Dienstag, August 16, 2022

Zentralrat der Juden bezweifelt den Sinn des Dialogs mit der Documenta

DDie Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland, Doron Kiesel, stellte die Sinnhaftigkeit eines weiteren Dialogs mit der Documenta in Frage. Er glaube nicht, dass ein Dialog noch notwendig sei, sagte er am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion zum Antisemitismus-Skandal auf der „Documenta 15“ in Kassel. Der Vorfall um das Gemälde der Künstlergruppe Taring Padi mit seinen antisemitischen Motiven blieb folgenlos. „Der Dialog führt derzeit zu nichts“, erklärte er auf dem Forum, zu dem die Bildungseinrichtung Anne Frank aus Frankfurt am Main und die Documenta eingeladen hatten.

Meron Mendel, Leiterin des Bildungswerks Anne Frank, sah das anders. Er beklagte zwar, dass es seit Januar nicht mehr möglich sei, mit der Documenta ins Gespräch zu kommen. Aber jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir einen Weg finden, über die Sache zu sprechen. Er warf den Documenta-Kuratoren von „Ruangrupa“ vor, keinen Austausch mit dem gesellschaftlichen deutschen Kontext eingegangen zu sein. Dies sollte aber nicht außer Acht gelassen werden. Wie Kiesel war auch er überrascht, dass keine jüdischen Künstler aus Israel zur Ausstellung eingeladen worden waren.

Der Kurator der Documenta 14, Adam Szymczyk, wies darauf hin, dass die Documenta im Gegensatz zu diversen Biennalen keine nationale Ausstellung sei. Als er vor fünf Jahren die Documenta kuratierte, gab es keine Anfragen, Künstler aus bestimmten Ländern einzuladen. Er hofft auf eine baldige Deeskalation des aktuellen Konflikts und fordert alle Beteiligten auf, ihn zu moderieren.

Auch Hortensia Völkers, Vorstandsmitglied der Kulturstiftung des Bundes, die die Documenta mit 3,5 Millionen Euro unterstützt, plädierte dafür, die Documenta vom Modus der Anklage in einen Heilungsprozess zu führen. Der Schaden für die Kulturlandschaft, der durch die antisemitischen Motive auf dem Kunstwerk der indonesischen Künstlergruppe verursacht wird, ist sehr groß. Solche Vorfälle bedeuteten einen Vertrauensverlust in die Arbeit der Kuratoren und gefährdeten letztlich die künstlerische Freiheit.

Vor Beginn der Diskussion sprach der indonesische Künstler und Kurator Ade Darmawan, Sprecher von „Ruangrupa“, kurz aus dem Publikum. „Wir sind hier, um zu lernen und zuzuhören“, sagte er.

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