Sonntag, Januar 16, 2022

"Grob fahrlässig" Auf Millionen von PCs läuft veraltetes Windows


Microsoft unterstützt Windows für Privatanwender ab Version 7 und darunter nicht mehr, Sicherheitslücken werden nicht mehr geschlossen. Dennoch nutzen immer noch mehr als drei Millionen Nutzer in Deutschland die veralteten Systeme. Sicherheitsexperten empfehlen dringend ein Upgrade.

In Deutschland laufen mehr als drei Millionen PCs mit einer veralteten und unsicheren Version des Betriebssystems Microsoft Windows. Das ist das Ergebnis einer Studie des Sicherheitsunternehmens Eset. Der Großteil der unsicheren Systeme, nämlich 2,7 Millionen Geräte, wird mit Windows 7 betrieben. Zu den unsicheren Systemen zählen auch die veralteten Versionen von Windows Vista, Windows XP und Windows 8, die zusammen noch auf rund 450.000 PCs zu finden sind.

Auch der Support für die Windows-Version 8.1, die derzeit noch auf 1,3 Millionen PCs in Deutschland zum Einsatz kommt, läuft in einem Jahr aus. Die rund 44 Millionen Nutzer von Windows 10 sind auf der sicheren Seite. Die neuste Version, Windows 11, spielt in der Statistik noch keine Rolle.

„Der Einsatz veralteter Software ist grob fahrlässig“, sagt Thorsten Urbanski, Sicherheitsexperte bei Eset. Für Privatanwender und insbesondere Unternehmen kann der Einsatz veralteter Systemsoftware im Schadensfall teuer werden. „Eine Schwachstelle, beispielsweise in einem nicht mehr unterstützten Betriebssystem, reicht Angreifern aus, um einen Fuß in der Tür und dauerhaften Zugriff auf den Rechner des Opfers zu haben.“

Gleichzeitig wies Urbanski auf einen positiven Trend hin. Viele Privatanwender haben das vergangene Jahr genutzt und ihre Rechner auf den neuesten Stand gebracht. „Im Jahresvergleich sind in Deutschland rund zwei Millionen weniger unsichere Windows-Rechner online.“ Auch der Blick in die Zukunft ist positiv. „Die Nutzung von Windows 8.1 ist rückläufig, und Horrorszenarien wie das Support-Ende von XP oder 7 wird es 2023 nicht geben.“

Unternehmen und Behörden gehen nicht nur ein höheres Risiko ein, wenn sie das Supportende von Windows 7 und anderen veralteten Windows-Versionen ignorieren, weil es Cyberangriffe erleichtert. Wer sich nicht um die Updates kümmert, verstößt laut Experten auch gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die EU-Richtlinie fordert, bei der Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten den „Stand der Technik“ einzuhalten.

Windows 7 wurde vor über zehn Jahren am 22. Oktober 2009 als Nachfolger des erfolglosen Windows Vista veröffentlicht und war bis 2014 bei PC-Herstellern im Einsatz. Auch der Nachfolger Windows 8 hatte Anfangsprobleme und konnte viele Nutzer nicht überzeugen. Daher blieben insbesondere viele Unternehmen Windows 7 auch nach 2014 treu. Unter den Microsoft-Betriebssystemen galt Windows 7 allgemein als ausgereift und sicher.

Nach dem Ende des offiziellen Supports durch das US-Softwareunternehmen wurden jedoch viele Sicherheitslücken entdeckt, die nicht mehr geschlossen wurden. Im Jahr 2020 erreichte die Zahl mit 388 offiziell registrierten Problemen ihren Höhepunkt. Im vergangenen Jahr verzeichnete das CVE-System, das zur Verfolgung von Sicherheitslücken und anderen Schwachstellen in Computersystemen verwendet wird, 253 Fälle.

Schließlich können Unternehmen und Organisationen weiterhin kostenpflichtige Updates von Microsoft erwerben. Privatanwender hingegen haben keinen Zugriff mehr auf die Sicherheitsupdates. Sicherheitsexperten warnen, dass dies beispielsweise für das Online-Banking fatale Folgen haben könnte.

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