Dienstag, Oktober 4, 2022

Wo sind sie, die glücklichen berufstätigen Mütter?

Die Serien „Bobo Siebenschläfer“ und „Mein Freund Conni“ sind die unangefochtenen Bestseller bei Kindern unter fünf Jahren, auch wenn Netflix mit Action nach dem Fantasy-Schema James Bond plus mächtig Druck auf den Hexenkessel ausübt. So sehr Conni und Bobo die Eltern auch ärgern, sie sind froh, dass es sie gibt. Sie gelten als harmlos: keine Supertechnologie, keine Superkräfte.

Conni nimmt den Kindern die Angst vor dem Zahnarztbesuch, Bobo traut sich auf dem Jahrmarkt Karussell zu fahren. Aber die beiden Charaktere haben noch etwas gemeinsam: Sie sprechen über Papa, Mama und ein oder zwei Kinder. Papa arbeitet, Mama kümmert sich (obwohl sie arbeitet). Papa geht mit Bobo campen, Mama putzt mit ihm die Wohnung. Sie alle leben in einem Haus mit großem Garten.

Ist das die Rollenverteilung, die alle sehen wollen? Viele Eltern halten sich immer noch lieber an den britischen Humor von „Peppa Pig“. Du denkst, die lustige Schweinefamilie nimmt nicht alles so ernst. Hier dürfen sich die Kinder im Matsch suhlen und viel zu schnell mit ihren Fahrrädern den Hügel hinunter sausen. Aber auch hier sind die Rollen klar verteilt: Mama Wutz kocht, Papa Wutz geht arbeiten. Ein weibliches Eisbärenpaar wurde nun in die Zeichentrickserie eingeführt – mit ihrer Tochter Penny. In Großbritannien kam der Schritt gut an, aber in Deutschland hat ihn noch niemand bemerkt. In Italien aber mischt die Meldung – wie die FAS jetzt berichtete – den Wahlkampf und die Talkshows auf.

Die postfaschistische Partei von Giorgia Meloni, die bald Ministerpräsidentin wird, findet das „inakzeptabel“. Man fürchtet: „Gender-Indoktrination“. Hier in Deutschland werden die guten Nachrichten über Penny und ihre Eltern die AfD hoffentlich nur erschrecken – aber sicher ist man sich nicht. Hierzulande ist jedoch eine andere Debatte notwendig. Warum werden sogar die Frauen wieder in Rollen gedrängt: Eine von Pennys Müttern ist „Ärztin“ und die andere kann „Spaghetti kochen“.

In den letzten Jahren wurden die Handlungen zumindest in den neueren Büchern von Conni und Bobo der Realität angepasst: Die Mutter ist manchmal gestresst, weil sie viel Arbeit hat und zu spät zum Abholen in der Kita kommt. Aber ist es das, was fehlt? Es ist immer wieder überraschend, dass man in Büchern für Kleinkinder sehr selten auf Mütter stößt, die wie selbstverständlich arbeiten, wie etwa in „Heiligabend, an dem Clowni verschwand“. Ein Elfenbuch über ein ungewöhnlich intaktes Familienweihnachten.

Dort steht: „Mama kommt spät von der Geschäftsreise zurück“. Sie ist verkleidet und glücklich, mit ihrer Familie zusammen zu sein. Und doch zeigt sie, wie sehr ihr ihr Arbeitsleben gut tut. Der Vater hat sich schon darum gekümmert, ganz entspannt. Dies ist die Realität vieler Familien – oder sollte es sein. Warum ist in Büchern für Kleinkinder alles so beengt?

Related Articles

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisement -

Latest Articles