Donnerstag, September 29, 2022

„Keiner hätte gedacht, was wir da geliefert haben“

NNachdem die ersten TV-Interviews abgeschlossen waren, nahm sich Franz Wagner einen Moment Zeit, um tief durchzuatmen. Der Nationalspieler ging in der Mixed Zone leicht in die Hocke, legte kurz die Hände auf die Knie und ließ die Bronzemedaille durch die Hände gleiten. Dann ließ er die Reporter noch einmal an seinen Siegesgefühlen teilhaben.

„Das ist echt cool. Ich finde es schön, dass wir für tolle sechs, sieben Wochen belohnt wurden. Es hat richtig Spaß gemacht“, sagte Wagner nach dem 82:69 (36:23) gegen Polen, das der deutschen Basketball-Nationalmannschaft ihren ersten Platz sicherte EM-Medaille in 17 Jahren Gleichzeitig begeisterte Dennis Schröder die kleinen Basketball-Fans in der Arena mit Autogrammen, Fotos und einigen seiner Spielgeräte.

Dann beantwortete der deutsche Kapitän Fragen. „Das hätte niemand gedacht. Niemand hätte gedacht, was wir da abgeliefert haben“, wiederholte der 29-Jährige nach seinem größten Erfolg im Nationaltrikot immer wieder. Dann kündigte er eine feine Geste an. „Er ist der eigentliche Kapitän. Eigentlich sollte er diese Medaille bekommen“, sagte Schröder mit Blick auf Robin Benzing. „Wahrscheinlich werde ich ihm meine geben.“

Der langjährige deutsche Kapitän Benzing wurde vor dem Turnier von Bundestrainer Gordon Herbert ausgemustert. „Ich bin sehr, sehr stolz auf die Jungs. Sie sind alle gewachsen und gereift. Wie meine Kinder bin ich sehr stolz auf sie“, sagte er, nachdem er das Spiel von einem Platz an der Seitenlinie aus verfolgt hatte. Der deutsche Sieg war auf vielen Ebenen ein versöhnlicher Abschluss, aber nicht alles glänzte wie Edelmetall.

Held des Spiels: Johannes Voigtmann. Als der deutschen Mannschaft im Schlussviertel der Medaillenverlust drohte, lief der Center aus der Dreierreihe heiß. Der Profi von Olimpia Milano verteidigte die knappe Führung minutenlang im Alleingang, sammelte 14 Punkte, neun Rebounds und sechs Assists. Voigtmann wurde vom Weltverband zum Spieler des Spiels gewählt. Schröder tat sein Übriges und kam am Ende auf 26 Punkte.

Deutsche Zukunft: Diese Europameisterschaft war minutenlang ein Wagnerfest. Der 21-jährige Orlando-Magic-Profi erzielte gegen Polen nur acht Punkte, kam aber während des gesamten Turniers auf durchschnittlich 15,2 Punkte. Ob tiefe Dreier, kraftvolle Dunks, trickreiche Dribblings oder eine aggressive Abwehr: Wagner lieferte ab. „Als Spieler ist er besser, als ich dachte. Er kann den Status von Dirk Nowitzki erreichen. Er hat sogar einen Killerinstinkt, den Dirk in dem Alter wohl noch nicht hatte“, adelte Bundestrainer Herbert den Jungstar gegenüber „Bild am Sonntag“. „.

Wagner hat bewiesen, dass ihm die Zukunft des deutschen Basketballs gehört. Dafür hat er das nötige Selbstvertrauen. „The sky is the limit“, betonte Wagner mit Blick auf die WM 2023.

Miese Kulisse: Ausgerechnet zu dem Spiel, bei dem es Deutschland um eine Medaille ging, kamen die wenigsten Zuschauer; Nach offiziellen Angaben waren es rund 12.900. Um beide Spiele des Finaltages hinter dem Korb zu sehen, mussten die Fans 270 Euro bezahlen.

Ein Preisgefüge, das auf den Tribünen der Berliner Arena viele Lücken gelassen hat. Dennoch konnte der Weltverband einen Besucherrekord feiern. „Diese EM ist die Veranstaltung mit den meistverkauften Tickets in der EM-Geschichte. Der Wechsel in vier Länder hat sich gelohnt“, erklärt Turgay Demirel, Präsident von Fiba Europe. Auch die TV-Quoten waren „überragend“. Im Halbfinale gegen Spanien schalteten 3,8 Millionen Zuschauer bei RTL ein.

Was übrigbleibt: Die deutschen Basketballer haben bei der Heim-EM bewiesen, dass sie mit der europäischen Spitze mithalten können. Viel Zeit zum Feiern bleibt allerdings nicht. Am Montag brechen die Spieler wieder auf, schließlich startet in knapp zwei Wochen die Bundesliga-Saison.

Der Verein ist zufrieden. „In Deutschland gibt es eine Regel: Nummer eins, Fußball. Nummer zwei, Fußball. Nummer drei, Fußball. Nummer vier, Fußball. Das mache ich jetzt nicht weiter“, sagte Ingo Weiss bei der EM-Abschlusspressekonferenz. „Aber diese Veranstaltung ist sehr gut gelaufen, die deutsche Mannschaft hat eine gute Leistung gezeigt. Im Moment sind wir besser aufgestellt als vor vier Wochen “, sagte der Präsident des Deutschen Basketball Bundes. Andreas Obst sah das ähnlich: „Wir haben uns etwas mehr erhofft, aber ich denke, wir können super zufrieden und super stolz sein.“

In solch eine emotionale Mischung war auch Chef Herbert verwickelt: „Das ist einer der besonderen Momente in meinem Leben“, sagte der Trainer. „Kinder zu haben ist die Nummer eins, aber es ist etwas ganz Besonderes.“

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