Dienstag, August 9, 2022

Matthias Maurer: „Die nächsten Updates kommen aus dem Orbit!“

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer ist vom Kennedy Space Center im US-Bundesstaat Florida an Bord einer SpaceX-Raumkapsel erfolgreich ins All gestartet. Die Falcon-Trägerrakete startete planmäßig in der Nacht zum Donnerstag um 3.03 Uhr deutscher Zeit zur Internationalen Raumstation ISS, wie Bilder des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt der US-Raumfahrtbehörde Nasa zeigen. Die Raumkapsel soll nach rund 22 Stunden Flug an die Internationale Raumstation ISS andocken.

Der Start wurde mit Applaus im SpaceX-Kontrollzentrum gefeiert. Ein paar vorbeiziehende Regenschauer hatten für Besorgnis gesorgt, sich dann aber rechtzeitig aufgeklärt. „Es war ein perfekter Start“, sagte Nasa-Manager Steve Stich im Anschluss.

Auch der deutsche Astronaut Alexander Gerst gratulierte seinem Kollegen zum „Bilderbuchstart“. „Das war aus meiner Sicht ein super Start“, sagte Gerst in Cape Canaveral. „Ich bin bis zum Schluss draußen geblieben und habe sie beobachtet, bis sie im Orbit waren, bis die Triebwerke aus waren – und das war schön.“ Alles „super gelaufen“.

Er sei in den vergangenen Tagen „immer wieder in Kontakt“ mit Maurer gewesen. „Wir haben viel miteinander geschrieben und geredet, es war schön. Die Crew war locker, als Astronaut und als Freund tauscht man sich aus und schreibt ein paar Nachrichten hin und her mit Humor, den man über sich schweben sieht.“ Er wäre gerne selbst geflogen, sagte Gerst. „Als Astronaut ist das aufregend, das kann keiner von uns leugnen.

Nach dem gelungenen Start von Matthias Maurer ist die Freude in seiner saarländischen Heimat groß. „Das ganze Saarland ist stolz auf diesen Erfolg von Matthias Maurer, der es jetzt mit Pioniergeist, Zielstrebigkeit und Willenskraft buchstäblich an die Spitze geschafft hat“, sagte der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) am Donnerstag. Er hatte den Raketenstart kurz nach 3 Uhr morgens mit Freunden und Familie von Maurer in Maurers Heimatort Oberthal verfolgt.

„Das Zünden der Triebwerke war ein echter Herzschlagmoment“, sagte Hans. „Ich drücke dem gesamten Team und natürlich Matthias Maurer ganz besonders die Daumen und wünsche viel Erfolg bei der Mission.“ Rund 60 Personen nahmen am frühen Morgen an der kleinen Feier im Rathaus teil. Maurer stammt aus dem Kreis Grönig.

Kurz vor und kurz nach dem Start sei es sehr ruhig im Raum gewesen, sagte Vize Timo Backes. Als alles gelungen war, gab es Applaus und Sekt. Die Freude in der 6000-Einwohner-Gemeinde ist riesig: Oberthal ist die kleinste Gemeinde im Saarland und das Saarland das kleinste Gebiet in Deutschland: „Und dann kommt ein Astronaut hierher – das ist schon etwas Besonderes“, sagte er.

Oberthals Bürgermeister Stephan Rausch sagte: „Ich bin sehr erleichtert, dass alles reibungslos geklappt hat und Matthias Maurer nun auf einem guten Weg zur ISS ist.“ Die Gemeinde wird Maurers Mission über die sechs Monate begleiten. Es soll Angebote für Kinder und Jugendliche geben. „Und vielleicht können wir Matthias auch live einbauen“, sagte Rausch, der den Start wegen einer Krankheit zu Hause verfolgt hatte.

