Dienstag, Oktober 4, 2022

„Sag es öffentlich oder halt die Klappe“

Der Botschafter von Katar in Deutschland, Abdulla Mohammed al Thani, forderte eine faire Behandlung seines Landes als WM-Gastgeber und zog einen Vergleich mit Russland als Veranstalter der WM 2018. Dafür wählte der Diplomat ungewöhnlich deutliche Worte.

„Wenn wir vier Jahre zurückgehen, war die Weltmeisterschaft in einem Land, die Krim wurde gerade eingenommen, Menschen im Gefängnis, unterdrückte Menschen, und es gab keine Aufmerksamkeit aus Deutschland und aus keinem anderen Land in Europa“, sagte al Thani zu einem Kongress des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Menschenrechtslage im Golfemirat am Montag in Frankfurt. Sein Land steht seit zwölf Jahren im Fokus und hat viele Veränderungen angestoßen.

Die Lage in Katar sei „noch nicht perfekt“, räumte der Botschafter ein, die Umstellung brauche Zeit. „Es ist nicht bei 100 Prozent, es ist eine Reise“, sagte er. In Deutschland zum Beispiel hätte die Frage der Gleichberechtigung von Mann und Frau viele Jahre gedauert.

Al Thani wollte, dass Deutsche, die in Katar waren – wie der Rekordmeister Bayern München nach seinen traditionellen Wintercamps – von ihren positiven Erfahrungen berichten: „Sag es öffentlich oder halt die Klappe“, formulierte der Diplomat in ungewohnt klarer Wortwahl.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf kündigte auf dem Kongress an, kurz vor Beginn der WM bei einer gemeinsamen Reise mit Innenministerin Nancy Faeser (SPD) noch einmal auf die Verbesserung der Menschenrechtslage im Gastgeberland zu drängen. Fortschritte seien erkennbar, aber zwei Punkte müssten konkret umgesetzt werden, betonte Neuendorf, ebenso wie Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften.

So müssten beispielsweise „Arbeitszentren“ eingerichtet werden, an die sich Arbeitnehmer bei Verstößen der Arbeitgeber wenden könnten. Neuendorf forderte auch die Einrichtung eines Fonds für Arbeiter, die beim Bau von WM-Stadien ums Leben kamen oder verletzt wurden. Dafür sei auch der Weltverband Fifa verantwortlich, machte Neuendorf deutlich.

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