Dienstag, Mai 17, 2022

Was Landwirte gegen die Dürre tun


Trockenheit und Trockenheit haben in den letzten Jahren auch in Deutschland zu Ernteausfällen geführt. Wie muss die Landwirtschaft mit der Trockenheit auf den Feldern umgehen?

Kohlrabi, Blumenkohl, Kopfsalat, Fenchel und Petersilie wachsen auf den Feldern von Martin Steig in der Vorderpfalz. Der Gemüsebauer hat auf seinen 50 Hektar Land 15 Hydranten und auf den Feldern gibt es überall kleine Rohre, die an die Wasserversorgung angeschlossen sind. „Gemüseanbau funktioniert nicht ohne künstliche Bewässerung“, sagt Steig.

Derzeit bewässert er seine Felder einmal wöchentlich mit 15 bis 20 Litern pro Quadratmeter, in den trockenen Sommermonaten deutlich mehr. „Sonst hätte ich verkümmerte Vegetation, quer durchs Sortiment, der Handel würde solches Gemüse nicht bei mir kaufen, das wäre unverkäuflich.“ Das Wasser, mit dem Martin Steig sein Gemüse gießt, ist kein Grundwasser, sondern stammt aus einem Altrheinarm bei Speyer.

Der Landwirt aus Mutterstadt ist Mitglied im „Verein Wasser und Boden zur Bewässerung der Vorderpfalz“. Es verfügt über ein eigenes Bewässerungssystem mit Pumpstationen und einem großen Rohrnetz. Millionen Kubikmeter Wasser werden jährlich vom Altrheinarm zu den Gemüsefeldern in der Vorderpfalz geleitet. Rund 525 Bauern gewinnen auf diese Weise Wasser für ihre Felder. „Unser Bewässerungssystem ist in dieser Größenordnung europaweit einzigartig. Wir ermöglichen den Landwirten in unserer Region, ihre Felder optimal zu bewässern und grundwasserschonend zu arbeiten, da wir unser Wasser aus dem Altrheinarm bei Speyer beziehen.“ sagt Christine Grzesch, Sprecherin des Bewässerungsverbandes.

Hans Jürgen Hahn von der Universität Koblenz Landau erforscht die Wechselwirkungen zwischen Oberflächenwasser und Grundwasser. Der Wissenschaftler erkennt die Dürre als Problem für die Landwirtschaft, aber in seinen Augen ist auch die Landwirtschaft selbst Teil des Problems. Für den Grundwasserökologen ist klar, dass die Landwirtschaft als Lebensmittelproduzent in trockenen Jahren auf Wasser angewiesen ist, er fordert aber einen sparsameren Umgang mit der knappen Ressource Wasser und eine nachhaltigere Bewirtschaftung.

Dass die Landwirte in der Vorderpfalz Wasser aus einem Arm des Altrheins nutzen und das Grundwasser nicht anzapfen, ist gut, weil es den Grundwasserspiegel schont und nicht weiter absenkt. „Aber künstliche Bewässerung kann kein Allheilmittel sein. Ein unbegrenzter Rückzug aus dem Rhein ohne Folgen für die Umwelt ist auch nicht möglich.“

Hahn kritisiert auch die Folgen der intensiven Landwirtschaft, die durch Bewässerung in der Vorderpfalz ermöglicht wird. „Das Grundwasser ist durch die vielen Ernten und die starke Düngung belastet, der Nitratgehalt im Grundwasser ist in der Vorderpfalz deutlich höher als in anderen Regionen.“ Genau das kritisiert der Naturschutzbund BUND Vorderpfalz.

Kleinere Kartoffeln und geringere Erträge bei anderen Feldfrüchten – wie viele Landwirte hat auch Biobauer Armin Meitzler in den letzten Jahren die Auswirkungen der Trockenheit auf seinen Feldern zu spüren bekommen. Doch primär auf künstliche Bewässerung zu setzen, ist für den Landwirt aus Rheinhessen der falsche Weg. „Erstens hat nicht jeder Bauer Zugang zu genügend Wasser, und zweitens löst das nicht das grundlegende Problem der Dürre und des Klimawandels.“

Meitzler ist sich dessen bewusst, gerade beim Gemüseanbau ohne Bewässerung, doch der Landwirt aus Spiesheim geht einen anderen Weg. Er baut Getreide und Weinbau ohne künstliche Bewässerung an. „Wir müssen den Niederschlag besser im Boden speichern, wenn er fällt, zum Beispiel auch bei Starkregen. Dafür ist eine Humusbildung notwendig.“ Deshalb begrünt der Biobauer seine Felder das ganze Jahr über, baut im Winter zum Beispiel Roggen und Wicken an, die den Boden mit Nährstoffen versorgen und später nicht geerntet, sondern in den Boden eingearbeitet werden. Ebenso Klee, der dann unterwandert wird. Auch im Sommer sät er direkt nach der Ernte verschiedene Pflanzenarten aus, die später in den Boden eingearbeitet werden.

Der Biobauer setzt auch auf alte Getreidesorten wie Einkorn und Emmer, aber auch auf Dinkel. „Diese Sorten können besser mit Trockenstress umgehen und sind widerstandsfähiger gegen alle Arten von Wetterkapriolen.“ Und: Bauer Meitzler hat kürzlich 500 Bäume und Sträucher auf seinen Feldern gepflanzt: Walnuss, Haselnuss, Apfel, Marille, Pflaume, Himbeere, Johannisbeere, mehr als 120 Sorten und Arten – ein Projekt der regionalen Stiftung „Wald fürs Leben“. So kann der Bauer Obst aus der Region anbieten, und die Bäume mit ihren längeren Wurzeln sollen den Boden ganzjährig mit Nährstoffen versorgen und zwischendurch auch Schatten auf den Ackerflächen spenden.

„Vor 100 Jahren war es viel häufiger, Bäume auf den Feldern“, sagt der Biobauer. „Bevor sie bei der Bearbeitung der Felder mit großen Maschinen hinderlich waren.“ Auf den Feldern von Landwirt Meitzler in Rheinhessen sind zwischen den Baumreihen rund 36 Meter Platz, um dort mit Traktor und Mähdrescher zu arbeiten. „Wenn es sehr trocken wäre, müsste ich die Bäume in den kommenden Wochen gießen, aber nur, weil sie neu gepflanzt werden. Das wäre dann die absolute Ausnahme.“

Gemüsebauer Steig aus der Vorderpfalz gibt an, sparsam mit Wasser umzugehen. „Ich gieße so viel, wie für das Pflanzenwachstum nötig ist, nicht mehr.“ Landwirten sind keine Gemüsesorten bekannt, die weniger Wasser benötigen. Wenn es sie gäbe und sie marktfähig wären, könne sich Steig gut vorstellen, sie anzubauen, sagt er. „Aber bei der ganzen Diskussion um die Wassernutzung möchte ich betonen, dass es hier ja auch um Ernährungssicherheit geht.“ Wenn die Lebensmittelproduktion nicht funktioniere, sagt Gemüsebauer Steig, seien die Folgen gravierend.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neuesten Nachrichten

Trotz des „Null-COVID“-Status ist Shanghai noch Wochen vom normalen Leben entfernt

Von David Stanway und Martin Quin PollardSHANGHAI/PEKING (Reuters) – Shanghai hat am Dienstag den lang ersehnten Meilenstein von...

Weitere Artikel wie dieser

- Advertisement -