Dienstag, August 9, 2022

„Nachts ausgehen in Klagenfurt? Bist du verrückt?“

Behzad Karim-Khani wurde 1977 in Teheran geboren und zog 1986 mit seiner Familie nach Deutschland. Heute betreibt er eine Bar in Berlin-Kreuzberg, ist freier Autor und hat kürzlich seinen ersten Roman veröffentlicht. „Hund, Wolf, Jackal“ war im Rennen um den Bachmann-Preis in Klagenfurt. Aber er hat nicht gewonnen. Im Interview spricht Karim-Khani über seine To-do-Liste für den Wettbewerb und über Literaturkritiker und ihre Weinschorle.

WELT AM SONNTAG: Sie waren mit Ihrem Debütroman „Hund, Wolf, Schakal“ beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt. Unverständlicherweise haben andere Autoren gewonnen. Womit haben Sie die Enttäuschung heruntergespült?

Behzad Karim-Khani: Mit in Grünem Veltliner gelösten Migränetabletten. Mischungsverhältnis: 1:1. Klingt seltsam, legt sich aber sehr sexy zwischen die knirschenden Zähne. Das ist viel besser als zu gewinnen. Glaub mir.

WELT AM SONNTAG: Klagenfurt in 24 Stunden: Was ist die To-do-Liste?

Karim Khani: Man muss sich Klagenfurt als eine norditalienische Stadt vorstellen, aus der die Bayern die Italiener herausgeschrien haben. Die Straßen sind nach Nazi-Ärzten und Kinderschändern benannt. Also am besten 24 Stunden im Hotelzimmer bleiben und sich das Schnitzel liefern lassen. Du kannst auf keinen Fall in diesen See springen. Egal, wie sehr dich die Einheimischen drängen.

WELT AM SONNTAG: Du betreibst auch eine Bar in Berlin-Kreuzberg. Wie wild ist das Nachtleben in Klagenfurt?

Karim Khani: Ich gehe nachts nicht raus. Bist du verrückt Maximum am Morgen. Die einzige Gefahr geht von älteren Literaturkritikern aus, die die Weinschorle zwitschern, anstatt die zu diskutierenden Texte zu lesen.

WELT AM SONNTAG: Eine Frechheit, ich weiß. Aber in zwei Sätzen: Worum geht es in Ihrem Buch?

Karim Khani: Darf ich die Frage ernsthaft beantworten? Es geht um das Martyrium eines sensiblen Jungen, der zum Monster wird. Sein Bruder, der sein Leben nur mit Fluchtgeschwindigkeit stabilisieren kann. Und ihr Vater verbüßt ​​seine Tage wie eine Strafe. Weniger poetisch: Es ist eine Neuköllner Gangstergeschichte.

WELT AM SONNTAG: Der Titel irritiert, weil die Reihenfolge verworren wirkt: Sollte der Wolf nicht hinter dem Schakal her sein?

Karim Khani: Nein.

WELT AM SONNTAG: Welches Raubtier bist du?

Karim Khani: Ich bin selbst eher der Wiesel-Typ.

WELT AM SONNTAG: Welche Modemarke hast du bei deiner Lesung getragen?

Karim Khani: Ich mache keine Exklusivverträge. Niemals. Meine Schuhe sind immer Salvatore Ferragamo und Gucci. Ich trug meistens Hosen Herr von Eden. Hemden Fred Perry, manchmal CHEF. Es ist nur Österreich.

WELT AM SONNTAG: Was haben Sie auf dieser Reise von Ihren Kollegen gelernt?

Karim Khani: Verlieren. Offensichtlich nicht durch Nachahmung. Nächste Frage.

WELT AM SONNTAG: Welches Buch liegt gerade auf deinem Nachttisch und warum?

Karim Khani: Tinglers „Guess Who’s Staying for Dinner“. Natürlich. Interessanter ist, was unter meinem Nachttisch liegt. Seitdem er in einer dieser Kreuzberger Nächte einen Fuß verloren hat, habe ich ihn durch Kastbergers Werk ersetzt. Jetzt ist es viel besser als vorher. Kann ich nur empfehlen.

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