Freitag, August 19, 2022

Nur noch 25 Jahre bleiben dem Hamburger Bahnhof

Das Spiel beginnt von vorne – von vorne. Der Rat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) in Berlin hat vereinbart, dass „der Bund mit CA Immo Deutschland für den Hamburger Bahnhof einen Mietvertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren mit Verlängerungsoption abschließt“. Die Follower eines der großen Skandale in der Skandalstadt Berlin horchen auf: Schon wieder ein Mietvertrag?

2019 berichtete diese Zeitung erstmals, dass der Hamburger Bahnhof, die Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst in Berlin, gar nicht dem Bund gehört, sondern der Wiener Investmentgesellschaft CA Immo, die seinerzeit abreißen wollte 50 Prozent der Ausstellungsfläche, die Rieckhallen. Der Mietvertrag war abgelaufen und niemand hatte es bemerkt. Eine selbstverschuldete Katastrophe. Dabei wurde bekannt, dass das Hauptgebäude sanierungsbedürftig war, sich aber auch im Besitz von Spekulanten befand.

2007 privatisierte Berlin das landeseigene Immobilienunternehmen Vivico, den damaligen Eigentümer des Geländes – CA Immo erhielt den Zuschlag. All das geschah in Monaten, in denen der Großsammler Friedrich Christian Flick seine bedeutende Sammlung dem Museum zur Verfügung stellte und rund acht Millionen Euro in die Hallen investierte. Als die Abrisspläne bekannt wurden, zog er die Arbeiten zurück. Das Museum stand am Abgrund.

Seitdem ist nicht viel passiert: Die Rieckhallen sollen von Ex-Bürgermeister Michael Müller und Kultursenator Klaus Lederer gerettet worden sein – doch der Grundstückstausch ist noch nicht abgeschlossen. CA Immo fordert zwei weitere Grundstücke für das Hauptgebäude, doch die ehemalige Kulturstaatsministerin Monika Grütters lehnte ab. Und die Dinge kamen wieder in Gang.

Wie früher verkaufen Sie jetzt einen Mietvertrag als Erlösung – und tun so, als seien 25 Jahre ein Jahrhundert. „Der Hamburger Bahnhof hat wieder klare Zukunftsperspektiven“, sagt Hermann Parzinger, der immer noch Präsident der SPK ist. Die Sanierung des alten Bahnhofs übernimmt der Steuerzahler, ab sofort überweist er auch die Mieten an CA Immo – und die Wiener können sich überlegen, was sie als nächstes aus Berlin herausquetschen.

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