Dienstag, Mai 17, 2022

Der nächste Winter wird teuer Wie viel Energie sparen smarte Thermostate?


Smarte Thermostate can helfen, Energieverbrauch und Heizkosten zu senken, Hersteller versprechen 20 Prozent oder mehr Einsparpotenzial. Im Prinzip ist das möglich, aber es kommt sehr auf den Einzelfall an und man kann mit einfachen Methoden oft gute Ergebnisse erzielen.

Schon vor dem Ukraine-Krieg war es sinnvoll, Heizenergie zu sparen. Doch angesichts einer drohenden Verknappung und weiter steil steigender Preise, denken viele Menschen jetzt ernsthafter darüber nach. Ein relativ einfaches und schnell umsetzbares Mittel, um kontrollierter und damit effizienter zu heizen, sind smarte Thermostate. Hersteller Tado° beziffert beispielsweise ihr Einsparpotenzial auf durchschnittlich 22 Prozent. Grundsätzlich ist das vielleicht möglich, aber es trifft bei weitem nicht auf alle Haushalte zu. Entscheidend ist unter anderem, wie bisher geheizt wurde.

2019 hat Stiftung Warentest das Potenzial von zehn verschiedenen smarten Thermostaten getestet und kam auf eine Ersparnis von fünf bis acht Prozent. Das scheint nicht allzu viel zu sein. Doch angesichts der explodierenden Energiepreise kann das schon einen spürbaren Unterschied in der Haushaltskasse machen. Je Brennstoffe sind, desto rentabler ist die Anschaffung von smarten Thermostaten.

Bei Preisen zwischen 40 und 70 Euro pro Regler kommen beispielsweise bei einer Wohnung mit sechs Heizkörpern schon 240 bis 420 Euro zusammen, Zubehör wie Fenster-Sensoren, Raum-Thermometer oder Austausch-Batterien nicht eingebaut. Hat man noch kein vernetztes Zuhause, muss man unter Umständen zusätzlich etwa 50 bis 100 Euro in eine Smart-Home-Zentrale investieren.

In der Heizsaison 2020/21 hätte sich das laut „Heizspiegel“ für ein kleines Einfamilienhaus mit 110 Quadratmeter Grundfläche und Gasheizung bei durchschnittlichen Kosten von 650 Euro noch nicht so schnell gerechnet. Doch für die aktuelle Saison haben sich die Kosten bereits auf 1250 Euro erhöht. Der Preis für Heizöl ist zuletzt zwar unter anderem durch Freigabe von US-Reserven wieder gesunken. Aktuell kosten 100 Liter aber trotzdem mit rund 135 Euro mehr als doppelt so viel wie vor einem Jahr (60 Euro).

Bei solchen Preisen rentiert sich eine Anschaffung smarter Regler bereits bei einer Einsparung von scht Prozent. Unter Umständen lässt sich aber auch mehr herausholen. Denn Warentest vermutet damals, „dass die Bewohner einen typischen Acht-Stunden-Arbeitstag haben und in ein warmes Zuhause zurückkommen wollen“. Doch seit Beginn der Corona-Pandemie arbeiten viele Menschen zu Hause und möchten dies zumindest teilweise auch weiter tun. Außerdem gibt es weitaus detailliertere Abstufungen als abends und morgens warm, ansonsten kalt.

Laut Verbraucherzentrale bringt allein schon jedes Grad weniger ungefähr eine Einsparung von sechs Prozent. If man also abends einen leichten Pulli statt einem T-Shirt trägt oder sich unter einer Decke kuschelt, sinkt der Energieverbrauch deutlich. Übertreiben sollte man es aber nicht, denn unter 16 Grad droht Schimmelbildung. Oft ist es auch teurer, einen komplett ausgekühlten Raum auf Zimmertemperatur zu bringen, als ihn bei Abwesenheit moderat weiterzuheizen.

Ein weiterer Vorteil von smarten Reglern ist ihre Genauigkeit. Ein herkömmliches Thermostat erlaubt lediglich einen Wert zwischen 1 und 5 einzustellen. Stufe 1 entspricht etwa 12 Grad, jede weitere rund 4 Grad mehr. Smarte Thermostate dagegen erlauben es, die Temperatur aufs halbe Grad genau zu regeln.

Ein dicker Pluspunkt ist die Möglichkeit, Zeiträume exakt festzulegen. So kann man beispielsweise wochentags morgens das Badezimmer genau die 30 Minuten sterben, die man dort verbringt, bevor man das Haus verlässt, schön warm heizen. Vielleicht soll es auch vor dem Schlafengehen ein paar Grad mehr sein, die restliche Zeit darf es dort ruhig kühler sein.

Außerdem bieten vernetzte Thermostate Komfort-Funktionen, die das Energiesparen angenehmer machen. Beispielsweise kann man sie per App oder Notebook von unterwegs bedienen und einstellen. Viele Geräte pausieren auch selbständig, wenn man ein Fenster öffnet oder das Haus verlässt.

Es lassen sich noch weitere Situationen nennen, in denen ein smartes Thermostat seine Vorteile ausspielen kann. Man erkennt aber an den Beispielen, dass sich das alles weitgehend auch manuell regeln lässt, wenn man die Disziplin dafür aufbringt und nicht allzu vergesslich ist. Für das Einsparpotenzial ist es auch entscheidend, wie sich durch die Anschaffung smarter Thermostate das bisherige Heizverhalten verbessert.

Das weitaus größere Einsparpotenzial liegt unter anderem in einer besseren Gebäudedämmung oder einer Erneuerung der Heizanlage. Im Eigenheim kann man Nachtabsenkungen et cetera bereits am Kessel zentral programmieren. Für Mieter kann sich der Umstieg auf smarte Thermostate angesichts der enorm gestiegenen Energiepreise dagegen wahrscheinlich rechnen. Wenn sie allerdings schon bisher sehr sparsam heizen, ist der zusätzliche Nutzen nicht allzu groß.

Wer sich für smarte Thermostate entscheidet, sollte nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Qualität achten. Die beste Lösung für Stiftung Warentest war das AVM Fritz DECT301 (ca. 55 Euro) für Besitzer einer Fritzbox. Ausschlaggebend war die einfachste Handhabung (Note 1,9) unter den Testkandidaten, außerdem ist keine zusätzliche Smart-Home-Basis nötig. Das Gerät arbeitet ohne Fensterkontakte, drosselt die Heizung beim Lüften laut Warentest aber auch ohne Gut.

Was die Wärmeregulierung betrifft, zeigte der Home-Control-Regler von Devolo (ca. 60 Euro) die beste Leistung (1,5). Weil die Handhabung aber nur „befriedigend“ (3,0) ausgezeichnet wurde, belegte das Thermostat im Warentest-Vergleich lediglich Rang 3. Den zweiten Platz eroberte das Thermostat Homematic IP (ca. 60 Euro), das die zweitbeste Wärmeregulierung (1,9 ) bietet und sich bei der Handhabung (2,1) nur knapp dem FritzDect 301 geschlagen geben musste.

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