Der 51-jährige Astronaut der Europäischen Weltraumorganisation ESA soll für seine erste Weltraummission „Cosmic Kiss“ ein halbes Jahr auf der ISS bleiben. Maurer ist nach Alexander Gerst der zweite Deutsche im europäischen Astronautenkorps und der erste deutsche Astronaut, der an Bord einer kommerziellen SpaceX-Raumkapsel zur ISS geflogen ist. Insgesamt ist er der zwölfte Deutsche im All.

Für seine Mission „Cosmic Kiss“ wird der Saarländer sechs Monate an Bord der Raumstation leben und arbeiten. Während der Mission sind mehr als hundert wissenschaftliche Experimente geplant, von denen 36 in Deutschland entwickelt wurden. Maurer und seine Crew wollen in den Bereichen Physik, Biologie, Medizin und Künstliche Intelligenz forschen und dabei neue Technologien testen. Maurer soll im April 2022 zur Erde zurückkehren.

Der promovierte Materialwissenschaftler durchlief ein mehrstufiges, einjähriges Auswahlprogramm, bevor er 2015 in das ESA-Astronautenkorps aufgenommen wurde. Es folgten weitere Ausbildungsschritte, für die Maurer auch eine anstrengende Spezialausbildung absolvierte Mission auf der ISS – inklusive Überlebensstrategien in der Kälte und medizinischen Notfallmaßnahmen. Bei Bedarf kann er auch Zähne ziehen.

Auf den Astronauten, der am 18. März seinen 52. Geburtstag in der Schwerelosigkeit feiern wird, wartet auf der Raumstation ein minutiös geplantes Experimentierprogramm. Die Mission lässt wenig Raum für persönliche Entfaltung. Seine erste Weltumrundung will er laut Maurer am kuppelartigen Weltraumfenster der ISS verbringen.

Wenige Stunden vor seinem geplanten Start verabschiedete sich Maurer beim Kurznachrichtendienst Twitter vorübergehend von der Erde. „Unser Drache hat lange genug gewartet“, schrieb Maurer am Dienstag – in Anspielung auf die vielen bisherigen Verschiebungen.

„Die nächsten Updates kommen aus dem Orbit!“ Maurer bedankte sich bei seinem französischen Kollegen Thomas Pesquet, der Anfang der Woche von der ISS zurückgekehrt war, für die Unterstützung – und „für die Vorbereitung meines Bettes“.

Zum traditionellen Abschiedsessen am Dienstag gebe es ein asiatisches Menü, kündigte Maurer ebenfalls auf Twitter an. Auf der Speisekarte standen unter anderem Papayasalat und verschiedene Currys. Weitere Traditionen vor dem Start sind laut Maurer ein Kartenspiel des leitenden Astronauten der Crew mit dem Leiter des Astronautenbüros der NASA, bis der Astronaut gewinnt, und die Unterschriften der Astronauten an einer Wand im Versorgungsturm, bevor sie die Crew Dragon-Kapsel betreten.

Auch eine ausgestopfte Schildkröte als Maskottchen in der Schwerelosigkeit kommt ins All. Als nach dem Start Schwerelosigkeit einsetzte, begann das Stofftier zu schweben und demonstrierte so den neuen Zustand. Maurers zwei NASA-Kollegen, Raja Chari und Kayla Barron, gehören einer Astronauten-Auswahlgruppe an, die liebevoll „Schildkröten“ genannt wird.

Zuvor hatte Maurer das Maskottchen seines Teams nicht verraten wollen. „Ich habe eine tolle Crew, wir kommen wirklich gut miteinander aus und dieser Null-G-Indikator ist ein Gemeinschaftsprojekt von uns allen vieren. Leider kann ich nicht verraten, was es ist, es ist streng geheim, das größte Teamgeheimnis, das wir im Moment haben“, sagte er.

Die Tradition des Maskottchens, des sogenannten Null-G-Indikators, soll auf Juri Gagarin zurückgehen, den ersten Menschen im All. Der sowjetische Kosmonaut soll 1961 auf seinem Flug eine kleine Puppe bei sich gehabt haben.

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