internationalen Turnieren gestorben, der letzte tote Reiter war laut FEI 2017. „Die Vielseitigkeit ist sicherer geworden, aber natürlich bleibt immer ein Restrisiko“, sagte der Deutsche Pferdesportpräsident.

Olympiasiegerin Julia Krajewski kennt die Diskussionen um ihren Sport: „Der wird immer auf den Prüfstand gestellt.“ Für den Fahrer, der am Sonntag Team-Gold und Einzel-Silber bei der WM gewann, ist „das Thema Sicherheit sehr, sehr wichtig“. „Die Ausbildung von Reitern und Pferden, gerade in den jüngeren Altersklassen“, sei ebenfalls entscheidend. Hoy sieht das ähnlich. „Es muss besser geritten werden“, sagte der Mannschafts-Olympiasieger: „Gutes Reiten ist sehr wichtig, wenn es um Sicherheit geht.“

Reichen die verschiedenen Bemühungen aus? „Es lohnt sich, diesen Sport olympisch zu halten“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Reiterverbandes: „Und ich hoffe, dass Herr Bach bei dem Besuch zu dem gleichen Ergebnis gekommen ist.“

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