Dienstag, Mai 17, 2022

Bundesbank warnt vor Rezession


Eine Eskalation des Ukraine-Krieges und weitere Sanktionen gegen Russland würden die deutsche Wirtschaft hart treffen. Sollte zudem ein Energieembargo verhängt werden, droht Deutschland eine Rezession.

Eine weitere Eskalation des Ukraine-Krieges und verschärfte Sanktionen gegen Russland würden nach Berechnungen der Bundesbank die deutsche Wirtschaft hart treffen. „Im verschärften Krisenszenario würde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr gegenüber 2021 um fast zwei Prozent sinken“, schreiben die Experten der Notenbank. Dabei spielt auch die ohnehin hohe Inflation eine Rolle, die bei einer Eskalation des Krieges noch einmal steigen dürfte. Das geht aus dem heute veröffentlichten Monatsbericht der Deutschen Bundesbank hervor.

Die Experten der Bundesbank gehen in dem Szenario unter anderem davon aus, dass die EU als Reaktion auf eine Eskalation des Ukraine-Krieges ein Öl- und Gasembargo beschließen wird. Bei ihren Schätzungen nutzten die Experten Modellrechnungen, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu erfassen.

Sollte es tatsächlich zu einem Energieembargo kommen, lägen die BIP-Einbußen laut Ökonomen in diesem Jahr zwischen 1 und 3,25 Prozent. Im Euroraum insgesamt würde die Wirtschaftsleistung bei einer Eskalation des Krieges um 1,75 Prozent niedriger ausfallen als in der März-Prognose der EZB erwartet. Sie gehen davon aus, dass kurzfristig kein Ersatz für russische Gaslieferungen gefunden wird. In der strengeren Berechnungsvariante gehen sie davon aus, dass die Versorgungsengpässe bei Energie neben den Versorgern auch energieintensive Branchen wie die chemische Industrie direkt betreffen.

Wie wahrscheinlich ist es, dass ein solches Energieembargo bald vereinbart wird? Laut ifo-Institut befindet sich die EU in dieser Frage in einem Dilemma: „Einerseits würde mehr Zeit der EU die Möglichkeit geben, sich besser vorzubereiten, indem sie alternative Energiequellen organisiert, die Nachfrage reduziert und auch die Logistik der Energieströme innerhalb der EU und in den einzelnen Ländern optimiert“, sagt ifo-Forscherin Karen Pittel. Andererseits sollte ein Ölembargo nicht auf die lange Bank geschoben werden. „Denn mehr Zeit würde es Russland ermöglichen, andere Käufer zu finden, während EU-Einnahmen weiter fließen.“ Zudem würden die Anreize in den Ländern der Europäischen Union sinken, sich auf einen russischen Energielieferstopp vorzubereiten.

Die Energiepreise befinden sich bereits auf einem hohen Niveau – und sollten sie wieder steigen, dürften sie auch die Inflation weiter antreiben. Würde dann noch ein Embargo hinzukommen, läge die Inflation in diesem Jahr rund 1,5 Prozentpunkte höher als 2021, so die Bundesbank-Experten: „Im Folgejahr werden die Auswirkungen noch größer sein.“ Auch 2024 wäre die Inflation noch höher – dann aber nicht mehr so ​​stark.

„Die Auswirkungen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine auf die deutsche Wirtschaft hielten sich zunächst in Grenzen“, teilte die Bundesbank mit. Allerdings lasteten Störungen im Außenhandel und in den Lieferketten, der dramatische Anstieg der Energiepreise und die erhöhte Unsicherheit auf Unternehmen und Privathaushalten. Die Experten gehen daher davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zu Jahresbeginn stagnierte.

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