Dienstag, Oktober 4, 2022

„Er stand für Mut und Fairness“ – Ex-WDR-Intendant Fritz Pleitgen ist tot

DÄltere Leute erinnern sich vielleicht an ihn als Korrespondenten in Moskau und Washington. Später stand er zwölf Jahre lang an der Spitze des größten ARD-Senders. Nun trauert nicht nur der WDR um seinen ehemaligen Intendanten.

Fritz Pleitgen ist am Donnerstag im Alter von 84 Jahren gestorben, teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Freitag in Köln mit.

Der gebürtige Westfalen arbeitete seit 1963 als Journalist beim WDR und war von 1995 bis 2007 dessen Intendant – er galt als einer der einflussreichsten deutschen Journalisten und Medienmacher.

„Der Tod von Fritz Pleitgen ist für uns alle beim WDR eine sehr traurige Nachricht.

Mit Pleitgen hat nun ein „großer Kapitän“ die Bühne des Lebens verlassen. Weiter heißt es, dass Pleitgen „gestaltete (haben) wie kein anderer.“ „Fritz Pleitgen stand für Mut und Fairness, und er liebte seinen WDR“, sagte der heutige WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Tom Buhrow. Und weiter: „Seine Ausstrahlung geht (…) weit über diesen Sender hinaus. Er stand Zeit seines Lebens für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Rolle in der Gesellschaft.“

Pleitgen, der am 21. März 1938 in Duisburg geboren wurde, machte seine ersten journalistischen Schritte in Bielefeld. Mit 14 Jahren begann er als freier Mitarbeiter bei der (inzwischen aufgelösten) „Freien Presse“, wo er später sein Volontariat absolvierte. 1963 wechselte er als Reporter zur „Tagesschau“ zum WDR.

Pleitgen machte sich ab 1970 als Korrespondent der ARD-Studios in Moskau einen Namen.

Mitten im Kalten Krieg führte er als erster westlicher Journalist ein Interview mit dem damaligen Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew. 1977 folgte eine Anstellung als DDR-Korrespondent in Ost-Berlin und ab 1982 als ARD-Studioleiter in Washington und New York.

1988 kehrte Fritz Pleitgen nach Deutschland zurück. In Köln übernahm er die Chefredaktion des Fernsehens und wurde 1994 Intendant des WDR Hörfunks. 1995 wählte ihn der Rundfunkrat zum Intendanten des Westdeutschen Rundfunks. In den Folgejahren schärfte er das Regionalprogramm des Senders, initiierte die Gründung des Dokumentationssenders „Phoenix“ und des Jugendsenders „1LIVE“ und ebnete auch den Weg für die digitale Expansion des WDR.

Nachdem er 2007 den WDR verlassen hatte, engagierte er sich für seine Heimat, das Ruhrgebiet. Sein letztes großes Projekt war die Kulturhauptstadt Ruhr.2010. Hier war er von 2007 bis 2011 Geschäftsführer. Wie er selbst erklärte, war es ihm wichtig, veraltete Vorstellungen vom einstigen „Kohlenpott“ abzubauen und neue Bilder des Ruhrgebiets in die Welt zu schicken. Als im Kulturhauptstadtjahr 21 Menschen bei der Loveparade-Katastrophe ums Leben kamen, war Fritz Pleitgen einer der wenigen, die direkt zum Unglücksort fuhren und sich öffentlich zu seiner moralischen Verantwortung bekennen.

Außerdem engagierte er sich für die Deutsche Krebshilfe, deren Präsident er war (2011 bis 2021). Die Krankheit traf ihn auch persönlich: Im Juni 2020 gab er bekannt, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt zu sein.

Fritz Pleitgen veröffentlichte auch zahlreiche Bücher, von denen einige zu Bestsellern wurden. Der Autor und Journalist lebte bis zu seinem Tod in Bergisch Gladbach und hinterließ seine Frau und vier Kinder.

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