Sonntag, Januar 16, 2022

Insolvenz der MV-Werften Was passiert nun mit dem Mega-Kreuzfahrtschiff? Bei der insolventen MV Werften herrscht große Unsicherheit darüber, was mit den Standorten, den Mitarbeitern und vor allem dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt passiert. Ein Überblick.

Bei der insolventen MV Werften herrscht große Unsicherheit darüber, was mit den Standorten, den Mitarbeitern und vor allem dem größten Kreuzfahrtschiff der Welt passiert. Ein Überblick.

Nach dem Insolvenzantrag der MV Werften richten sich alle Anstrengungen darauf, den bereits weitgehend abgeschlossenen Bau des Kreuzfahrtschiffes „Global Dream One“ fortzusetzen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Christoph Morgen führte am Freitag erste Verhandlungen mit dem ehemaligen Eigentümer der Werft Genting Hong Kong.

„Wir hatten ein erstes Gespräch in einer guten konstruktiven Atmosphäre und werden nach Finanzierungslösungen suchen“, sagte Morgen, ohne weitere Details zu nennen. Weitere Gespräche sind geplant.

Die „Global Dream I“ in einer Kaje der MV Werften: Ob das größte Kreuzfahrtschiff der Welt jemals fertiggestellt wird, ist nicht bekannt.  (Quelle: imago images/Frank Hormann/Aurora Borealis)Die „Global Dream I“ in einer Kaje der MV Werften: Ob das größte Kreuzfahrtschiff der Welt jemals fertiggestellt wird, ist nicht bekannt. (Quelle: Frank Hörmann/nordlicht/imago images)

Das 1,5 Milliarden Euro teure Schiff ist zu 75 % fertiggestellt. Sie ist eines der größten Kreuzfahrtschiffe der Welt: 342 Meter lang, 57 Meter hoch, Platz für 9.500 Passagiere und 2.500 Besatzungsmitglieder. Doch bis zur Fertigstellung fehlen noch rund 600 Millionen Euro.

Bisher wurde das Schiff für die Muttergesellschaft der Werften, Genting Hong Kong, gebaut. Das asiatische Tourismusunternehmen ist auf Kreuzfahrten spezialisiert. Der Konzern bleibt ein potenzieller Käufer.

Die Bundesregierung hatte zuvor zugesagt, das Geld für die Fertigstellung des Wirtschaftsstabilisierungsfonds vorzustrecken, forderte aber 60 Millionen Euro als Eigenleistung von Genting. Da die Muttergesellschaft diese Summe nicht bereitstellte, scheiterte das Hilfspaket (Lesen Sie hier, wie es zur Insolvenz kam).

Unklar ist auch, wie es mit den 1.900 Mitarbeitern weitergeht. Mindestens Dezembergehälter sollen am Montag ausbezahlt werden. Laut IG Metall haben die meisten Beschäftigten die notwendigen Entsendeerklärungen bereits unterschrieben. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Bundesagentur für Arbeit Insolvenzentschädigung zahlen kann.

Diese Leistungen werden jedoch nur für drei Monate gewährt. Bis dahin muss der Insolvenzverwalter andere Finanzierungsquellen finden, wenn der Betrieb fortgeführt werden soll. Der Verkauf einzelner Stellplätze oder der Verkauf von Werftgrundstücken sind bereits im Gespräch.

Laut Morgen gibt es in Stralsund die Idee, einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln. An anderen Orten ist der Bau von Offshore-Windplattformen vorgesehen. Das Insolvenzverfahren wird voraussichtlich am 1. März eröffnet.

Die Bundesregierung ist nach Angaben von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bereit, einen Neustart der Werften zu unterstützen. Sie werde alles tun, um die Mitarbeiter an den Standorten Wismar, Stralsund und Rostock zu unterstützen und ihnen eine Perspektive zu geben, heißt es in einem Schreiben Lindners an den Gesamtbetriebsrat.

Betriebsratsvorsitzende Ines Scheel sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten bereits zwei Briefe an Lindner geschickt. „Wir haben gehofft, dass es noch eine Lösung gibt und eine Insolvenz vermieden werden kann. Jetzt hoffen wir, dass es anders weitergeht“, sagte Scheel.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist überzeugt, dass der Schiffbau in Deutschland trotz Insolvenz der MV Werften eine Zukunft hat. „Grundsätzlich gibt es durchaus Perspektiven für die Werftenindustrie“, sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Freitag dem Deutschlandfunk.

Bei großen Passagierschiffen wird die Pandemie zeigen, ob der Markt gesättigt ist. „Aber natürlich gibt es tolle Alternativen. Zum Beispiel im Güterverkehr sind wir auch in Zukunft auf die Schifffahrt angewiesen.“ Es ist daher richtig, dass die IG Metall für den Erhalt der Werften kämpft.

Genting kaufte 2016 MV Werften, um Kreuzfahrtschiffe für den Eigenbedarf zu bauen. Doch durch die anhaltende Corona-Pandemie sind die Einnahmen eingebrochen und der gesamte Konzern in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Am Montag meldeten die MV-Werften dann Insolvenz an.

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