Sonntag, Januar 16, 2022

Was tun, wenn der Gasversorger storniert?


Wegen der hohen Gaspreise stellen Energieversorger derzeit fast täglich Lieferungen ein und kündigen Verträge. Für Betroffene oft ein Schock. Was Verbraucher tun müssen und worauf sie achten müssen.

Der stark gestiegene Gaspreis treibt immer mehr Anbieter in die Insolvenz. Ihr Geschäftsmodell bricht zusammen und Sie müssen Ihre Kunden verlassen. Zuletzt war es mit seiner Marke Grünwelt Energie beim Versorger gas.de zu finden. Er kündigte alle Gaslieferverträge und stellte die Lieferung ein. Als Grund nennt er die „beispiellose Preisexplosion“ auf dem europäischen Erdgasmarkt.

Für die Betroffenen ist das mitten im Winter eine beängstigende Situation. Aber eigentlich besteht kein Grund zur Sorge, denn die Verbraucher werden automatisch durch die Ersatzversorgung gedeckt. „In solchen Fällen übernehmen die lokalen Grundversorger die Lieferung lückenlos. So muss niemand wegen der Kündigung in einer kalten Wohnung sitzen“, sagt Lenia Baga, Rechtsanwältin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Grundversorger ist immer das Unternehmen, das die meisten Kunden in einem bestimmten Netzgebiet beliefert. Oft, aber nicht immer, sind es die örtlichen Stadtwerke oder ein anderes kommunales Unternehmen. Verbraucher haben nun die Möglichkeit, den Grundversorger fristlos zu kündigen und in einen günstigeren Tarif zu wechseln – sofern sie einen solchen finden.

Da die Konditionen der zahlreichen Anbieter sehr unterschiedlich sein können, empfehlen Verbraucherschützer die Nutzung von Vergleichsportalen wie Check 24 oder Verivox. Allerdings sollten die Suchenden genauer hinschauen: Viele Anbieter werben mit Bonuszahlungen, die den Tarif im ersten Jahr besonders günstig machen. Fällt der Bonus im zweiten Jahr nicht an, steigen die Preise teilweise rasant. Wer bereit ist, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln, kann sich bewusst für einen Bonustarif entscheiden. Wer langfristig bei einem Anbieter bleiben möchte, schaut sich besser die Tarifkonditionen ohne Boni an. Verbraucherschützer empfehlen zudem, einen Vertrag mit Preisgarantie abzuschließen. Der Anbieter garantiert dem Kunden dann für einen bestimmten Zeitraum einen Festpreis.

Es besteht übrigens keine Verpflichtung, einen neuen Gaslieferanten zu suchen, wenn der alte ausliefert und ausfällt. Finden Betroffene innerhalb von drei Monaten keinen neuen Lieferanten, bleiben sie automatisch beim Basislieferanten.

Kunden, deren Liefervertrag – wie jetzt bei Grünwelt – gekündigt wurde, sollten jedoch dafür sorgen, dass ihre Einzugsermächtigung schriftlich widerrufen und der Dauerauftrag bei der Bank storniert wird. Ganz wichtig ist auch, dass die von einer Kündigung betroffenen Verbraucher den Zählerstand am Ende des Einkaufs selbst ablesen und den Versorger und den Grundversorger informieren.

Das Unternehmen gas.de hat angekündigt, mit den Kundenbeziehungen sachgerecht umzugehen und offene Guthaben sowie vereinbarte Neukundenboni mit der Endabrechnung auszuzahlen. Betroffene sollen nun ihren aktuellen Zählerstand ablesen, diesen dem Anbieter melden und selbst dokumentieren.

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