Dienstag, Mai 17, 2022

Lewandowski gegen Haaland – Melancholie beim letzten Duell der Giganten


Pep Guardiola reagierte höflich, aber bestimmt. „Entschuldigung, aber ich werde Ihre Frage nicht beantworten“, sagte der Manager von Manchester City. Transferspekulationen kommentiere er bekanntlich nicht, erklärte der Katalane. Das dürfte sich auch unter englischen Journalisten herumgesprochen haben.

Allerdings dringen sie seit Wochen in ein Thema ein: den offenbar bevorstehenden Wechsel von Erling Haaland zum Premier-League-Spitzenreiter. Es wurde sogar berichtet, dass der Stürmer von Borussia Dortmund bereits eine Einigung mit den „Citizens“ erzielt habe. An Obszönität grenzende Zahlen kursieren: Der 21-Jährige soll in Manchester bis zu 35 Millionen Euro verdienen – pro Jahr. Neben einer Ablösesumme von mindestens 75 Millionen Euro für den BVB kämen noch bis zu 50 Millionen Euro Provisionen für Haalands Berater und eine sogenannte „Signing Fee“ für den Spieler hinzu.

Auch für Oliver Kahn und den FC Bayern seien das „Dimensionen jenseits unserer Vorstellungskraft“. Der Vorstandschef des deutschen Rekordmeisters, dem immer wieder Interesse an Haaland vorgeworfen wird, hat derzeit ohnehin andere Sorgen.

Er kämpft um den eigenen Torschützenkönig: Auch Robert Lewandowski, der am Ende der Saison voraussichtlich zum fünften Mal in Folge die Torschützenkönigs-Kanone erhalten wird, setzt auf große Wetten. Der Vertrag des 33-Jährigen läuft noch eine Saison. Kahn schließt einen Verkauf im nächsten Sommer aus. Aber wer weiß, was passieren kann, wenn so viel Geld auf dem Spiel steht?

Gut möglich, dass es am Samstagabend (18.30 Uhr, im hier Neuigkeit-Sportticker) beim Gipfeltreffen zwischen den Bayern und dem BVB zum letzten Aufeinandertreffen der beiden Top-Stürmer in einem Bundesliga-Spiel kommt. Zumindest noch einmal können Lewandowski und Haaland die deutsche Eliteklasse weltweit vorantreiben.

Die beiden Angreifer haben viele Gemeinsamkeiten, dennoch ist ein Quervergleich schwierig. Da ist zum einen die immer noch einwandfrei funktionierende Tormaschine der Bayern. Auch nach weit über einem Jahrzehnt an der Spitze wird Lewandowski einfach nicht müde. Vor allem in wichtigen Spielen war der Pole selten etwas schuldig. Am Samstag bestreitet er den sogenannten deutschen Klassiker zum 24. Mal: ​​Lewandowski spielte acht Mal mit dem BVB gegen die Bayern und 15 Mal mit den Bayern gegen Dortmund. Er erzielte 23 Tore – 22 für Bayern und eines für den BVB. Daran wird Haaland wohl nie herankommen – denn sein Aufenthalt in Deutschland wird wohl nur auf zweieinhalb Jahre begrenzt sein.

Lewandowski, der in dieser Saison 32 Tore erzielt hat, ist enorm wichtig für den FC Bayern. Zum fünften Mal hat er die 30-Tore-Marke pro Spieljahr überschritten. Dennoch hat Haaland in vergleichsweise relativ kurzer Zeit auch den BVB geprägt. „Beide sind absolut entscheidende Faktoren in ihren Teams, wenn auch aufgrund teilweise unterschiedlicher Stärken“, sagt Marco Rose.

Mit seiner Erfahrung beherrsche Lewandowski „jetzt alle Facetten des Spiels“, sagt der Dortmunder Coach. Er spielt sehr gut und viel, weiß in den richtigen Momenten loszulassen. „Er bietet ein Komplettpaket“, sagt Rose. Haaland hingegen befindet sich noch in einem Entwicklungsprozess.

Was den 1,94 Meter großen Hünen besonders auszeichnet, ist seine Schnelligkeit und sein Tordurst. „Er ist eine absolute Waffe, wenn es um offensive Umschaltvorgänge geht. Sobald der Ball für ihn aufs Tor gespielt wird, weiß er genau, was er zu tun hat“, erklärt Rose. Tatsächlich benötigte Haaland dafür im Schnitt nur 87 Minuten ein Tor in seinen 63 Bundesligaspielen – in dieser Statistik liegt er vor Lewandowski, der 99 Minuten für ein Tor benötigt.

Für beide Ausnahmestürmer gilt: Sie dürften äußerst schwer zu ersetzen sein. Das macht Rose Sorgen. „Wenn man Spieler dieser Qualität und mit diesem Prozentsatz verliert, tut das immer etwas mit einer Mannschaft“, sagt er. Es reicht einfach nicht aus, einen hochwertigen Ersatz zu finden. Das Gameplay muss angepasst werden.

Solche Reibungsverluste kennen die Dortmunder. Als Lewandowski 2015 zum FC Bayern ging, glaubten sie, vorbereitet zu sein. Sie hatten ein Jahr zuvor Pierre-Emerick Aubameyang verpflichtet. Er soll in seine Rolle als Mittelstürmer hineinwachsen. Außerdem wurde Ciro Immobile eingewechselt. Doch als Lewandowski tatsächlich weg war, machte sich ein Phänomen bemerkbar, mit dem niemand gerechnet hatte: Die Mannschaft spielte noch immer so, als hätte sie einen kombinationssicheren Lewandowski im Angriffszentrum. Es war eine unruhige Saison. Dortmund emanzipierte sich erst in der folgenden Saison.

Dieses Schicksal könnte sich im Jahr eins nach Haaland wiederholen – und es könnte auch den Bayern drohen. Denn ohne Lewandowski wird sich das Spiel ändern. „Ich hätte seinen Vertrag viel früher verlängert“, sagte Lothar Matthäus.

Deutschlands Rekordnationalspieler (150 Einsätze) warnte die Münchner ausdrücklich davor, Lewandowski gehen zu lassen. Er ist nicht nur ein Garant für Tore, sondern auch für Langlebigkeit und Robustheit. Diesen Vorteil hat er sogar gegenüber dem deutlich jüngeren Haaland. „Und deshalb hat der BVB in dieser Saison nicht konstant gespielt“, sagte Matthäus.

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