Dienstag, Mai 17, 2022

Haftbefehl gegen Ex-Auto-Boss Ghosn


Die französische Justiz hat Haftbefehl gegen den auf spektakuläre Weise in den Libanon geflüchteten Automanager Carlos Ghosn erlassen. Bei den Ermittlungen geht es um Unterschlagung von Geldern und Geldwäsche.

Neue Entwicklungen im Fall des schillernden Ex-Autobosses Carlos Ghosn: Die französische Justiz hat einen internationalen Haftbefehl gegen ihn wegen angeblicher Veruntreuung von Vermögenswerten bei Renault und Geldwäsche erlassen. Im Zuge der Ermittlungen seien insgesamt fünf Haftbefehle erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Nanterre bei Paris heute mit.

Diese richteten sich neben dem ehemaligen Nissan-Chef auch gegen die aktuellen und ehemaligen Chefs des im Oman ansässigen Autohandelsunternehmens Suhail Bahwan Automobiles (SBA). Zwischen der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi und SBA gibt es nach Angaben der französischen Justiz verdächtige Zahlungen in Höhe von fast 15 Millionen Euro.

Ghosn rettete einst den japanischen Autokonzern Nissan vor der Pleite und schmiedete die Allianz der drei Autohersteller. Am 19. November 2018 wurden er und seine ehemalige rechte Hand, der Amerikaner Greg Kelly, in Tokio festgenommen und unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenvorschriften angeklagt.

Die japanische Justiz warf ihnen unter anderem vor, private Verluste auf den Autobauer Nissan übertragen zu haben. Während Kelly in Japan blieb, floh Ghosn Ende 2019 über die Türkei nach Beirut und verstieß gegen strenge Kautionsauflagen. Der Ex-Manager mit französischer, brasilianischer und libanesischer Staatsbürgerschaft wurde in einer Kiste für Musikinstrumente versteckt.

Seitdem wird Ghosn auch von Japan mit internationalem Haftbefehl gesucht. Er darf den Libanon nicht verlassen, was ihn nicht ausliefert. Einer seiner Anwälte, Jean Tamalet, nannte den Haftbefehl aus Nanterre „sehr überraschend“. Die Staatsanwälte und Richter dort wisse sehr genau, dass Ghosn den Libanon nicht verlassen dürfe, sagte er der Nachrichtenagentur AFP.

Der ehemalige Chef des Dreierbündnisses wies die Vorwürfe gegen ihn wiederholt zurück. Der 68-Jährige sieht sich als Opfer einer Verschwörung, um eine Annäherung zwischen Nissan und Renault zu verhindern. Im Februar beschwerte sich Ghosn gegenüber der Zeitung Le Parisien, die französische Regierung und der Vorstand von Renault hätten ihm „ein tödliches Messer in den Rücken“ gemacht. Renault ist Zivilkläger in Nanterre.

Die Ermittlungen in Frankreich drehen sich um die verdächtigen Zahlungen zwischen der niederländischen Tochter des Autobündnisses RNVB und SBA sowie zwei teuren Partys im Schloss Versailles – hier ermittelt die Pariser Staatsanwaltschaft.

Vertreter der Staatsanwaltschaft Nanterre sind bisher zweimal in den Libanon gereist. Im Februar verhörten sie dort zwei Zeugen. Sie hatten bereits im vergangenen Sommer mit Ghosn selbst gesprochen.

Unterdessen meldete Renault heute den höchsten Absatzrückgang seit mehr als zehn Jahren. Im ersten Quartal ging der Absatz wegen der Präsenz in Russland und des weltweiten Halbleitermangels um 17 Prozent auf 552.000 Fahrzeuge zurück, wie der französische Autobauer mitteilte. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 waren die Auslieferungen nicht mehr so ​​stark zurückgegangen.

Trotz des starken Absatzeinbruchs setzte Renault mehr als erwartet um. Der Umsatz schrumpfte zwar um 2,7 Prozent auf 9,7 Milliarden Euro. Dies war jedoch kein so starker Rückgang, wie von Analysten befürchtet. Dank höherer Preise und steigender Verkäufe von Elektroautos konnte der Autobauer einiges wettmachen. Ohne die Tochterunternehmen Avtovaz und Renault Russia ging der Absatz nur um ein Prozent zurück.

Unterdessen soll der Renault-Vorstand Kreisen zufolge einen Teilverkauf seines rund 43-prozentigen Anteils an Nissan erwägen. Der japanische Autobauer könnte einige seiner eigenen Papiere zurückkaufen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Allianz zwischen Renault und Nissan wäre 2018 am Skandal um deren Ex-Chef Ghosn beinahe gescheitert.

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