Dienstag, August 16, 2022

Wie Söder Deutschland bayerisch macht

FRaufbolde in bayerischer Tracht, manche trotz des Hochsommers mit Pelzmütze, bewachen den Flughafen München. Sie empfangen Politiker vom G-7-Gipfel. Getrennt davon warten Männer in Lederhosen auf dem roten Teppich auf die Gäste. Ein Video von zwei Jungen, die ihren bayerischen Tanz in Lederhosen aufführten, machte ebenfalls den Weg durch die sozialen Medien. Sogar Jake Tapper, der Fernsehjournalist von CNN, hat dieses Video in die Welt hinaus getwittert.

In den letzten Jahren wurde in der Identitätspolitik viel über indigene Völker, ihre Kultur und ihren Glauben gesprochen. So ist es nun auch in Deutschland: Hier landeten die mächtigsten Männer der Welt bei einem Urvolk in den Bergen. Der Bayer. Und dieses Volk empfing diese Männer auf ihre übliche Weise. In Trachten und Volkstanz. Für Neueinsteiger: Das ist dieser schräge Schuhplattler-Tanz. Aber was will Deutschland der Welt zeigen?

Bilder vom Empfang flogen durch die sozialen Medien. Auf Twitter und anderen sozialen Plattformen entbrannte eine Diskussion über die Darstellung „deutscher Kultur“. Es stellt sich die Frage: Was ist heutzutage überhaupt „deutsch“? Was ist die „deutsche Identität“? Die Antwort ist im Ausland so einfach, so logisch: Der „Deutsche“ ist Bayer. Söder nutzt es.

Es gibt das Bild wieder, das selbst die Simpsons von Deutschland zeichnen. Nämlich: Bier, Oktoberfest, Volkswagen, Jodeln und Trachten. Fast imperial hat Söder das Deutschlandbild in der Welt bayerisch gemacht. „Deutschland, das ist Bayern“, mehr nicht. Söder und Bayern fühlten sich bestätigt. Denn auf Twitter postete er weitere Kostümbilder. In Deutschland dreht sich alles um Bayern.

Aber Deutschland ist mehr als diese Trachten und Lederhosen. Bier und Oktoberfest. Deutschland ist multikulturell. Es sind die jeweiligen Bundesländer mit ihren kleinen und großen Besonderheiten. Es ist die vielfältige Esskultur abseits von Brezn und Weißwurst: Handkäse und Äppler oder israelisches Shakshuka. Bayern ist nicht Deutschland.

Doch das Deutschlandbild bleibt vage. Weltweit. Aber es gibt Alternativen, zum Beispiel in Berlin: Auch die Rave-Szene könnte am BER Wache halten.

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