Samstag, August 20, 2022

Sloterdijk kritisiert „Mobilisierung postkolonialer Geisteskultur“

Der Philosoph Peter Sloterdijk hat sich im Zusammenhang mit dem Antisemitismus-Skandal um ein indonesisches Künstlerkollektiv auf der Kasseler Documenta kritisch zur aktuellen Kunstszene geäußert. „Wir beobachten die Mobilisierung einer postkolonialen Geisteskultur“, sagte Sloterdijk der Berliner Zeitung. „Intellektuelle aus der Peripherie“ bereiten sich darauf vor, „im Zentrum die Macht zu übernehmen“. Das entspricht auch dem Konzept der aktuellen Documenta.

Mit der Künstlergruppe aus Indonesien haben sie „bewusst ein peripheres Künstlerkollektiv als kollektiven Kurator der Ausstellung gewählt und damit ein Zeichen gesetzt: Man lässt sich lieber von der Peripherie interpretieren, als sich selbst zu interpretieren“, sagt Sloterdijk: „Das Falsche zu sein im erstgenannten Zentrum ist so stark zu spüren, dass man lieber Interpretationen erduldet als sie auszuüben.“

Auf der vor einer Woche in Kassel eröffneten „documenta 15“ wurden auf einem riesigen Wimmelbild der indonesischen Künstlergruppe „Taring Padi“ antisemitische Darstellungen entdeckt. Das „Volksjustiz“-Bild wurde am Dienstagabend nach öffentlichen Protesten entfernt.

Sloterdijk betonte: „Für die Experten ist das ein klarer Fall antisemitischer Propaganda. Ein kurzer Blick genügte mir: ‚Miserable Malerei‘.“ Jedes weitere Wort sei Verschwendung, sagt der Berliner Philosoph und Autor, der am Sonntag 75 Jahre alt wird.

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles