Dienstag, Oktober 4, 2022

Film ab! Aktion!

F134 Filme aus 58 Produktionsländern zeigt ilmfest-Direktor Albert Wiederspiel beim Filmfestival vom 29. September bis 8. Oktober. In zehn Sektionen können Cineasten Welt- und Deutschlandpremieren erleben, unter anderem beim Kinder- und Jugendfilmfestival MICHEL im Abaton, das am 30. September mit Til Endemanns Familienkomödie „Lucy ist jetzt Gangster“ startet.

WELT AM SONNTAG: Herr Wiederspiel, wie zuversichtlich gehen Sie nach den letzten Jahren mit starken Einschränkungen zu Ihrem ersten Festival, das wieder 100 Prozent Plätze bietet?

Albert-Wiederholung: Ziemlich optimistisch. Festivals scheinen tatsächlich krisenfester zu sein. Die Leute wollen das stark kuratierte, fokussierte Programm mit viel Drumherum wie Meetings und Talks. Wir bieten mehr als einen normalen Kinobesuch. Der Besucherrückgang von 40 Prozent im normalen Kinobetrieb ist natürlich tragisch.

WELT AM SONNTAG: Vielleicht kann das Festival die Initialzündung für Besucher sein …

Wiederholung: Auf jeden Fall in Hamburg, ich habe das Filmfest immer als generische Kampagne für das Kino gesehen – es steht zehn Tage lang im Mittelpunkt.

WELT AM SONNTAG: Den Auftakt macht „Wir sind dann wohl die Verwandten“ von Hans-Christian Schmid, der vom Schicksal der Familie von Jan Philipp Reemtsmas während seiner Entführung erzählt.

Wiederholung: Ich bin sehr froh, dass uns dieser Film angeboten wurde, ich bin seit Schmids „Nach fünf im Dschungel“ Fan. Der Film „Wir sind dann wohl die Verwandten“ wird in Hamburg angesiedelt und gedreht. Mir war auch wichtig, dass die Familie Reemtsma hinter dem Film steht, egal was sie tut. Der Film gefällt mir unter anderem deshalb so gut, weil er eine nüchterne Geschichte erzählt, zum Beispiel über alles, was damals schief gelaufen ist.

WELT AM SONNTAG: Zudem ist das Programm hochkarätig.

Wiederholung: Wir haben viele Weltpremieren, weil die Pandemie in den letzten zwei Jahren zu einem Rückstand bei Filmstarts geführt hat und jetzt viele aus der Pipeline nicht einmal bei den Festivals in Venedig oder Cannes laufen konnten.

WELT AM SONNTAG: Bei einer der Uraufführungen steht ein bekannter Hamburger Regisseur im Mittelpunkt…

Wiederholung: Wir haben den neuen Film „Rheingold“ von Fatih Akin. Das Gangsterdrama basiert auf dem autobiografischen Roman „Alles oder Nix“ von Xatar und erzählt aus dem Leben des deutschen Rappers. Der Film spielt hauptsächlich in Bonn. Aber Filme von Fatih Akin sind immer sehr hamburgisch.

Keine Weltpremiere, aber Kilian Riedhofs „You won’t get my hatred“ wird erstmals in Deutschland gezeigt. Es war unglaublich mutig, das zu machen – als deutscher Regisseur so einen französischen Film. Aber er ist sehr erfolgreich. Riedhof hat mein Herz mit dieser sehr emotionalen Geschichte über einen Vater gewonnen, dessen Frau 2015 beim Massaker „Bataclan“ in Paris ermordet wurde und der allein mit seinem kleinen Sohn zurechtkommen muss.

WELT AM SONNTAG: Gibt es noch etwas aus Hamburg?

Wiederholung: Janek Rieke meldet sich mit seinem zweiten Film nach 25 Jahren zurück: Damals drehte er den wunderbaren Film „Härtetest“ mit Lisa Martinek in der Hauptrolle. Jetzt zeigt er den Film „Beule“, der hauptsächlich im Hamburger Hafen spielt.

WELT AM SONNTAG: Welche Rolle spielen von Hamburg geförderte Filme?

Wiederholung: Die Hamburgische Filmförderung unterstützt sehr erfolgreich internationale Projekte, aktuell den Cannes-Gewinner „Triangle of Sadness“, mit dem der schwedische Regisseur Ruben Östlund seine zweite Goldene Palme gewann. Der Film ist eine Satire auf die selbstsüchtige Modebranche. Auch der Film „Holy Spider“ des in Dänemark lebenden Iraners Ali Abbasi wurde von Hamburg gefördert. Auch das zeigen wir. Das Regime wütet gegen diesen Film und wünscht allen, die daran mitgearbeitet haben, den Tod. Dies ist ein Thriller, der in unseren Augen nichts Politisches hat. Es geht um einen Serienmörder, der die Stadt Masshad von Prostituierten „säubern“ will.

WELT AM SONNTAG: Die teilnehmenden Kinos sind die gleichen wie vor der Pandemie?

Wiederholung: Alle fünf Kinos sind unverändert. Wir haben eine neue Location hinzugewonnen, die Filmfestbar in den Kasematten, beim Cinemaxx am Dammtor rechts um die Ecke Richtung Außenalster. Es ist unter den Bahngleisen. Der ganze Raum wackelt, wenn ein Zug darüber rollt, was ihn auch so charmant macht. Eine tolle Partylocation ohne Filmvorführungen, dafür mit Musik, Tanz und Talks. Und mit unserem Programm „Filmfest ums Eck“ bringen wir Filme und Gäste in die Kiezkinos.

WELT AM SONNTAG: Dann gibt es ein ukrainisches Filmfestival innerhalb des Filmfestivals.

Wiederholung: Das ukrainische Filmfestival „Molodist“ kann dieses Jahr nicht in Kiew stattfinden, daher wird ein Teil des nationalen Wettbewerbs im Alabama-Kino auf Kampnagel gezeigt. Der Hintergedanke war, dass Kampnagel sich sehr aktiv um die Aufnahme von Künstlern aus der Ukraine bemühte. Alabama ist ein sehr engagiertes Kino. Im Moment gehen wir davon aus, dass die Künstler das Land verlassen dürfen, um in Hamburg dabei zu sein.

WELT AM SONNTAG: Wie gehen Sie mit Problemländern wie Russland, China und Indien um?

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