Samstag, August 20, 2022

Auftakt zum Neumeier-Abschied

EEine Reihe von Ballettjubiläen, von John Neumeiers „Nussknacker“-Choreografie, die vor 50 Jahren entstand, über das 30 Jahre alte „Carousel“ von Kenneth MacMillan, bis hin zu aktuellen Werken, prägten den Abend: mit einem traumhaften Reigen der Meisten abwechslungsreichen Tänzen mit der traditionellen Nijinsky-Gala und hochkarätigen Gästen ging am Sonntagabend die Spielzeit des Hamburg Ballett in der Staatsoper zu Ende – bevor es für ein letztes Gastspiel mit „Ghost Light“ beim Festival L’Offrande ins südfranzösische Tarbes reist Musicale, dessen Ziel es ist, Menschen mit Behinderungen den Zugang zur Musik zu erleichtern.

In der ersten umfangreichen Ausgabe der Nijinsky-Gala hat – nach den starken Einschränkungen durch die Pandemie in den vergangenen zwei Jahren – der Hamburger Ballettdirektor und Choreograf John Neumeier einige große Werke und Schaffensperioden seines Lebenswerks Revue passieren lassen und mit Meisterwerken von Profis kombiniert Kollegen – live begleitet vom tapferen Philharmonischen Staatsorchester unter der Leitung des nicht minder tapferen Nathan Brock.

Eröffnet wurde die 47. Gala mit einem traditionellen ukrainischen Tanz, dem „Gopak“, in schlichten historischen Kostümen von den Absolventen der eigenen Ballettschule. Früher nur von Männern getanzt, wird es heute von Frauen und Männern in unterschiedlichen Formationen aufgeführt – und bot einen schwungvollen Auftakt des Abends, der gleichzeitig Solidarität mit der Ukraine ausdrückte. Auch während der Gala wurde das Schicksal des kriegszerrütteten Landes nicht vergessen, etwa durch die Auswahl blauer und gelber Blumensträuße, ohne die Veranstaltung zu überschatten. Auch in dieser Hinsicht erwiesen sich die Profis des Hamburg Ballett als ausgleichende Künstler.

Dem energiegeladenen Auftakt folgten die Tänzer des Bundesjugendballetts mit „Opus 67“, einer Choreographie von Raymond Hilbert zum 4. Satz von Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio e-Moll op. 67. Die jungen Künstler zeigten frei und schön fließende Konstellationen des Zusammenlebens. Das Blatt wendete sich mit einer Bewegung der Hand, des Kopfes, des Arms oder des Beins – freundlich, unfreundlich, destruktiv oder kooperativ. Der elegante Bildwechsel erweckte den Eindruck, als seien Auguste Rodins „Bürger von Calais“ aufgestanden und erprobten nun ihre neue Bewegungsfreiheit. Kurz nach ihrem Auftritt bei der Gala zogen die Mitglieder des Bundesjugendballetts noch am gleichen Abend ins Ernst Deutsch Theater, um eine absolut sehenswerte Repertoire-Aufführung der Choreographie „Die Insichtbare“ von John Neumeier zu tanzen, die von der Schicksale von Ausdruckstänzern in Deutschland, die während der NS-Zeit verfolgt wurden. Dort wird bis zum 18. Juli produziert.

Auf die Nijinsky-Gala folgten Ausschnitte aus Neumeiers Corona-Inszenierung „Geisterlicht“, präsentiert vom Hamburg Ballett, gefolgt vom ersten großen Pas de deux des Abends: Madoka Sugai als Cinderella und Allessandro Frola als Prinz tanzten aus Neumeiers Klassiker „A Cinderella-Geschichte“. , entstanden 1992. Drei weitere Ballette rundeten den ersten Teil des Abends ab. Erstens: Auszüge aus „Nijinsky“.

Doch bevor zweitens „Der Nussknacker“ entstand, gab es einen berührenden Abschied von der ersten Solistin Leslie Heylmann, die 2008 von der Semperoper nach Hamburg gewechselt war. Obwohl sie ihre aktive Karriere als Tänzerin beendet, bleibt sie der Compagnie erhalten als Lehrerin in der Ballettschule. Neben einem großen Blumenstrauß von John Neumeier gab es Standing Ovations vom Publikum. Im Grand Pas de deux des „Nussknackers“ tanzte Heylmann dann in ihrer Paraderolle als Louise mit Matias Oberlin als Günther. Emilie Mazón war Marie. Von der Bühne verabschiedete sich auch der Solist Marc Jubete, der nach elf Jahren seine Karriere als Tänzer und junger Choreograf beendete. Es folgte ein Pas de deux aus Kenneth MacMillans „Carousel“. Die Gaststars Mayara Magri und Matthew Ball vom Royal Ballet of London drehten und drehten sich in brillanter Form als Darsteller von lebendigstem Ausdruck.

