Dienstag, August 9, 2022

Kompromisslos cool – Die WELT von Christopher Wool

CChristopher Wool hat das fast Unmögliche erreicht. In den drei Jahrzehnten seines Aufstiegs zum vielleicht bedeutendsten amerikanischen Maler seiner Generation hat das Werk des heute 63-Jährigen nie sein Geheimnis verloren. Und während die Welt der zeitgenössischen Kunst zu einem Zweig der Unterhaltungsindustrie geworden ist, ist Wool selbst das Gegenteil des berühmten Künstlers geblieben. Interviews meidet er ebenso wie rote Teppiche, und auf den Tag, an dem ein Luxusunternehmen eine Handtaschenkollektion von Wool ankündigt, werden wir wohl vergebens warten.

Umso stolzer sind wir, dass Christopher Wool als neunter Künstler nach Georg Baselitz, Ellsworth Kelly, Gerhard Richter, Neo Rauch, Cindy Sherman, Isa Genzken, Julian Schnabel und Jeff Koons die Herausforderung annimmt, in der Berlin eine komplette zu präsentieren newsroom der WELT, um die Ausgabe unserer Tageszeitung zu gestalten.

Er hat mehr als 40 neue Arbeiten mitgebracht, darunter großformatige Siebdrucke, mit Ölfarbe gemalte Radierungen und Wools Fotografien seiner Skulpturen, die er größtenteils vor dem klaren Himmel seiner zweiten Heimat Texas fotografierte. Und da er speziell für die Leser dieser Welt eine Ausgabe erstellt hat, die auf Seite 34 dieser Ausgabe zu sehen ist, macht uns Wool heute gleich ein doppeltes Geschenk.

Und was sehen wir? Hans-Joachim Müller beschreibt in seiner Feuilletonhauptrolle Wools Praxis als den Akt des Bildermachens über das Bildermachen. Und so hermetisch abstrakt sein Werk auch erscheinen mag, es speist sich auch aus den alltäglichen Beobachtungen des Künstlers.

Man muss nur seinen mittlerweile legendären Fotoband East Broadway Breakdown aus dem Jahr 2003 zur Hand nehmen und die Bilder untersuchen, die er von der Lower East Side aufgenommen hat, um ein Gefühl dafür zu bekommen, woher die Formen in seinen Gemälden stammen könnten. Eine Blutlache hier, ein schmackhafter Hydrant dort: Es ist die harte und doch flüchtige Poesie der Straße, die er zwischen streunenden Hunden und Junkies eingefangen hat und die nun in seinen Klecksen und Flecken wieder auftaucht.

Seine Bilder hängen zwar längst in den teuersten Apartments der Upper East Side, aber Wool selbst ist immer noch der Downtown-Künstler durch und durch, der einst Cover für die Rockband Sonic Youth entwarf. Unbeeindruckt vom Erfolg trotzt er den Erwartungen seines Publikums. „Es ist nicht meine Aufgabe, es niemandem leicht zu machen“, sagte er am Tag der Produktion in Berlin. Auch diese Zeitung erzählt davon, dass aus wolliger Härte am Ende immer Schönheit entsteht.

Einmal im Jahr verwandelt ein Künstler die Tageszeitung DIE WELT in ein Kunstwerk. Die begehrten Sammlereditionen der letzten 10 Jahre können Sie hier bequem nachbestellen.

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