Freitag, August 12, 2022

Mit 34 so gut wie nie – die wechselhafte Karriere von Tatjana Maria

TAtjana Maria ist nur noch zwei Siege vom sensationellen Titel in Wimbledon entfernt. Nach dem Viertelfinalsieg im deutschen Duell mit Jule Niemeier trifft die 34-Jährige beim Rasenklassiker am Donnerstag nun auf den Weltranglistenzweiten Ons Jabeur aus Tunesien. Die Geschichte der zweifachen Mutter Maria fasziniert die Tenniswelt.

Maria ist als reisendes Familienunternehmen auf der Pro-Tour. Ihr Ehemann Charles-Edouard trainiert sie und entwirft ihre Spielpläne. In Wimbledon gehören die ersten Tennisstunden ihrer älteren Tochter Charlotte – die Achtjährige trainiert normalerweise um 8.30 Uhr und wird „nächster Champion“, wie ihre Mutter sagt.

Maria verbindet viel mit Wimbledon. Als sie mit Charlotte schwanger war, spielte sie in der ersten Runde an der Church Road. Im ersten Jahr nach der Geburt erreichte sie Runde drei – ihr bestes Ergebnis bis 2022. Jetzt wurde Cecilia vor 15 Monaten geboren und Maria ist so gut wie eh und je. In diesem Jahr hat sie bereits eines von nur zwei WTA-Turnieren in ihrer langen Karriere gewonnen, in der sie nie besser als Platz 46 der Weltrangliste (2017) war.

Wenn Maria nicht auf Tour ist, lebt die gebürtige Schwäbin mit ihrer Familie in Palm Beach Gardens an der Ostküste Floridas, USA. Nah dran an berühmten Tennisnachbarn: Zu den Williams-Schwestern Venus und Serena hält sie Kontakt, spricht mit Serena auch über Mutterschaft.

Wenn die Familie Maria verreist ist, nimmt Tochter Charlotte an der Florida Virtual School digitalen Unterricht. Ferien bis 1. August. „Die Lehrer sind supernett, rufen an, machen Tests“, berichtet Maria, die gerne über ihre Doppelrolle spricht: „Das Wichtigste in meinem Leben ist, Mutter von zwei Kindern zu sein. Daran wird sich nichts ändern.“

Auch ihre unorthodoxe Spielweise, die etwas altmodisch wirkt und mit der sie ihre Gegner verunsichert, wird sie nicht ändern. Außerdem spielt sie viele Bälle mit Unterschnitt auf der Vorhand, ist extrem schrittstark und hat sich in Wimbledon auch mit Rückstand wieder in die Spiele zurückgekämpft. „In diesem Match wird es viele Slice-Bälle geben“, prognostizierte ihr Gegner Jabeur, ebenfalls ein Freund der Familie, auch für das anstehende Halbfinale. „Darauf muss man sich einstellen.“

Dass Tatjana Maria heute noch Tennis spielt, ist keineswegs selbstverständlich. Vor 14 Jahren wurde bei ihr eine Thrombose im Bein diagnostiziert. Maria schwebte in Lebensgefahr, weil nach einer Lungenembolie ein Herzstillstand drohte. Es folgten Operationen. Ihr Vater, der sie zu Turnieren begleitet hatte, starb wenig später. „Mir sind ein paar Dinge passiert, die dich automatisch stärker machen“, sagte sie in Wimbledon.

Dort wirkt sie tiefenentspannt und gleichzeitig immer gut gelaunt. Das Wort „unkompliziert“ beschreibe die 34-Jährige am besten, sagt Barbara Rittner. „Man spürt, dass sie vollkommen im Reinen ist, angekommen ist und ein sehr zufriedener Mensch ist“, sagte die Frauen-Bundestrainerin über Maria. Rittner erinnert sich an zahlreiche Fed-Cup-Auftritte der Generation um Angelique Kerber, Julia Görges, Sabine Lisicki und Maria, die vor ihrer Heirat Malek hieß: „Sie war immer die Ausgeglichenste, die Unkomplizierteste, mit den geringsten Ansprüchen. Das tut einfach gut die Stimmung.“

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