Den Abschluss bildeten nach etwas mehr als zwei Stunden für Teil eins „Trois gnossiennes“, choreographiert von dem großartigen, heute 89-jährigen Hans van Manen aus Holland, zur Musik von Erik Satie. Präsentiert wurden diese von einem weiteren Traumgastpaar des Abends, der ehemaligen Bolschoi-Tänzerin Olga Smirnova und ihrem Tanzpartner, dem Österreicher Jakob Feyferlik. Beide arbeiten derzeit am Het Nationale Ballet in Amsterdam und entwickeln gemeinsam ihre ganz eigene Aura der Eleganz.

Der erfahrene Nijinsky-Gala-Besucher ahnte schon zu Beginn der ersten Pause, dass er wohl mit einer Aufführung von mindestens fünf Stunden rechnen kann und zum Glück lag er nicht falsch. Der zweite Teil war allerdings überraschend kurz und widmete sich ganz der Choreografie „von Zeit zu Zeit“ von John Neumeier, der nicht zufällig den Song „The Dangling Conversation“ von Simon & Garfunkel vor den von Franz Schubert stellt Klaviersonate in B-Dur. „Von Zeit zu Zeit“ präsentierte das quirlige Ballett am Rhein, für das Neumeier das Werk schuf. Geleitet wird das Unternehmen seit der vergangenen Saison vom Deutsch-Argentinier Demis Volpi, auf den in Düsseldorf große Hoffnungen gesetzt werden. Auch beim Besuch in Hamburg war Aufbruchstimmung spürbar.

Der dritte Teil des Abends schließlich widmete sich vier weiteren großartigen Choreographien. Zu Beginn brachten Anna Laudere, Edvin Revazov und David Rodriguez „L’Aprés-midi d’un Faune“ zur Musik von Claude Debussy, choreografiert von John Neumeier und nach Motiven von Vaslav Nijinsky zu neuen Höhen. Anschließend präsentierten Alina Cojocaru und Alexandr Trusch dem Hamburger Publikum ein neues Pas de deux für Don Juan, das Neumeier Rudolf Nurejew widmete und das bald nach London exportiert werden soll. Schließlich wurde der vierte Satz aus „Gustav Mahlers Dritte Symphonie“ mit Xue Lin, Karen Azatyan und Jacopo Bellussie zu einem weiteren Highlight des an Höhepunkten reichen Abends. Für einige Tänzer brachte das Saisonende Beförderungen. John Neumeier ernannte Xue Lin zum Solisten und David Rodriguez und Allsandro Frola zu Solisten. Alexandre Riabko wird ab der kommenden Staffel als Special Actor tätig sein.

Höhepunkt des Galaprogramms ist der von Victor Gsovsky choreografierte „Grand Pas Classique“, den Smirnova und Feyferlik in der vorletzten Aufführung der Nijinsky-Gala feierten. Zur Musik von Daniel-Francois-Esprit Auber glänzten die beiden Künstler in allerlei Glanzstücken auf höchstem technischem Niveau. Den Abschluss des Abends schließlich mit Ausschnitten aus Neumeiers „Beethoven-Projekt II“, nach denen klar gesagt wird, dass man zu Beethoven tanzen kann, aber immer noch nicht weiß, ob man es wirklich tun soll, war eine rasante Abfolge von spannenden Bewegungsabläufen , getanzt von sieben tollen Paaren und dem Ensemble. Es folgte wieder: Applaus, Blumen, Konfetti, Applaus. Bravo.

Die kommende Spielzeit beginnt am 3. September mit einem Tanz des Hamburg Balletts bei freiem Eintritt um 20 Uhr auf dem Rathausmarkt. Unter dem Titel „The World of John Neumeier“ zeigt der Regisseur Stationen aus seiner 50-jährigen Karriere in der Hansestadt.

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