Dienstag, Oktober 4, 2022

„Ich habe sie jammernde Gewässer genannt – das ist sehr liebevoll!“

ichIm Kino Babylon in Berlin herrscht eine fast familiäre Atmosphäre. Mehr als zwei Jahre nach der pandemiebedingten Zwangspause stehen Oliver Kalkofe und Peter Rütten erstmals wieder auf der Bühne, um ihrem Publikum eine Vorschau auf die neue Staffel „SchleFaZ – Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ zu zeigen. Der TV-Satiriker und ehemalige Chefautor von Harald Schmidt präsentiert seit fast zehn Jahren das Format Tele 5. Zunächst machte der finanziell vergleichsweise überschaubare Sender aus der Not und dem begrenzten Angebot eine Tugend. Mittlerweile lockt „SchleFaZ“ jene Filmliebhaber an, die noch aus jeder kinematografischen Nische etwas herausholen können.

Viele überredete und oft auch Wiederholungstäter tummeln sich im Kino, um einen der von Kalkofe und Rütten satirisch kommentierten Filme zu sehen. Einige Zuschauer haben sich bereits visuell auf eine der auszuwählenden Arbeiten vorbereitet. Vor allem Hai-Kostüme in allen Größen und Formen sind eine Hommage an ein Genre, das sich nach Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ schnell zu einer Art Prototyp des Pulp-Films gemausert hat. An diesem Abend steht der türkische Exploitation-Film „Karamurat – sein Kungfu ist tödlich“ auf dem Programm.

QUADDEL: Sie organisieren „SchleFaZ“ seit mehreren Jahren als Live-Event. Wie entstand die Idee, das TV-Format auf die Bühne zu übertragen?

Oliver Kalkofe: Am Anfang gab es nicht wirklich einen großen Plan. Wir haben ein paar Events als Vorschau gemacht und dann gesehen, dass „SchleFaZ“ ein Community-Event ist. Es hat gezeigt, wie cool es ist, wenn man es nicht nur alleine zu Hause sieht, sondern mit vielen Leuten. Und wie viel Spaß die Leute haben, wenn sie noch mit uns chatten und Selfies machen können. Es ist kein klassischer Bühnenauftritt, sondern ein Gruppenevent, bei dem man alte Bekannte wiedersieht.

Peter Rütten: Sie hat sich durch die Tatsache, dass im Bundestag Reden gehalten werden, ebenso logisch entwickelt wie der Stellenwert der Polit-Talkshow.

QUADDEL: Wie wichtig ist dir dieser direkte Fankontakt?

Kalkofen: Das ist uns sehr wichtig. Wir haben immer versucht, mindestens drei- oder viermal im Jahr aufzutreten. Und wegen Corona war es schade, dass wir das in den letzten zwei Jahren überhaupt nicht machen konnten. Auch die Fans waren sehr enttäuscht.

Rütten: Wir haben gelitten. Wir wollten ganze Touren organisieren.

QUADDEL: Der frühere Chef des Tele-5-Senders, Alberto Horta, hat im vergangenen Jahr erklärt, man wolle „SchleFaZ behutsam weiterentwickeln“.

Kalkofen: Wir haben es sorgfältig weiterentwickelt, indem wir „KulFaZ – The Most Iconic Movies of All Time“ gemacht haben. Das war eine Variante, die viel Spaß gemacht hat und zum Glück sehr gut funktioniert hat. Grundsätzlich entwickeln wir das Format aber seit der ersten Folge mehr als behutsam weiter. „SchleFaZ“ ist ein Lebewesen – irgendwo zwischen Kuscheltier und Monster. [lacht]

QUADDEL: Vor drei Jahren haben Sie Ed Woods „Plan 9 from Outer Space“ auf einem Open-Air-Event in Düsseldorf gezeigt. Sie haben damals auf der Bühne betont, dass es die bisher teuerste „SchleFaZ“ war. Wie stark beeinflusst das Budget die Filmauswahl?

Kalkofen: Das Budget beeinflusst alles, wenn es ums Fernsehen geht. Wenn wir umsonst arbeiten oder besser noch dafür bezahlen würden, könnten wir mehr Folgen ausstrahlen. Aber das geht am Grundgedanken des Arbeitens im Allgemeinen vorbei. Aber es geht immer um die Fragen: Woher bekommen wir die Rechte? Und was können Sie bezahlen, was für die Station im Rahmen liegt? Shark Alert Mallorca ist dieses Jahr auch nicht ganz billig, aber ich finde Plan 9 aus dem Weltall immer noch am teuersten. Zum Glück muss ich die Verhandlungen nicht führen. Uns wurde damals nur gesagt, dass der Spaß nicht gerade billig sei.


QUADDEL: Bei „KulFaZ“ schränkt dich das Budget noch mehr ein. „Der Weiße Hai“ oder „Einer flog über das Kuckucksnest“ werden Sie in absehbarer Zeit nicht zeigen können.

Rütten: Absolut, das ist ein echtes Ausschlusskriterium.

Kalkofen: Leider gibt es viele natürliche Ausschlusskriterien. Zunächst einmal soll der Film um viertel nach acht laufen – nur FSK 12 ist möglich. Wenn wir Kultfilme zeigen, wollen wir sie natürlich ungeschnitten und in bester Qualität zeigen. Und dann ist es natürlich so, dass ganz viele der Kultfilme, die man sich wünscht, woanders laufen, alle wollen sie. Gute Filme werden einfach öfter ausgestrahlt als unsere schönen Scheißfilme. Aber wir waren froh, dass es letztes Jahr mit so einer schönen Auswahl geklappt hat. Und jetzt mal sehen ob es weiter geht.

QUADDEL: Welche Filme würdest du zeigen, wenn du unbegrenzt Geld hättest?

Kalkofen: Für „SchleFaZ“ hätten wir gerne „Batman & Robin“ oder „Catwoman“. „Cats“ würde auch super funktionieren. Aber sie sind finanziell immer noch jenseits dessen, was wir aufbringen können, egal wie beschissen sie sind. Und mit „KulFaZ“ möchten wir natürlich „Zurück in die Zukunft“ oder einen James Bond zeigen. Aber das ist im Moment noch utopisch. Selbst „Four Fists for a Hallelujah“ mit Terence Hill und Bud Spencer ist wahnsinnig schwer zu bekommen. Vielleicht bekommen wir Fantomas oder einen anderen sehr guten Film mit Louis de Funès. Auch hier müssen wir bewusst nach kleinen Kultperlen tauchen.

Rütten: Außerhalb des gerade erst eröffneten „KulFaZ“-Kosmos hätten wir gerne auch legendäre Kapitalfilmkrimis wie „The Room“ oder den Zlatko-Streifen „Mr. Boogie“. Allerdings haben die Lizenzgeber immer relativ eigenwillige Ideen.

QUADDEL: Wir leben in Zeiten, in denen die Bedeutung des linearen Fernsehens abnimmt. Sind solche Live-Events hilfreich oder vielleicht sogar notwendig, um eine Medienmarke wie „SchleFaZ“ zu definieren?

Rütten: Absolut, Sie können alles unterschreiben. Es ist sowohl notwendig als auch hilfreich, weil es niemand mehr tut. Im Prinzip sind wir die letzte Insel, die das von Grund auf gelernt hat, als die allgemeine Nachfrage um uns herum nachließ. Und jetzt stehen wir da – einsam – und halten die Fackel hoch. Sie können sehen, dass Sie Menschen fürs Leben daten können. In der Community haben wir meist treue Wegbegleiter ab der ersten SchleFaZ-Stunde.

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