Dienstag, Mai 17, 2022

„In der Münchner Kabine gab es eine Pause. Bayern ist im Moment kein Team“


EINAm Samstag (18.30 Uhr, im hier Neuigkeit-Sportticker) findet das Spitzenspiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund statt. Mit einem Sieg könnte der Rekordmeister aus München seine zehnte Meisterschaft in Folge feiern. Vor dem Spitzenspiel spricht der ehemalige Bayern-Profi und „Sky“-Experte Dietmar Hamann (48), der von 1993 bis 1998 in München spielte, über das Duell, wirft einen Blick auf die neue Saison und lässt aufhorchen ein Statement.

QUADDEL: Herr Hamann, wie groß ist die Gefahr, dass der BVB den vollen Bayern-Frust abbekommt und so richtig unter die Räder kommt?

Dietmar Hamann: Ich weiß nicht, ob die Bayern im Moment stark genug sind, um das zu schaffen, was sie in den letzten Jahren mit Dortmund gemacht haben. Auch im Verein herrscht derzeit große Unruhe. Deshalb hoffe ich, dass Dortmund in München endlich wieder gegen die Bayern antreten kann, ähnlich wie in der Vorrunde.

QUADDEL: Aber es kann gut sein, dass die Bayern es ernst meinen: Mit einem Sieg können sie zuhause gegen den Erzrivalen die Meisterschaft einsacken. Mehr Demütigung geht kaum…

Hamann: Die Gefahr ist absolut. Die Bayern wollen die Blamage von Villarreal vergessen machen. Aber ich habe das Gefühl, dass der FC Bayern im Moment keine Mannschaft ist, aus verschiedenen Gründen. Deshalb bezweifle ich, dass es für den BVB wirklich schlimm wird.

QUADDEL: Erling Haaland soll angeblich kurz vor einem Wechsel zu Manchester City stehen. Was würde das für den BVB bedeuten?

Hamann: Ich denke, dass nicht nur die Fans, sondern auch die Mannschaft und der Verein vom Zirkus genervt sind. Beim BVB werden die Spieler auch ohne Haaland Tore schießen. Das war immer so. Ich glaube sogar, dass es Dortmund kurz- oder mittelfristig helfen wird, wenn Haaland nicht mehr dabei ist.

QUADDEL: Wieso den?

Hamann: Er hat viel Aufmerksamkeit erregt. Im Winter drehte er dann alleine seine Ehrenrunde vor der Südtribüne. Seine Gesten, seine Entlassung und seine Körpersprache waren teilweise respektlos. Er hat viele Spiele verpasst und man darf nicht vergessen, dass der BVB auch mit ihm verloren hat. Deshalb denke ich, dass Haaland woanders besser aufgehoben ist. Und ich glaube auch, dass Dortmund von dem Geld profitieren wird, das sie für ihn bekommen werden.

QUADDEL: Das heisst?

Hamann: Ohne Haaland gibt es auch eine Riesenchance. Vielleicht blüht ein Gemälde auf, für das es nicht einfach war, an der Seite von Haaland Tore zu schießen. Ich glaube, dass der BVB in der nächsten Saison ohne Haaland mit den bereits geholten Spielern besser sein wird als mit ihm.

QUADDEL: In der neuen Saison setzt der BVB mit den Nationalspielern Süle und Schlotterbeck auf eine neue Innenverteidigung. Der richtige Zug, um die Wackelverteidigung straff zu bekommen?

Hamann: Absolut. Die Abwehr war die Achillesferse. Zagadou ist ein guter Spieler, wurde aber zu oft verletzt. Akanji ist ein ausgezeichneter Spieler, aber in der Zeit, in der er hier ist, hat er einfach zu viele Fehler gemacht und sich nicht wie erwartet entwickelt. Er hat das Potenzial, eine solche Verteidigung zu führen, aber er hat es nicht getan.

QUADDEL: Und wird sich das mit Süle und Schlotterbeck sofort ändern?

Hamann: Ich habe Vertrauen in die beiden, dass sie endlich eine Achse bilden werden, die dem BVB in den letzten Jahren extrem gefehlt hat. Als Spieler würde ich lieber vor Schlotterbeck und Süle spielen als vor Hernández und Upamecano.

QUADDEL: Das musst du erklären.

Hamann: Wenn man sieht, was die Bayern- und BVB-Spieler in der Innenverteidigung ausgegeben haben und was sie verdienen, denke ich, dass der BVB in Zukunft eine bessere Innenverteidigung haben wird. Wenn Sie Bellingham behalten, Haaland verkaufen und auch Adeyemi bekommen können, dann hätte ich lieber eine gute Verteidigung als einen Stürmer, der 30 Tore erzielt. Sollte Schlotterbeck wirklich kommen und mit Süle die Innenverteidigung bilden, ist das für mich der erste Schritt, um die Dominanz der Bayern zu brechen. Schlotterbeck ist für mich der beste deutsche Innenverteidiger. Wenn die WM heute beginnen würde, wäre er mit mir gesetzt. Bayern könnte ihn auch gebrauchen.

QUADDEL: Auch Mats Hummels soll sich für Schlotterbeck stark gemacht haben, auch wenn das bedeuten könnte, dass er weniger spielt. Das zeigt Größe, nicht wahr?

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